Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition)
der Luftstreitkräfte fällt auf einem Flughafen nicht auf. Vermutlich beabsichtigen sie, denselben Ausgang im Nordwesten zu nehmen, wie wir. Sie hätten dort Richtung Westen gleich mehrere Fluchtwege zur Auswahl.“
Cannon konnte seinen Blick nicht von der Satellitenaufnahme lösen. „Ich fass‘ es nicht!“ Er atmete tief, stieß nach kurzer Verweilzeit die Luft mit vernehmlichem Schnaufen aus. „Was machen wir jetzt?“
Bassetts Antwort war knapp und unmißverständlich: „Umkehren und den Scheißkerl vom Lkw holen!“
Der Fahrer riß das Steuer herum, ohne direkt aufgefordert worden zu sein. Mit qualmenden Reifen beschleunigte er den Van in Gegenrichtung. Bassett beobachtete unverdrossen das Satellitenbild, dann tippte er dem Fahrer auf die Schulter. „Welchen Weg nehmen Sie?“
„Wir müssen außen ‘rum, so, wie wir gekommen sind.“ Der Fahrer wies mit der Linken auf den Bildschirm. „Vor dem Eisenbahndepot können wir eine Abkürzung nehmen.“
Bassett schien keine Einwände zu haben. „Achten Sie darauf, daß wir rechtzeitig anhalten, bevor die uns sehen können!“ Der Fahrer nickte wortlos und beschleunigte das Fahrzeug.
„John, nehmen Sie Kontakt zu Abdul auf. Fragen Sie ihn, wie lange er braucht, um mit Masoods Kerntruppe dort aufzutauchen. Er soll Halsbänder mitbringen!“ Cannon hob zur Bestätigung sein Handy in die Höhe. Die Verbindung kam rasch zustande. Er schilderte in knappen Worten die Situation und gab Anweisung, man solle sich auf der Khyber Road unweit des Tores bereit halten. Er steckte das Handy zurück in die Innentasche. Bassett mochte seine Neugier nicht verbergen; immerhin war die Jagd eröffnet, und er war der Jäger! „Nun, wie lange brauchen die?“
„Maximal fünfzehn Minuten. Aber was machen wir, wenn Taheri vorher abhaut?“
Bassett strich sich mit der linken Hand über das Kinn. „Wie lange wird die Gepäckkontrolle dauern? Ich kam mit einer Fokker. Da waren allenfalls 50, 60 Leute drin.“
Cannon konnte ein selbstgefälliges Lächeln nicht unterdrücken. „Mindestens eine Stunde. Sie fahnden offiziell nach flüssigem Sprengstoff. Abdul hat auf meine Bitte das komplette Programm veranlaßt: Gepäckidentifikation auf dem Vorfeld, Prüfung mit Sprengstoffhunden, intensive Gepäckkontrolle, Leibesvisitation, nach Geschlechtern getrennt, Befragung der Passagiere. Der ganze Zirkus, Sie wissen schon.“
Bassett schien die Auskunft sichtlich zu erfreuen. „Mensch, Cannon! Sie sind besser, als ich dachte! Allmählich muß man ja Respekt vor Ihnen haben. Eine Stunde! Das reicht allemal, die Hakennase einzutüten!“
Inzwischen hatten sie das an das Flughafenareal angrenzende Eisenbahndepot erreicht. Der Fahrer verlangsamte die Fahrt, um den Abzweig vor dem Bahnareal nicht zu verfehlen. Langsam rollten sie auf die Stelle zu, die im GPS noch immer dasselbe Bild abgab. Das niedrige Buschwerk gewährte nur wenig Deckung. Nach 500 Metern hieß Bassett den Fahrer, anzuhalten. Keine sechzig Meter von ihnen entfernt stand auf der querenden Piste der Lkw. Der Fahrer des Van öffnete ungefragt das Handschuhfach und reichte Bassett einen Feldstecher. Bassett stieg aus. „Bleiben Sie im Wagen!“ Cannon schloß die Tür an seiner Seite wieder. „Es ist niemand in der Fahrerkabine. Sie müßten auf der Ladefläche sein, läßt sich aber nicht mit Gewißheit sagen. Auf jeden Fall haben sie die Plane hinter dem Fahrerhaus hochgerollt. Das erleichtert die Arbeit. War ihnen vermutlich zu warm geworden. Oder sie hocken neben dem Lkw in Deckung des Buschwerks. Das würde die Sache allerdings erschweren.“
Cannon tippte dem Fahrer auf die Schulter. „Können Sie den Ausschnitt noch ‘mal ‘ranzoomen?"
Der Fahrer machte sich unverzüglich an dem Gerät zu schaffen. „Mehr geht nicht. Sonst wird der Lkw nicht mehr erfaßt.“
Cannon schaute sich intensiv das infolge der hohen Auflösung unscharfe Satellitenbild an. Er achtete auf jedes Detail, jeden Schatten, jede Farbnuance. „Dick! Ich kann im Umfeld des Lkw nichts dergleichen feststellen. Sie müßten unter dem Lkw liegen, wenn sie nicht auf der Ladefläche sind.“
Bassett setzte sich wieder in den Van. „Abdul soll Verbindung zum Flughafenkommandanten aufnehmen. Die sollen einen Lkw, irgend etwas Unverfängliches aus ihrem Fuhrpark, unmittelbar vor dem 5-Tonner parken. Der Fahrer soll anschließend in das Gebäude gehen. Wenn die vorhaben, was wir vermuten, wird sich deren Fahrer zeigen und den 5-Tonner einige
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