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Das Lied der alten Steine

Das Lied der alten Steine

Titel: Das Lied der alten Steine Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Barbara Erskine
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Rücken hinunter. Mit halb verwirrter, halb besorgter Miene folgte sie Toby auf das Hinterdeck. »Sie wirkte auf mich nicht betrunken.«
    »Vielleicht war sie auch nicht betrunken, als sie beim Mittagessen das Riesentheater veranstaltet hat«, sagte Toby nachdenklich. Sie lehnten an der Reling und schauten auf den Fluss hinaus. »Sie hatte keine Fahne. Ich würde sagen, sie war krank. Vielleicht ist es die Hitze.« Er zuckte mit den Schultern.
    »Vielleicht sollte mal jemand mit Omar reden.«
    Er drehte sich um. »Andy scheint allerhand Probleme zu haben im Moment. Nicht zuletzt mit mir.« Er klang unbeschwert, als er das Thema wechselte.
    Sie schaute ins Wasser hinab. »Wie Sie sagen, Andy hat Probleme mit vielen Leuten.« Unvermittelt sah sie zu ihm auf.
    »Sie hat doch Sekhmet gesagt, nicht wahr?«
    Er sah sie verständnislos an. »Wer?«
    »Charley. Charley hat über die Göttin Sekhmet geredet.«

»Tatsächlich? Sie hat gerast und getobt wie eine Irre. Ich konnte sie gerade lange genug zurückhalten, dass Sie sich ihn zuerst schnappen konnten.« Er grinste sie schelmisch an.
    »Interpretieren Sie nicht zu viel in das hinein, was sie gesagt hat.
    Sie war nicht ganz bei Trost.«
    Anna biss sich auf die Lippe. Sie schwieg einen Augenblick oder zwei und Toby betrachtete ihr Gesicht. »Darf ich Sie zu einem Drink vor dem Abendessen einladen?« Er trat von der Reling zurück und schaute zur Tür. »Ich glaube, die Luft ist jetzt rein.«

    Sie schüttelte den Kopf. »Danke, aber ich rede lieber noch schnell mit Serena. Die soll wissen, dass der Mistkerl mich nicht von ihr fern halten kann.« Sie verstummte und betrachtete eingehend Tobys Gesicht. Auf einmal wurde ihr klar, dass sie seit Andys Eröffnung zum ersten Mal mit ihm allein war. Wie hatte sie das vergessen können? Aber es war so viel passiert, dass sie es verdrängt oder so getan hatte, als hätte sie nichts gehört. Auf jeden Fall hatte sie es nicht geglaubt. Oder? Sie sah ihm in die Augen, dann schüttelte sie den Kopf. Das war nicht das Gesicht eines Mörders. Wenn doch, dann war sie die schlechteste Menschenkennerin auf der ganzen Welt.
    Serena war nirgends zu finden. Ihre Kabine lag im Dunkeln, nur eine friedlich schnarchende Charley lag darin. Sie war nicht in Annas Kabine, nicht auf dem oberen Deck, auch nicht in dem leeren Speisesaal. Verwundert ging Anna zurück in ihre eigene Kabine.
    Wo steckte sie bloß? Sie konnte doch nicht allein an Land gegangen sein. Das Schiff war nicht so groß, dass jemand darauf verschwinden konnte. Sie musste bei jemand anderem in der Kabine sein. Vielleicht bei Ben oder den Booths oder einem der anderen.
    Mit einem müden Seufzer setzte sie sich aufs Bett. Sie hatte nur noch eine halbe Stunde bis zum Abendessen. Sie konnte zur Bar zurückgehen und einen Drink mit Toby nehmen, oder sie konnte vielleicht noch einen Blick ins Tagebuch werfen, um herauszufinden, was geschah, als Louisa auf das Schiff zurückkam.

    Louisa zog sich um, da ihre Kleidung vom Sprühwasser ziemlich durchnässt, war, und ging dann wieder an Deck. Dort traf sie die Forresters im Gespräch mit Lord Carstairs, während sie auf die Männer hinabschaute, die mit größter Anstrengung das Schiff die Stromschnellen hinaufzogen. Sie errötete, als sie ihn sah. Sie hatte gehofft, er wäre zu seinem eigenem Schiff zurückgekehrt, das ihnen am nächsten Tag folgen würde.
    Er wandte sich ihr zu und sie war verblüfft über den Ausdruck amüsierten Triumphs, mit dem er sie anblickte. Sie konnte ihn, wie sie plötzlich erkannte, lesen wie ein Buch. Er fühlte sich vollkommen sicher im Vertrauen darauf, dass sie sich an nichts von dem nachmittäglichen Ereignis auf dem Felsen erinnerte, und machte sich ein wenig über sie lustig. Ihr war kalt und wie schon zuvor, fühlte sie sich wie ein Kaninchen vor der Schlange, unfähig sich zu rühren oder gar wegzulaufen. Mit Mühe wandte sie den Blick ab und trat näher an Sir John, dessen bullige, gut gelaunte Solidität sehr tröstlich war.
    »So, Lord Carstairs«, sagte sie von dieser sicheren Position aus, »ich nehme an, Sie kehren heute Abend zu Ihrem eigenen Schiff zurück? Ich darf Ihnen danken, dass Sie das Picknick für mich arrangiert haben.«
    Er verbeugte sich nur leicht. Zum ersten Mal bemerkte sie, dass sein Lächeln ein wenig Schlagseite hatte. Das gab ihm ein unangenehm fuchsartiges Aussehen. Sie spürte wieder ein Frösteln.
    Sir John bemerkte es. Er legte ihr den Arm um die Schultern und drückte sie

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