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Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition)

Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition)

Titel: Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Götz Justus
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dann in unserer Reichweite! Wir könnten ihn immer noch liquidieren, sollten wir erkennen, daß er uns nicht nutzt und sein Tod uns nicht schadet. Das in Erfahrung zu bringen und die Augenzeugen auszuschalten – das sind die aktuellen Aufgabenstellungen! Ist das verstanden worden? Falls nicht, erwarte ich umgehende Wortmeldung!“
    Sechs abgeschattete Schädelumrisse verharrten bewegungslos auf dem Bildschirm, aufgereiht wie Negerküsse. Kein Zucken, kein Räuspern – ein totes Bild. Dennoch war die stetig wachsende Spannung fühlbar, sie kroch wie eine Schlange durch die Büros in Davos, Moskau, Peshawar, Hong Kong, Kyoto, Perth und Houston. In Tausende Kilometer voneinander entfernten Räumen ließ sie die Luft vibrieren. Es war faszinierend, daß eine schnöde Ansammlung im Grunde ausdrucksloser Schattenrisse über Ozeane und Kontinente hinweg die Explosivität dieses Augenblickes vermitteln konnte.
    Janus genoß das betretene Schweigen, jede Sekunde eine Sekunde des Triumphes. Es war leichter gegangen, als er zu Anfang vermutet hatte. Hörbar entspannt ging seine Schlußbemerkung über den Äther: „Das ist nicht der Fall. Ich beende die Konferenz.“ Im gleichen Moment kappte er die Leitung. Das Bild auf dem Bildschirm erlosch. Eigentlich hätte dies dem Antragsteller zugestanden, so schrieb es das Regelwerk vor. Doch diese Boshaftigkeit konnte der Russe sich nicht verkneifen. Er schaltete die Rufanlage zum Vorzimmer ein. „Linda, Jean soll mir den Briten bringen!“
     
     

16. August, 11:40 Uhr Ortszeit; Bassetts Office, US-Generalkonsulat, Karatschi
    Saeed hüstelte provozierend, als er in den Nikotindunst des Büros trat. Bassett hatte sich alle Mühe gegeben, erneut der Klimaanlage die Grenzen aufzuzeigen. Und er schien nicht geneigt, Verständnis für seine nichtrauchenden Mitmenschen aufzubringen. „Mensch, Dick! Mit welchem Organ rauchst du eigentlich? Die Lungen dürften doch längst hinüber sein!“ Bassett schaute den General irritiert an, hatte jener doch noch vor gar nicht langer Zeit selbst Kette geraucht. Erst vor wenigen Wochen war er auf Zigarren und Zigarillos umgestiegen. „Mach halblang, Muhammad. Eine deiner kubanischen Zigarren reicht aus, das Empire State Building zu verdunkeln! Sag‘ lieber, wie‘s unserem Russen ergangen ist.“
    Saeed zog einen Stuhl zu sich heran und setzte sich so, daß er Bassett und Cannon gleichzeitig im Blick hatte. „Der hockt schon in seiner Antonow. Start ist um zwölf Uhr vorgesehen. Wenn wir aufpassen, können wir den Brummer sehen. War ganz schön aufgeregt, unser Igor. Es kommt jetzt auf dich an, Dick. Wir müssen seine Familie ausfindig machen und dort rausholen, sonst können wir ihn abhaken. Besteht eigentlich noch euer westsibirisches Netz?“
    Bassett zerbröselte den Zigarettenstummel über dem Aschenbecher. „Schon, aber personell gewaltig ausgedünnt. Ich müßte über die Zentrale in Erfahrung bringen, wer dort unser Ansprechpartner ist. Das Problem ist, daß ich nicht den Grund für meine Anfrage nennen kann. Derartige Operationen – ohne Autorisierung durch die zuständigen Instanzen – sieht man in Washington nicht gerne, schon gar nicht in Rußland! Wir nehmen inzwischen Rücksicht auf unsere russischen Kollegen, schließlich sind wir Verbündete im Krieg gegen das Böse. Die in Tschetschenien, wir in Afghanistan. Ich darf die Leute auch nicht neugierig machen. Vielleicht sitzen auch bei uns Maulwürfe. Ich gehe inzwischen davon aus. Mit Geld kriegst du jeden, und Geld scheinen die Brüder ja im Überfluß zu haben.“
    Bassett lehnte sich weit in den Sessel zurück und wippte rhythmisch. Dies war seine Lieblingsübung, wenn er sich abmühte, die Gedanken neu zu ordnen, hemmende Gedankenansätze über Bord zu werfen. „Ich muß herausfinden, ob Hans Keller noch an der Universität in Nowosibirsk ist. Mit vollem Vornamen heißt er Hans-Hermann. Wir nannten ihn nur ‚Double H‘. Er gehörte schon zu Sowjet-Zeiten zur Firma. Sollte er noch dort sein, hätten wir einen meines Erachtens zuverlässigen Mann vor Ort. Ob er allerdings mitspielt, vermag ich nicht zu sagen ...“
    Cannon hob die Hand, um auf sich aufmerksam zu machen. „Ja, John. Was gibt‘s?“
    Cannon erhob sich von der Fensterbank, um sich Stift und Papier von Bassetts Schreibtisch zu klauben. „Hans-Hermann Keller, sagten Sie? Irgendwelche akademischen Titel?“
    „Na klar! Er ist promovierter Kernphysiker und Leiter eines Instituts irgendwo südlich von

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