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Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition)

Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition)

Titel: Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ulf Schiewe
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bisher fast schlafwandlerisch und ohne nachzudenken gehandelt, so packte auch mich die Verzweiflung. Was sollte nach Drogos Tod aus uns werden? Die Welt voller Feinde, sogar Mörder hier in Melfi. Robert in Kalabrien. Und wo zum Teufel war Onfroi?
    Auf der Burg angekommen, nahm sie mir das Versprechen ab, nicht mehr von ihrer Nähe zu weichen. Wem sonst als ihrem Retter könne sie trauen. Ich musste vor ihrer Kammer wachen, während sie sich von ihren Mägden waschen und umziehen ließ. Dann ließ sie mich rufen. Auch der Kastellan Alfred hatte zu erscheinen.
    »Niemand betritt diesen Turm«, befahl sie ihm. Ihr Gesicht war verquollen, und die Panik in ihrer zittrigen Stimme war nach wie vor zu spüren, auch wenn sie sich ein wenig gefasst zu haben schien. »Niemand, außer Gilberto hier und seine Getreuen.« Sie blickte hilfesuchend in meine Richtung. »Du hast doch Männer, auf die du dich verlassen kannst, oder?«
    »Drei von meinen Kameraden sind mit mir nach Melfi gekommen. Einer ist bei dem Anschlag verwundet worden.«
    Sie wandte sich wieder an den Kastellan, der sie mehr als erstaunt ansah. »So sei es. Gilberto und seine Männer sind ab jetzt meine Leibwachen. Und unten vor dem Turmeingang postierst du Tag und Nacht Soldaten. Niemand hat Zutritt zum Turm, hast du gehört?«
    »Aber, Domina. Die Burg ist sicher und auf die Männer ist Verlass.«
    » Basta! Keine Widerrede«, herrschte sie ihn an. Ihre Stimme hatte einen schrillen Ton angenommen. »Nirgends ist es sicher. Wer hätte mit Mördern in einer Kirche gerechnet, sag mir das?«
    Alfred nickte beklommen. »Sicher habt Ihr recht, Domina.«
    »Das Burgtor soll verschlossen bleiben. Doppelte Wachen überall. Geh jetzt und tu, was ich dir sage.«
    Sie ließ sich auf einen gepolsterten Stuhl fallen und barg einen Augenblick lang das Gesicht in den Händen. Als sie wieder aufblickte, rannen ihr Tränen über die Wangen.
    »All diese Männer in der Burg und in ganz Melfi. Ihr Normannen seid mir fremd. Wem kann ich ab jetzt noch trauen? Wäre ich doch nur in Salerno geblieben.« Sie erhob sich und kam auf mich zu, fasste mich bei den Händen. »Du wirst mich beschützen. Ich weiß, du bist ein guter Junge. Du gehörst doch zur familia. Nur auf familia ist Verlass.«
    Ich musste mich zu ihr setzen.
    »Wo ist Onfroi?«, fragte ich.
    Sie nickte. »Den brauchen wir jetzt. Er ist in Venosa, glaube ich. Oder in Lavello. Wir werden Boten schicken.« Sie holte tief Luft, um sich zu beruhigen.
    »Habt Ihr ihn oft in die Kirche begleitet?«
    »Drogo?« Sie schüttelte den Kopf. »Nein, nicht oft. Drogo ist …« Sie hielt inne, und ihre Augen weiteten sich, als ihr erneut bewusst wurde, dass Drogo nicht mehr war. Dann folgten wieder Tränen. »Ich hätte ihm mehr Liebe schenken sollen. Aber er war ein schwieriger Mann. Es gab oft Streit. Und gestern der Vorfall mit Asclettin, diesem scheußlichen Kerl. Heute Morgen wollte ich ihm zeigen, dass ich an seiner Seite stehe. Und dann …« Sie schluchzte. Die schrecklichen Bilder aus der Kirche mussten sie plagen. »Wer tut so etwas? Und warum?«
    »Es waren Lombarden, glaube ich, keine Normannen.«
    Ich hätte ihr jetzt von Arichis erzählen können. Aber ich schämte mich, dass ich einem solchen Mann vertraut hatte. Außerdem war ich nach allem, was geschehen war, ebenfalls verwirrt. Arichis hatte die Mörder bezahlt. Aber in wessen Auftrag? War es wirklich Pandulf? Oder einer der Unsrigen?
    Gaitelgrima sah mich an. Ihre Augen verengten sich. »Bestimmt steckt dieser Asclettin dahinter. Aus Rache, weil Drogo seinen Sohn in den Kerker gesteckt hat.«
    »Nicht, solange der in Geiselhaft sitzt.«
    Sie runzelte die Stirn und nickte schließlich. »Vielleicht hast du recht. Oder es ist dieser Pierron di Trani. Der will doch selbst Graf von Apulia werden. Er hat Drogo gedroht, ihn umzubringen. Ja, der wird es sein. Vielleicht hat er Spitzel in der Burg.« Sie erschauerte.
    Oder du selbst steckst dahinter, schoss es mir plötzlich durch den Kopf. Um deinen ungeliebten Gemahl loszuwerden. Weil dein Herz an einem anderen hängt.
    »Wir müssen einen Boten zu Roberto schicken«, sagte sie, wie um meinen schrecklichen Verdacht zu bestätigen. »Er muss vom Tod seines Bruders erfahren.« Sie knetete unentwegt ihre Hände, immer noch aufgelöst. »Und zu Guaimar nach Salerno. Am besten werde ich dieses verfluchte Melfi verlassen und nach Salerno zurückkehren. Was hält mich hier noch?«
    Sie machte ein so unglückliches Gesicht, dass

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