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Das Lied der alten Steine

Das Lied der alten Steine

Titel: Das Lied der alten Steine Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Barbara Erskine
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hörte.
    »Wer ist da?« Sie räusperte sich ängstlich.
    »Ich bin’s, Toby. Ich wollte Sie nicht wecken. Ich wollte nur

    wissen, ob alles in Ordnung ist.«
    Sie stieg aus dem Bett und öffnete die Tür. »Mir geht es gut, danke.« Er lehnte an der Wand, den einen Arm lässig hinter dem Kopf. Er lächelte sie an, ohne Anstalten zu machen, hereinzukommen. »Ich habe mir ein bisschen Sorgen gemacht, als Sie nicht zum Abendessen erschienen sind. Aber ich habe gehofft, dass Andy Sie nicht auf sein Lager gezerrt hat.«
    Sie lächelte. »Keine Chance.«
    »Da bin ich aber froh. Okay, gute Nacht, schlafen Sie gut.«
    Sie blieb in der Tür stehen, als er den Flur hinunterging, und sah ihn noch um die Ecke biegen. Dann ging sie nachdenklich zurück in ihre Kabine.
    An diesem Abend las sie nicht weiter. Sie duschte nur schnell und fiel dann erschöpft ins Bett. Ihr letzter Gedanke galt dem Amulett um ihren Hals. Damit fühlte sie sich merkwürdig sicher.
    Und sie schlief gut bis in die frühen Morgenstunden. Dann wachte sie halb auf. Sie döste weiter, wachte wieder auf, schlief wieder ein. Als sie das nächste Mal aufwachte, tastete sie schon nach dem Tagebuch, ehe sie überhaupt die Augen geöffnet hatte.
    Allmählich wurde sie besessen von der Neugier, wie es Louisa ergangen war.

    Louisa hatte nach ihrer unangenehmen Unterhaltung mit den Forresters lange geschlafen, daher traf sie am nächsten Morgen, als sie in einer dünnen Bluse und einem Rock aus ihrer Kabine kam, Augusta alleine im Salon an. Augusta führte sie an Deck, wo sie unter einem Sonnensegel Limonade tranken. »Sir John und ich haben miteinander gesprochen, Louisa«, begann sie. Sie warf ihrer jüngeren Freundin einen kurzen Blick zu. »Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir wohl überstürzt gehandelt haben, als wir Hassan entließen. Vielleicht hat Roger uns irregeführt. Natürlich unabsichtlich«, beeilte sie sich hinzuzufügen. »Der Reis meint, Hassan sei noch nicht flussabwärts gereist. Er und Sir John sind an Land gegangen, um ihn zu suchen. Zwar werden die Männer, die uns den Katarakt hinaufziehen, bald wiederkommen, aber es wird für Hassan ein Leichtes sein, in Philae zu uns zu stoßen, wenn er will.«
    Louisa hielt die Luft an. Sie schloss die Augen und gab sich größte Mühe, die Fassung zu bewahren. Ihr Herz schlug wie wild.
    »Würde Ihnen das Freude machen, meine Liebe?«
    Sie bemerkte plötzlich, dass Augusta ihr Gesicht musterte.
    Sie nickte. »Das würde mich sehr freuen.«
    »John ist ein guter Mensch, müssen Sie wissen, meine Liebe.«
    Augusta kaute etwas verlegen auf ihrer Lippe. »Manchmal gerät er in Erregung, aber er meint es nicht böse.«
    Louisa lächelte. »Das weiß ich.« Sie war gerührt. Es konnte nicht einfach für Augusta sein, sich in einem Atemzug für ihren Mann zu entschuldigen und sie zu warnen. Beides hatte sie mit unendlichem Takt erreicht.
    Nun blieb nur noch ein Streitpunkt. »Und Lord Carstairs?«
    »Wenn Hassan da ist, gibt es keinerlei Notwendigkeit für Sie, mit Carstairs allein zu sein, meine Liebe. Ich glaube, Roger wurde als Kind sehr verwöhnt, deshalb benimmt er sich auch als Erwachsener noch so. Wenn er etwas haben will, dann glaubt er, es stünde ihm von Rechts wegen zu und nichts darf ihm im Wege stehen. Wir werden ihm zeigen müssen, dass er zwar immer noch willkommen ist auf der Ibis, in diesem Fall aber nicht bekommt, was er will.«
    Louisa verbrachte den Rest des Vormittags damit, die Klippen und Felsen zu zeichnen. Es wurde Mittag, bevor die Männer zurückkamen, um das Schiff das letzte Stück des Katarakts hinaufzuziehen. Mit ihnen kamen Sir John und Lord Carstairs.
    Louisa hatte sich ganz an das andere Ende des Schiffes zurückgezogen, um alles von dort aus sehen zu können. Sie begrüßte die beiden Neuankömmlinge nicht, sondern sah vielmehr den Männern zu, die sich auf den Felsen um die Taue formierten, wie Kohorten, die sich darauf vorbereiten, gegen die Elemente zu kämpfen. Nach einigen Augenblicken sah sie aus dem Augenwinkel, dass Sir John und Carstairs unter Deck in den Salon gingen, wo Augusta Schutz vor der Sonne gesucht hatte.
    Es dauerte eine Weile, bis sich wieder jemand zeigte. Es war Augusta. Ihre Augen glänzten, als sie nach achtern eilte und sich neben Louisa setzte.
    »Eine wunderbare Neuigkeit! Sie werden es nicht glauben!«
    »Sir John hat Hassan gefunden?« Louisas Herz hüpfte vor Freude.
    »Hassan?« Augusta sah einen Moment lang verwirrt drein.
    »Ach, nein.

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