Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition)
Lebens überhaupt. Er war selbstbewußt; er würde nicht versagen, er würde die erhofften Ergebnisse bringen! Er ging in sein Zimmer und holte seine Tasche. Für einen Moment trat er aus dem Halbdunkel des Flurs, hob zum Abschiedsgruß die Hand. Dann verließ er wortlos das Penthouse. Sie hörten, wie sich seine Schritte entfernten, die Fahrstuhltür ihr schabendes Schließgeräusch aussandte. Ohne ein Wort gewechselt zu haben, drängelten sie gleichzeitig durch die Terrassentür.
Sie hörten unten die Haustür zuschlagen. Wenige Augenblicke später erschien Aamir auf der gepflasterten Zufahrt. Ohne nach oben zu blicken, durchschritt er die Parkanlage, überquerte den unbefestigten Seitenstreifen und öffnete die Beifahrertür des Pick-up. Er verstaute seine Tasche auf der Rückbank. Erst jetzt drehte er sich zu ihnen um. Sein Blick suchte sie einen Moment, dann hob er zum Abschied winkend die Hand. Er umkurvte den Wagen, stieg ein und ließ den Motor an. Krachend rastete der erste Gang ein; sie hatten das Getriebe noch immer nicht repariert. Ein kurzes Hupen, dann reihte er sich in den fließenden Verkehr ein und verschwand nach wenigen Metern unter dem ausladenden Geäst einer Kiefer.
Sie standen einen Moment stumm am Geländer der Dachterrasse, jeder mit sich und seinen Gedanken beschäftigt. General Saeed schlug schließlich vor, in den Salon zurückzukehren, da es draußen zu schwül sei. In diesem Moment klingelte das Telefon. Der General huschte in den Salon und meldete sich knapp. Er hörte eine Weile zu, dann drehte er sich ihnen zu. Seine Hand wies auf Igor. „Wann? ... das wäre ja übermorgen! Wir haben noch keinen Ausweis! ... Ich werde das hier diskutieren und mich wieder melden. Jedenfalls besten Dank! Gute Arbeit!“ Er legte auf und schien einen Moment zu überlegen. Dann verschwand er Richtung Arbeitszimmer, um gleich darauf mit einer Digitalkamera zurückzukehren. „Igor, ich benötige Ihr Konterfei. Stellen Sie sich bitte dort vor die Wand. Horst, machen Sie bitte überall das Licht an, damit wir weniger Schatten haben!“
Er machte mehrere Aufnahmen. „Nun, Igor, was meinen Sie? Welches Foto sollen wir für Ihren Paß nehmen?“ Sie einigten sich auf eine Aufnahme. Der General beeilte sich, diese über Internet weiterzuleiten. Er nahm sein Notizbuch, suchte nach einer Nummer und griff zum Telefon. „Ich bin‘s, Saeed. Adeel bat mich, euch anzurufen. Ihr erhaltet jeden Moment ein Paßfoto. Es wird benötigt für einen russischen Reisepaß. Dringende Terminsache, muß morgen abend hier vorliegen! Außerdem benötige ich einen auf die gleiche Person ausgestellten Werksausweis der Pakistan Steelworks. Und ein Schreiben der Direktion, demzufolge der Ausweisträger verantwortlicher Leiter des russischen Expertenteams ist und Zugang zu allen technischen Einrichtungen hat. Ist das OK? ... Moment mal ...“ Er drehte sich zu ihnen um. „Igor, übernehmen Sie mal! Die brauchen Ihre Daten. Nicht die richtigen – die Ihres zweiten Lebens!“
Während Igor Punkt für Punkt mit der anderen Seite abstimmte, setzte Saeed sich zu Sander. „So, das erste Problem hätten wir so gut wie gelöst. Wenn wir die nötigen Papiere rechtzeitig bekommen, fliegt Igor schon übermorgen mit einer Frachtmaschine nach Nowosibirsk. Bis Nowokusnezk sei es von dort nur ein Katzensprung. Aber warten wir ab, was der Oberst hierzu zu sagen hat.“
Sander, der bis dahin Igors Angaben im Hintergrund lauschte, hob den Kopf. „Wo steckt der überhaupt?“
Saeed schaute auf die Uhr. „Er hat in diesem Augenblick etwas in Peshawar zu regeln. Ich erwarte jeden Moment seinen Anruf, um zu erfahren, ob er noch heute oder erst morgen nach Islamabad zurückkehrt.“
14. August, 11:15 Uhr Ortszeit; Regi Badizai, 9 km nordwestlich des Flughafens, Islamabad
Mehdi Bidram starrte durch den Feldstecher gespannt Richtung Osten. Die Luft über der Ausfallstraße flimmerte in der Glut der fast im Zenit stehenden Sonne. Jeden Moment müßte der alte Mercedes auftauchen. Plötzlich brüllte er gegen den Straßenlärm sein Kommando hoch zur Fahrerkabine: „Laß den Motor an!“ Bidram schaute zur Vergewisserung noch einmal durchs Glas. Unzweifelhaft, es war der alte ‚Strich-Achter‘, erkennbar an seinem Kühler, den Scheinwerfern und der lindgrünen Farbe. Der Wagen befand sich am Ende einer von zwei Land Rover angeführten Kolonne. Er war noch gut 400 Meter entfernt.
Der Fahrer startete den Motor des Lkw. Eine schwarze
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