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Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition)

Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition)

Titel: Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ulf Schiewe
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Kalabrien erzählen, ihn dazu bringen, Robert Verstärkungen zu schicken.
    »Ich muss weg«, murmelte ich, befreite mich aus Hermelindas Umarmung und sprang aus dem Bett.
    Schmollend blickte sie zu mir herüber und musste doch lachen, als sie mich nackt auf einem Bein tanzen sah, während ich versuchte, meine Beinlinge überzustreifen. Ich beeilte mich, in meine Kleider zu kommen, denn es war eiskalt in der Hütte.
    »He, Thore«, rief ich. »Wach auf! Wir haben was vor.«
    Ein gequältes Stöhnen war die Antwort. Dann flog ein Stiefel in meine Richtung. »Halt die Klappe, Mann, und lass mich schlafen.«
    Aber ich ließ ihn nicht. Und am Ende halfen sogar die Mädchen, ihn aus dem Bett zu zerren, denn auch auf sie wartete das Tagewerk. Aus einer Schüssel warfen wir uns hastig etwas Wasser ins Gesicht, Geretrudis steckte jedem noch einen Kanten Brot in die Hand, dann waren wir aus dem Haus.
    Es hatte in der Nacht geschneit. Nicht viel, aber genug, um die Gassen einen Daumenbreit mit Schnee zu bedecken. Thore hatte seinen Schwertgürtel hastig über eine Schulter gehängt, denn in der Eile war noch keine Zeit gewesen, ihn anzulegen.
    »Warum hast du’s so verdammt eilig?«, knurrte er.
    »Ich will in Ruhe mit Drogo reden. Außerdem wartet Fulko auf uns. Hast du das schon vergessen?«
    Wir liefen die Gasse hinunter.
    »War doch schön gestern, oder?«, fragte er. »Müssen wir mal wieder machen. Die Mädels mochten dich.«
    Ich blieb abrupt stehen und packte ihn am Kragen.
    »Ja, es war schön. Aber du hältst dein Maul, hast du gehört? Wehe, Gerlaine kriegt was davon mit. Sonst bin ich ein toter Mann.«
    Mit breitem Grinsen zwinkerte er mir zu.
    »Ich schwör’s dir auf meine alte Gaunerehre.«
    »Ich mein’s ernst.«
    »Vielleicht weiß sie’s schon. Sie hat doch das zweite Gesicht.«
    »Mach mich nicht verrückt, Thore.«
    »Beruhige dich. Von mir erfährt niemand was. Ich weiß von nichts.«
    Und damit trotteten wir weiter.
    Die kleine Kirche stand mitten auf dem Marktplatz von Melfi und war gebaut worden, als der Ort noch keiner größeren bedurfte. Ein gedrungener Bau mit dicken Mauern und winzigen Rundbogenfenstern hoch unter dem flachen Ziegeldach, das aussah, als hätte es schon Jahrhunderte überdauert. Daneben ein Kampanile, an dem die einzige Glocke hing, ein mickriges Ding aus grün verkrusteter Bronze. Drogo hatte versprochen, eine neue, größere Kirche zu bauen, aber für mehr als eine Bretterbude für Material und Werkzeug hatte es noch nicht gereicht.
    »Ihr seid spät dran«, beklagte sich Fulko. »Sie sind schon drin.«
    »Drogo ist nicht allein?«
    »Einige Melfitanos. Zwei Leibwachen und Gaitelgrima.«
    »Was will die denn hier?«
    »Was soll’s dich stören?«
    Doch, es störte mich, obwohl ich nicht genau hätte sagen können, warum. Vielleicht wegen des seltsamen Gesprächs, das ich mit ihr geführt hatte.
    Überhaupt fühlte ich mich unsicher, mit Drogo zu reden. Besonders in dem Gemütszustand, in dem wir ihn am Abend zuvor erlebt hatten. Deshalb war ich froh, dass Fulko gekommen war. Er war ebenso wie wir bewaffnet, denn kein rechter Mann ging ohne sein Schwert auf die Straße. Nur Panzer trugen wir nicht. Warum auch? Wir waren mitten in Melfi.
    Immer noch tanzten vereinzelt Flocken vom Himmel. Bauern aus dem Umland hatten ihre Stände aufgebaut und boten Kohl und anderes Wintergemüse an, eingelagerte Äpfel und Birnen von der Herbsternte. Frauen wanderten zwischen den Auslagen umher und hinterließen matschige Spuren auf der dünnen Schneedecke. Manche starrten uns neugierig an. Ich versuchte, mir etwas Wärme in die Finger zu hauchen, denn es war kalt auf dem zugigen Platz.
    »Warum gehen wir nicht rein?«, fragte Thore, dem es ähnlich ging.
    »Aus Respekt«, erwiderte Fulko. »Die Messe hat schon begonnen. Wir würden nur stören.«
    Aus dem Inneren der Kirche hörten wir den Gesang einer dünnen Männerstimme. Das musste der Priester sein. Ein alter Mann mit gütigen Augen. Ich hatte ihn schon des Öfteren gesehen.
    »Warum eigentlich die Singerei?«, wollte ich wissen.
    »Frag nicht so dumm«, antwortete Fulko gereizt. »Es gehört dazu. Irgendwann wirst du dich auch bekehren müssen, Gilbert.«
    »Unwahrscheinlich.«
    Ich schlug mir die Arme um die Schultern, um mich aufzuwärmen. Plötzlich hörten wir spitze Schreie, Männergebrüll und gedämpftes Getöse aus der Kirche dringen. Die Tür flog auf, Gaitelgrima stürzte mit einem vor Panik verzerrten Gesicht

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