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Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition)

Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition)

Titel: Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Götz Justus
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„Stimmt so, der Rest ist für Sie.“
    Plötzlich sah der Taxifahrer seinen Fahrgast in gänzlich neuem Licht. Behende sprang er aus dem Wagen, öffnete ihm die Tür, wieselte zum Kofferraum und reichte dem Fremden den Trolley. „Besten Dank, der Herr. Wünsche angenehmen Aufenthalt. Wenn Sie wieder eine Fahrt anzutreten wünschen, hier meine Karte.“ Der Fremde nahm sie kommentarlos. Aus dem Wageninnern klang eine Funkdurchsage. „Ich muß. Die nächste Fuhre. Also dann, tschüss!“ Er schlug die hintere Tür zu und sprang in den Wagen. Im Wegfahren beobachtete er, wie der Fremde hinter ihm herschaute, ohne sich von der Stelle zu rühren. ‚Komischer Kauz. Diese Augen!‘ Ihn schauderte. Daran vermochte auch das reichliche Trinkgeld nichts zu ändern.
    Kaum war der Wagen nach rechts abgebogen, machte William sich auf den Weg. Nach knapp fünfzig Metern war er am Ziel. Mit Befremden blickte er in die wenig einladende Düsternis des Hausflurs. ‚Hier hausen die?‘ Er suchte unter den zahlreichen Aufklebern die ihm genannte ‚Golden Eagle - South Asia Business Promotion‘, einer dieser Phantasienamen obskurer Unternehmungen, die alles in ihrem Portfolio hatten, nur kein seriöses Geschäft. Er beschloß, nicht zu klingeln, sondern zunächst die zwei Stockwerke in Angriff zu nehmen. Er würde die Zeit benötigen, seinen Frust unter Kontrolle zu bringen. Ohnehin bedeutete die plötzlich angeordnete Reiseunterbrechung für ihn ein erhebliches Ärgernis, denn damit war der reservierte Weiterflug nach Karatschi hinfällig. Er würde sich um eine Alternative bemühen müssen, unter Umständen erst morgen weiterfliegen können. Ihm lief die Zeit davon! Schließlich ging es um seinen Kopf, doch niemand schien Rücksicht darauf nehmen zu wollen, schon gar nicht Kustow, dieser arrogante Russe. Doch es mußte Wichtiges passiert sein, sonst hätte der Brigadier nicht auf diesem Kontakt bestanden. Gleich würde er es wissen.
    Das Firmenschild an der Tür entpuppte sich als ungelenk beschrifteter Pappkarton, wenig professionell mit einer an den Ecken gelb-bräunlich angelaufenen Schrumpffolie überzogen. Durch die Tür konnte er jemanden telefonieren hören. William klingelte. Der seltsam schrill klingende Vortrag des Telefonierenden wurde von rasch näherkommenden Schritten überlagert. William registrierte, wie sich der Türspion verdunkelte. Er wurde gemustert; warum so lange? Wen haben die angekündigt? Wer hat ihn überhaupt angekündigt? William haßte derartige Situationen. Man war ihnen ausgeliefert, ohne die geringste Chance, sich darauf einstellen zu können. Nur die anderen wußten, worum es ging. Wo blieb da die Waffengleichheit? Aus Sicht Williams dauerte es eine Ewigkeit, bis die schwere Vorlegekette abgenommen, der Riegel zurückgeschoben und die Tür mit einem Ruck geöffnet wurde. Unversehens blickte er in die Mündung einer tschechischen CZ 75.
     
     

18. August, 12:00 Uhr Ortszeit; eine Hotellobby, Davos, Schweiz
    „Herzlich willkommen, Professor Kustow! Den Wagen wie immer?“ Der Portier nahm mit einer Verbeugung die Wagenschlüssel entgegen und orderte mit einer knappen Kopfbewegung einen der Boys herbei. „VIP-Platz. Schlüssel bekomme ich.“ Kustow war längst durch die Drehtür entschwunden, als der Boy, in vorderster Sitzposition mit Mühe über den Lenkradkranz blickend, die schwere Limousine übervorsichtig in die Tiefgarageneinfahrt steuerte.
    Kustows Blick huschte suchend durch die weitläufige Lobby. „Professor Kustow! Herzlich willkommen! Der Staatssekretär erwartet Sie schon. Die Sitzecke dort drüben, direkt neben dem Fenster.“ Der Empfangschef bahnte Kustow mit routinierter Eilfertigkeit den Weg. In diesem Augenblick hatte Staatssekretär Langheld den Russen entdeckt. Er legte die Zeitung beiseite, erhob sich fast ein wenig zu rasch und trat ihm einige Schritte entgegen. „Gospudin Kustow! Ich freue mich, daß es doch noch geklappt hat! Sie sind schon ein vielbeschäftigter Mann. Bitte, nehmen Sie Platz! Was darf ich für Sie bestellen?“
    Kustow blickte auf die Uhr, dann hinüber zum Empfangschef. „Für einen Wodka ist es zu früh. Lassen Sie mir, bitte, ein Glas Champagner bringen!“
    „Sehr gerne.“ Der Empfangschef schlängelte sich durch die Sitzgruppen und verschwand im mittäglichen Gedränge der Lobby.
    „Nun, was haben Sie auf dem Herzen, Staatssekretär?“
    Langheld kam ohne Umschweife zum Kern ‚seines‘ Anliegens, wußte er doch nur zu gut, daß Kustow

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