Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition)
Finden wird man von ihm jedenfalls nichts mehr, das an dich erinnern könnte.“
Bassett wies mit seinem Sender auf Taheri. „Das ist übrigens der Grund, warum es Ahmad so schlecht geht. Bekommt der da ...“ – er zeigte auf Abdul – „... tatsächlich einen Krampf im Daumen, dann hört Ahmad als letztes ein ganz nahes ‚Bum‘. Oder denk‘ an deine Kämpfer, die mich vor Sonnenaufgang massakrieren sollen. Ein Toter drückt keine Taste! Ab jetzt sind wir unzertrennliche Schicksalsgenossen. Wer mich tötet, tötet auch dich! Du würdest durch die Hand deiner eigenen Leute sterben! Stirbt so ein Märtyrer?“
Bidram war fassungslos. Mit aufgerissenen Augen verfolgte er die Bahn von Bassetts Hand, die den Sender gedrückt hielt. Bassett fuchtelte damit in der Luft herum, tat erst, als würde er ihn um ein Haar aus der Hand verlieren, dann, als könne er den Taster nicht länger gedrückt halten. „John, ich muß mal pinkeln. Können Sie so lange den Sender halten?“ Er drehte Bidram den Rücken zu.
Cannon sah Bassetts Augenzwinkern. Er spielte das Theaterstück mit. „Moment, ich hab‘ ihn noch nicht richtig! Nein – so wird das nichts!“ Bidram beobachtete mit wachsendem Entsetzen das ungeschickte Hantieren der beiden Amerikaner.
„Vor-sich-tig! ... Mensch, John! Passen Sie doch auf! Sie jagen ja uns alle in die Luft! ... Hier muß der Daumen hin! ... Nein, nicht so! Scheiße!“
Endlich hielt Cannon den Sender in der Hand. Bassett schien erleichtert. „Na endlich, John! Nun wissen Sie, worauf es ankommt. Passen Sie auf, wenn Ihnen Abdul Taheris Sender gibt. Sie haben nur eine Hand frei! Fliegt Taheri in die Luft, fliegen wir alle mit ihm!“ Er sah hinüber zu Taheri. Der war an der Wand zu Boden gesunken und starrte, scheinbar desinteressiert, apathisch auf seine Knie.
Cannon deutete mit dem Kopf in Bidrams Richtung. Der stand vornüber gebeugt auf den Schreibtisch gestützt, sein rasselnder Atem ging stoßweise. Bidrams Lippen waren aschgrau, leblos, die eines Toten. Alles Blut war aus seinem Gesicht gewichen. Die Augen traten rotgerändert aus ihren Höhlen, sein Blick flackerte wie der eines Irren. Kein Zweifel – Bidram war im Begriff, den Verstand zu verlieren! „Mensch, Mehdi, komm zu dir!“ Bassett schrie ihn aus nächster Nähe an. Bidram reagierte nicht. Keuchend suchte er an der Schreibtischplatte Halt. Die Knöchel seiner Hände traten weiß hervor, Schweiß tropfte von seinem Kinn.
„Achtung! Der kollabiert! Vielleicht waren wir zu heftig.“ Cannon blickte skeptisch, fast sorgenvoll auf Bidram. Dies war eine neue Erfahrung für den jungen Amerikaner – einen kraftstrotzenden Koloß zu erleben, dessen Widerstand von jetzt auf gleich brach, innerhalb weniger Sekunden zu einem mentalen Wrack deformiert. Man sah Cannon den Widerwillen an. Das war nicht sein Ding! „Dick, wir brauchen ihn noch!“
Bassett sah das offensichtlich pragmatischer als sein jüngerer Kollege. „Das haben wir gleich.“ Er packte Bidram mit der Rechten, drückte ihn in den Schreibtischsessel und gab ihm eine schallende Ohrfeige. „Mehdi! Wach auf! Komm zu dir!“ Bidram schüttelte sich. Angstvoll schaute er auf Cannons linke Hand, die verkrampft den Sender hielt. Bassett wußte, daß er Bidrams Widerstand endgültig gebrochen hatte. Das eben noch haßerfüllte Monstrum würde das tun, was er ihm aufgab. Er blickte hinüber zu Abdul, der, fasziniert von Bidrams Zusammenbruch, Taheris Sender noch immer in der Hand hielt. „Holst du mal den Koffer rein, bevor du dich verdrückst? Ich glaub‘, da ist ziemlich viel Geld drin. Wir sollten es nicht länger im Wagen lassen! Und bring‘ auch meine Tasche mit!“
Bassett angelte sich einen Stuhl und setzte sich Bidram gegenüber. „Nun, Mehdi, geht es besser?“ Bidram reagierte nicht. Der anhaltende Kampf mit dem drohenden Kollaps hielt ihn gefangen. Bassett übersah Bidrams Nöte geflissentlich. „Da wir nun unzertrennliche Brüder sind, können wir zum Geschäftlichen kommen. Wie viel Geld ist in dem Koffer?“
Bidram starrte unter zusammengekniffenen Brauen zu ihm herüber. Sein Atem ging keuchend. Dennoch schien er sich langsam zu erholen, in gleichem Maße wuchs seine Widerborstigkeit. „Zähl‘ es selbst!“
Bassetts linke Augenbraue tat das, was sie in solchen Situationen immer tat – sie verließ ihren angestammten Platz und beschrieb in beeindruckender Höhe einen sensengleichen Bogen. Bidram verstand das Zeichen nicht; er machte keinerlei
Weitere Kostenlose Bücher