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Das Lied von Eis und Feuer 02 - Das Erbe von Winterfell

Das Lied von Eis und Feuer 02 - Das Erbe von Winterfell

Titel: Das Lied von Eis und Feuer 02 - Das Erbe von Winterfell Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: George R R Martin
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Männer ohne Zahl, mit Arakhs, die wie Grashalme in seinen Händen schimmern. Wild wie ein Sturm wird der Prinz sein. Seine Feinde werden vor ihm zittern, und ihre Frauen werden Blut weinen und sich vor Trauer zerfleischen. Die Glocken im Haar werden von seinem Kommen künden, und die Milchmenschen in den Steinzelten werden seinen Namen fürchten.« Die alte Frau zitterte und sah Dany vorsichtig an, als fürchtete sie sich. »Der Prinz reitet, und er wird der Hengst sein, der die Welt besteigt!«
    »Der Hengst, der die Welt besteigt!«, riefen die Zuschauer wie ein Echo, bis die Nacht vom Klang ihrer Stimmen widerhallte.
    Das einäugige Weib blickte Dany durchdringend an. »Wie soll er heißen, der Hengst, der die Welt besteigt?«
    Für die Antwort erhob sie sich. »Er soll Rhaego heißen«, sagte sie mit den Worten, die Jhiqui sie gelehrt hatte. Ihre Hände umfassten schützend die Rundung unter ihren Brüsten, als ein Donnern von den Dothraki ausging. »Rhaego«, riefen sie. »Rhaego, Rhaego, Rhaego!«
    Der Name klang noch in ihren Ohren, als Khal Drogo sie aus der Grube führte. Seine Blutreiter reihten sich hinter ihnen ein. Eine Prozession folgte ihnen auf den Götterpfad hinaus, die breite, grasbewachsene Straße entlang, die durch das Herz von Vaes Dothrak führte, vom Pferdetor zur Mutter aller Berge. Die alten Weiber der Dosh Khaleen kamen zuerst, mit ihren Eunuchen und Sklaven. Einige stützten sich auf lange, geschnitzte Stöcke, wenn sie sich auf zitternden Beinen vorwärtskämpften, während andere erhaben wie Reiterlords einherstolzierten. Jede dieser alten Frauen war einst eine Khaleesi gewesen. Wenn ihre Männer starben und ein neuer Khal seinen Platz vor allen Reitern einnahm, mit einer neuen Khaleesi neben sich, schickte man sie hierher, damit sie über das riesige Land der Dothraki
herrschten. Noch der mächtigste Khal verneigte sich vor der Weisheit und Autorität der Dosh Khaleen. Dennoch lief Dany ein Schauer über den Rücken, wenn sie daran dachte, dass man sie eines Tages zu ihnen schicken würde, ob sie wollte oder nicht.
    Hinter den weisen Frauen folgten die anderen. Khal Ogo und sein Sohn, der Khalakka Fogo, Khal Jommo und seine Frauen, die wichtigsten Männer aus Drogos Khalasar, Danys Mägde, die Diener und Sklaven des Khal und viele mehr. Glocken läuteten, und Trommeln schlugen einen würdevollen Rhythmus, während sie über den Götterpfad marschierten. Gestohlene Helden und die Götter toter Völker brüteten in der Dunkelheit jenseits der Straße. Neben der Prozession liefen Sklaven leichten Fußes mit Fackeln in Händen durch Gras, und die flackernden Flammen ließen die großen Monumente fast lebendig erscheinen.
    »Was bedeutet der Name Rhaego?«, fragte Khal Drogo, während sie gingen, in der Gemeinen Zunge der Sieben Königslande. Sie hatte ihn ein paar Worte gelehrt, wenn sie konnte. Drogo lernte schnell, wenn er sich auf etwas einließ, nur war sein Akzent so breit und barbarisch, dass weder Ser Jorah noch Viserys ein Wort von dem verstehen konnten, was er sagte.
    »Mein Bruder Rhaegar war ein wilder Krieger, meine Sonne, meine Sterne«, erklärte sie ihm. »Er starb, bevor ich geboren wurde. Ser Jorah sagt, er sei der letzte Drache gewesen. «
    Khal Drogo sah auf sie herab. Sein Gesicht war eine kupferne Maske, unter dem langen, schwarzen Bart, der vom Gewicht seiner goldenen Ringe in die Tiefe gezogen wurde, meinte sie jedoch den Anflug eines Lächelns ausgemacht zu haben. »Ist gute Name, Dan Ares Frau, Mond meines Lebens«, sagte er.
    Sie ritten zu dem See, den die Dothraki »Schoß der Welt«
nannten, ein von Schilf umgebenes, stilles Wasser. Vor tausend Jahren, so viel hatte Jhiqui ihr erzählt, war der erste Mensch aus seiner Tiefe aufgestiegen, reitend auf dem ersten Pferd.
    Die Prozession wartete am grasbewachsenen Ufer, während Dany sich entkleidete und ihre verschmutzten Sachen auf die Erde fallen ließ. Nackt stieg sie vorsichtig ins Wasser. Irri behauptete, der See habe keinen Grund, doch Dany spürte, wie der weiche Schlamm zwischen ihren Zehen hervorquoll, als sie sich durch das hohe Schilf schob. Der Mond trieb auf den stillen, schwarzen Fluten, zersprang und formte sich erneut, wenn die Wellen über sein Spiegelbild hinwegglitten. Sie bekam eine Gänsehaut, als die Kälte an ihren Oberschenkeln hinaufkroch und ihre unteren Lippen küsste. Das Hengstblut an ihren Händen und um den Mund herum war getrocknet. Dany schöpfte heiliges Wasser, hob es über ihren

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