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Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition)

Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition)

Titel: Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Götz Justus
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mit William Edwards um, schon gar nicht dieser arrogante Russe!
    „Hier ist sie!“
    William schreckte aus seinen Gedanken hoch. Der Bodyguard stand mit feistem Grinsen in der Tür, wedelte mit der gefaxten Bankbestätigung. Dem Männchen traten die Augen aus den Höhlen, seine Fistelstimme überschlug sich: „Gib schon her!“ Es stierte auf das knittrige Thermopapier und reichte es mit zittriger Hand dem Bodyguard zurück. „Los, ruf die Bank an! Mach zu!“
    Der grabschte nach dem Fax und war im Nu zur Tür hinaus. „Wird gemacht, Chef!“ klang es bestens gelaunt aus dem Flur. William kochte vor Wut! Sein teures Geld für diese Wichte! Nicht mit ihm! Dieses Problem würde er gleich mit erledigen lassen.
    Wieder vergingen Minuten, bis der Bodyguard in der Tür erschien. „Die haben Mittagspause! Sie rufen zurück!“ Es entwickelte sich eine gespenstische Szene. Da saßen sich zwei gegenüber, die sich zutiefst mißtrauten, im Grunde genommen verachteten. Keiner sprach ein Wort. Während der eine wutentbrannt seine Blicke immer wieder auf sein Gegenüber richtete, schaute der andere unentwegt auf ein und denselben Fleck irgendwo an der Wand, krampfhaft die knochigen Hände in die Schreibtischkante gekrallt, stets um kerzengerade Sitzposition bemüht. Seitlich versetzt stand der Bodyguard, der offensichtlich sein Glück nicht fassen konnte und in Sekundenabständen auf die Uhr schaute. Es herrschte gespannte Stille.
    Endlich klingelte das Telefon. Ein Ruck ging durch den Zwerg. Er beugte sich, soweit seine Sitzposition dies ermöglichte, nach vorn, hangelte nach dem Apparat und zog ihn an dem Scherenarm zu sich heran. „Hallo? ... ja, das sind wir ... Abdul Muhammad Hasan ... am 23.03.1939 ... in Zahedan, Iran ... 100.000 Dollar, das ist richtig ... darüber machen wir uns später Gedanken, jetzt nicht ... Ja, guten Tag.“ Er stieß das Telefon zurück. Plötzlich schien sich die Walnußhaut ein wenig zu glätten, zartes Rosa legte sich unerwartet über das runzelige Gesicht. Der Bart zitterte, Speicheltropfen glänzten in den gelblichen Mundwinkeln. William fühlte sich elend. Das würde ihm diese Karikatur büßen! Doch der Gnom schien vollkommen entrückt. Er kreuzte die Arme vor der schmächtigen Brust, schlug sich mit gichtgekrümmten Fingern rhythmisch auf die dürren Oberarme, ausdauernd, ohne erkennbaren Sinn. Teuflisches Grinsen entblößte nun vollständig das Labyrinth willkürlich ausgerichteter, bis zur Unbrauchbarkeit verwitterter Zahnrudimente. „Das Bankavis ist da!“ Die Walnuß blickte hinüber zum Bodyguard. „Geh‘ ans Fax! Es muß jeden Moment ausgedruckt werden. Und prüfe die Telefonnummern! Ruf dort an!“
    Der Bodyguard verschwand mit eifrigem Kopfnicken. Wieder herrschte spannungsgeladene Stille. Jeder der Kontrahenten mußte sich mit der Tragweite dieser Nachricht, wenn auch aus Blickwinkeln, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten, auseinandersetzen. Es war der Brite, der als erster das Wort ergriff: „So, nun zu eurem Teil der Zusage. Wo ist der Deutsche?“
    Der Zwerg stoppte abrupt das Betatschen seiner Oberärmchen. „Richtig, jetzt sollen Sie es wissen. Er befindet sich auf der US Air Base in Ramstein.“
    William stand der Mund offen. Er brauchte eine Weile, bis er die Dramatik dieser Aussage begriffen hatte. „Da wollt ihr ihn rausholen?“
    Der Zwerg schüttelte den Kopf. „Nicht rausholen – töten!“
    William schlug sich vor die Stirn. „Das schafft ihr doch nie. Das ist militärisches Sperrgebiet. Außen die Deutschen, innen die Yankees, ein Hochsicherheitsareal gigantischen Ausmaßes! Da kommt ihr ungesehen niemals rein!“
    Die Stimme des Zwergs hatte plötzlich etwas Feierliches, zugleich Drohendes, Zwingendes, das William, trotz aller Aufgebrachtheit, unverzüglich aufhorchen ließ. „Wir müssen da nicht rein – wir sind schon drin!“
     
     

19. August, 20:20 Uhr Ortszeit; Block F16, Ramstein Air Base
    Sander war beim Verlassen der Dusche das Badetuch zu Boden gefallen. Unendlich langsam bückte er sich danach, unterdrücktes Stöhnen kündete von peinigenden Schmerzen. Die Entfernung zum rettenden Sessel schien unüberbrückbar. Cannon hatte ihn fürchterlich rangenommen. Warum mußte er auch so ehrgeizig sein, dem weit Jüngeren beweisen zu wollen, wie fit er noch sei! Er war doch gar nicht fit! Jedenfalls nicht so fit, um dieses mörderische Programm auf Dauer durchhalten zu können.
    Morgens um sechs war Geländelauf angesagt, eine

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