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Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition)

Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition)

Titel: Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Götz Justus
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Sie die Anfrage noch diesen Monat an die Ministergattin richteten.“
    Kustow lächelte. Das also war‘s! „Sie meinen, es wäre wegen der bevorstehenden Wahl sinnvoll?“
    Der Staatssekretär deutete ein kaum merkbares Kopfnicken an. „Nun ja, man könnte daraus ein Medienereignis machen, natürlich auch im Sinne Ihrer Stiftung, versteht sich!“
    Kustow war am Ziel. „Sicherlich, das ließe sich darstellen. Ich erwarte diesbezüglich Ihre Vorschläge, wir werden uns da schon einigen. Schließlich verbindet uns die gemeinsame Zielsetzung, Glück und Lebensmut durch Menschlichkeit zu verbreiten.“
    Langheld strahlte, konnte er doch den erfolgreichen Abschluß dieser Aktion nach Berlin melden. Kustow erhob sich. „Kommen Sie, ich lade Sie zum Lunch ein. Ich habe einen Tisch in der Zürcher Stube reservieren lassen. Dort können wir uns ungestörter unterhalten als draußen auf der Terrasse.“
    Der Staatssekretär schien grundsätzlich erfreut. „Gerne, aber meine Frau sitzt draußen. Sie wartet auf mich.“
    Kustow tat empört. „Das sagen Sie erst jetzt? Das wäre doch nicht nötig gewesen. Holen Sie Ihre Gattin! Natürlich ist sie ebenfalls eingeladen. Das ist mir eine Herzensangelegenheit.“ Der Staatssekretär dankte erfreut und nahm den kürzesten Weg durch die geöffneten, bis zum Boden reichenden Fenster. Kustow schaute ihm nach und lächelte tiefsinnig. Zum ersten Mal hatte er in diesem Gespräch das gesagt, was er tatsächlich dachte. Er mochte die Frau des Staatssekretärs. Sehr sogar.
     
     

18. August, 12:10 Uhr Ortszeit; Koblenzer Straße, Frankfurt/Main
    Der Fremde packte William mit harschem Griff am Oberarm und bugsierte ihn in eine Ecke des im Halbdunkel liegenden Flures. „Hände an die Wand!“ Er nahm, die Pistole auf den Briten gerichtet, den Trolley und warf ihn, kurz Schwung holend, in hohem Bogen durch die offenstehende Tür eines angrenzenden Raumes.
    „He, was soll das? Sind Sie wahnsinnig? Da ist mein Laptop drin! Wißt ihr überhaupt, wen ihr vor euch habt? Hat euch der Brigadier das nicht gesagt?“ William war außer sich vor Wut.
    Der Fremde schien gänzlich unbeeindruckt. „Halt‘s Maul! Gesicht zur Wand, und rühr dich nicht vom Fleck!“ Rückwärts gehend, den Briten unter ständiger Beobachtung, näherte er sich der offenstehenden Tür des gegenüberliegenden Raumes, aus dem noch immer die schrille Stimme des Telefonierenden drang. Der Fremde rief einige für William unverständliche Worte. Es entwickelte sich ein kurzer Dialog, dann wurde mit einer abschließenden Floskel das Telefongespräch beendet. William hörte, wie ein Bürosessel nach hinten gerückt wurde und sich eine Person erhob. Die kurze Verdunklung der Wand signalisierte ihm, daß die Person durch die Tür in den Flur getreten war.
    „Mr. Hancock?“
    „Richtig, der bin ich.“ Der Typ kannte ihn offensichtlich nur unter seinem Pseudonym, gehörte also nicht zu Kustows Kader. Wie konnten sich diese Burschen erlauben, ihn so zu behandeln? William wollte sich umdrehen.
    „Moment! Bleiben Sie, wo und wie Sie sind! Sicherlich haben Sie Ihren Ausweis griffbereit. Ziehen Sie ihn ganz langsam heraus!“
    William tat, wie ihm geheißen. Nach einem kurzen Blick auf den Ausweis forderte ihn die krächzende Stimme auf, sich umzudrehen. Vor dem Briten stand ein hageres, hinsichtlich seines Alters kaum einschätzbares Männchen, dessen runzeliges Gesicht sich winzig, einer Walnuß gleich, zwischen mächtigem Turban und ergrautem, wild wallendem Rauschebart ausnahm. „Folgen Sie mir!“ Das Männchen wies dem Briten den Weg in sein Büro, bot ihm dort den einzigen Besucherstuhl des Raumes an. „Nehmen Sie Platz!“ Es selbst zog seinen rollenbewehrten Bürosessel zu sich heran und fuhr ihn, nachdem es sich auf die vordere Kante der Sitzfläche gehievt hatte, mit hektisch strampelnden Beinen ganz nah an den Schreibtisch. Dort saß der Gnom, aufrecht wie ein Grenzpfahl, eingeklemmt zwischen Lehne und Tischkante, der Karikatur eines Satiremagazins zur Ehre gereichend. Offensichtlich wollte er größer wirken. William vermochte dieses Schauspiel nicht zu beeindrucken. Ihm fiel auf, daß der Wicht ihm nicht in die Augen sah, sondern im Hintergrund des Raumes einen imaginären Punkt fixierte. „Haben Sie bitte Verständnis für unsere Vorsichtsmaßnahme. Wir sind hier von Feinden umgeben, seitdem das Kalifat ausgerufen wurde. Fatalerweise sind es noch nicht einmal die Deutschen, die uns die größten Probleme

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