Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition)
Produktionsstätte, insbesondere der Zugangsmöglichkeiten gewonnen haben, wird die Aktion gestartet. Das kann schon in wenigen Tagen sein. Genaues wissen wir nicht.“
Der Oberst erhob sich. Er entnahm der Akte eine Klarsichthülle mit etlichen Dokumenten. „Mr. Sander, hier finden Sie alles, was Sie benötigen: Kantinenmarken, Clubausweis, Eintrittsberechtigungen für die diversen Sport- und Fitneßeinrichtungen sowie 500 US Dollar Bargeld. John, Ihre Sachen holen wir gleich bei Stella ab. Ich schlage vor, wir gehen jetzt in den Offiziersclub des 86th Airlift Wing, wo wir den Begrüßungsdrink nehmen und ich Sie den Anwesenden vorstelle. Sie sind übrigens Geheimnisträger, nicht befugt, über Ihre Tätigkeit und die Zielsetzung Ihrer Untersuchungen Auskunft zu geben. Denken Sie daran, wenn Sie gefragt werden! Es vereinfacht das Prozedere und trägt zu Ihrer Glaubwürdigkeit bei. Wer nichts sagt, sagt nichts Verkehrtes.“
Sie hatten sich alle erhoben, folgten dem Oberst ins Vorzimmer. Stella lächelte zu ihnen hinüber, nahm den Kopfhörer des Diktiergerätes ab, fuhr mit raschem beidhändigen Griff durch ihr brünettes, seidig glänzendes Haar, dann erhob sie sich von ihrem Computerplatz. Sie überreichte ungefragt die für Cannon bestimmte Klarsichttasche. Ihre Blicke kreuzten sich und verharrten einen Augenblick länger, als erforderlich. Cannon spürte eine plötzliche Unsicherheit. Zum Teufel, was hatte dieses junge Ding an sich, ihn zu verunsichern? Er bemerkte den unterschwelligen Drang, dies herausfinden zu wollen, sollte sich jemals die Gelegenheit bieten. Dann würde allerdings er das Heft in die Hand nehmen! Mit Befremden hörte er seine krächzende Stimme: „Thank you, Miss!“ Verdammt, das war nicht John Cannon, der da redete! Eine so schwache Vorstellung entsprach doch nicht ihm! Er bemerkte das tiefsinnige Lächeln des Oberst, das ihn zusätzlich irritierte. Und nun fing zu allem Überfluß auch noch Sander an zu grinsen!
Bevor Cannon sich auf die Herausforderung einstellen konnte, griff der Oberst in das Geschehen ein. „Stella, wir gehen jetzt auf eine Stunde in den Club. Wären Sie so freundlich, die Herrschaften nachher dort mit dem Jeep abzuholen und ihnen die Air Base zu zeigen?“
Stella lächelte, wie nur Stella lächeln konnte. „Natürlich, Sir!“ Ihre sanfte, Ahnungen der schönsten Art auslösende Stimme ließ selbst diese knappe Antwort zu einer Charmeoffensive geraten. „Ich werde 16:30 Uhr vor dem Eingang warten.“ Ihr Blick wanderte von Oberst Matthews zu Sander, zu Cannon. Wieder spürte Cannon die aufkommende Verlegenheit. Er wollte das Lächeln erwidern, souverän, wie dies ein Krieger tut, der sein Opfer fixiert, so, wie er dies früher mannigfach schon an der Highschool – überaus erfolgreich – exerziert hatte. Damals war er gerade ‘mal siebzehn! Doch Cannon hatte das Gefühl, daß selbst dieses Lächeln ihm nicht recht gelingen wollte. Zum Glück öffnete der Oberst die Tür und wies ihnen den Weg. Beim Heraustreten nahm sich Cannon ein Herz. Jetzt würde er attackieren! Jetzt oder nie! Er setzte sein gewinnendstes Lächeln auf und drehte sich selbstbewußt um. Doch Stella saß bereits wieder an ihrem Computerplatz und lauschte konzentriert dem Vortrag ihrer Kopfhörer.
18. August, 11:40 Uhr Ortszeit; Koblenzer Straße, Frankfurt/Main
„Sind Sie sicher, daß es hier ist?“ Der Taxifahrer schien verunsichert. Feine Herren pflegten sich nicht in diese trostlose Gegend zwischen Haupt- und Güterbahnhof zu verirren, und der Fahrgast hinter ihm zählte eindeutig zur Kategorie der feinen Herren. Vermutlich war er Manager eines Industrieunternehmens, einer Bank oder eines Verbandes. Vielleicht auch Politiker, doch war ihm dieses Konterfei mit den auffälligen bernsteinfarbenen Augen noch nie begegnet.
Der Fahrgast schaute auf den Zettel. „Koblenzer Straße. Das ist sie doch, oder?“ Der Unterton dieser Fragestellung ließ auf gewisse Gereiztheit schließen. Er vermochte nicht zu sagen, was ihn an dem Fahrgast störte, waren es die Augen, der Unterton seiner Stimme oder die unangenehme Ausstrahlung? Egal, er würde froh sein, ihn rasch los zu werden.
„Ja sicher! Zu welcher Hausnummer darf ich Sie fahren?“
Der Fremde schaute angestrengt nach rechts und links, als wolle er sich orientieren. „Ist schon gut, ich steige hier aus. Das kurze Stück gehe ich zu Fuß.“ Er schaute auf das Taxameter und reichte dem Fahrer einen 50,00 €-Schein.
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