Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition)

Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition)

Titel: Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ulf Schiewe
Vom Netzwerk:
Versammlung in ihre Kammer ein. In ihrem Gesicht war klar zu lesen gewesen, was sie von Pierrons Beleidigung hielt und überhaupt von diesen grobschlächtigen Normannen, unter denen sie gezwungen war zu leben.
    Am Tag vor Drogos Beerdigung erschien Prinz Guaimar mit kleinem Gefolge. Er war auf einigen seiner Ländereien gewesen, wo die Boten ihn auf halbem Wege gefunden hatten.
    Er umarmte seine Schwester, kniete einen Augenblick in stiller Andacht an Drogos Seite, der immer noch aufgebahrt lag, und schloss sich dann stundenlang mit Onfroi ein, um die Lage zu besprechen.
    Die Contessa war sichtlich unruhig, schickte mich auf kleine unsinnige Botengänge und beorderte mich schließlich in ihr Gemach, wo ich mich zu ihr setzen musste.
    »Was haben die nur so viel zu bereden?«, fragte sie gereizt und rief gleich darauf nach ihrer Magd, mehr Holz auf das Feuer zu legen, obwohl es schon warm genug in der Kammer war. Und heiße Milch sollte sie bringen mit Honig. An mich dachte sie dabei nicht.
    »Wie war das so bei euch zu Hause?«, fragte sie dann.
    »Was meint Ihr, Herrin?«
    »Bei den Hautevilles. In eurem Dorf, wo ihr herkommt.«
    Eine solche Frage hatte ich nicht erwartet. Sie war doch eine Fürstentochter. Was sollte sie schon am eintönigen Leben eines kleinen Dorfes in der Normandie finden? Aber sie bestand darauf. Also berichtete ich von der weiten, flachen Landschaft, den dichten Wäldern und fischreichen Flüssen, dem oft grau verhangenen Himmel, von unserer kleinen Burg, von den Bauern und den Landbesitzern, von Tancreds abenteuerlichen Geschichten und zum Schluss auch vom Aufstand gegen Herzog Williame und warum Robert vor den Verfolgern geflohen war. Ich weiß nicht, ob sie alles mitbekam, was ich ihr erzählte, denn zwischen ihrem lückenhaften Fränkisch und meinem holprigen Lombardisch war es nicht immer einfach.
    »Und wie behandelt ihr eure Weiber?«
    Als ich nicht verstand, auf was sie hinauswollte, fügte sie hinzu: »Du siehst doch, was das für Männer hier sind. Sie saufen und huren und haben keinen Respekt vor Frauen, nicht einmal wenn sie edlen Standes sind.«
    »Dieser Pierron hat Euch verletzt, Domina.«
    »Nicht nur er.«
    Mehr sagte sie nicht. Wen konnte sie gemeint haben? Drogo vielleicht? Ich beschloss, ihr ein anderes Bild zu zeichnen, und erzählte von Fressenda und wie sie ihre zwölf Söhne erzogen hatte. Sowohl mit Strenge wie auch mit Liebe. Und dass es daheim niemanden gegeben hatte, der mehr verehrt wurde als Fressenda. Das schien sie ein wenig zu versöhnen.
    »Und Roberto? Hat er seine Mutter geliebt?«
    »Besonders er. Er ist der älteste unter ihren eigenen Söhnen. Und dann ist da natürlich noch Roger, der jüngste. Mit ihm zusammen bin ich aufgewachsen. Er ist mir der Liebste von allen, und eines Tages wird auch er ins Mezzogiorno kommen.«
    Zum ersten Mal an diesem Nachmittag lächelte sie ein wenig. Aber dann wurde sie wieder ernst und wollte alles über Onfroi wissen, wie er so war unter uns Männern, ob er beliebt war, wie er zu seinen Brüdern stand und überhaupt, was ich von ihm hielt. Mich über Onfroi auszufragen, war wohl der wahre Grund, warum sie mich zu sich gerufen hatte.
    »Warum wollt Ihr das alles wissen, Domina?«
    Sie senkte den Blick auf die Hände, die in ihrem Schoß lagen. Weiß und zerbrechlich sahen sie aus, Hände, die nie gearbeitet hatten, nie Topf oder Kelle geschwungen oder ein Huhn gerupft hatten. Keine Hände wie die Fressendas.
    Lange sagte sie nichts.
    »Tut mir leid, Domina, dass ich gefragt habe«, meinte ich verlegen. »Es geht mich ja nichts an.«
    Plötzlich blickte sie auf. Ein Ausdruck lag in ihren dunklen Augen wie bei einem gejagten Tier.
    »Sie reden und reden. Und dabei geht es doch auch um mich, verstehst du das nicht? Sie entscheiden über mein Schicksal. Ohne mich zu fragen.«
    Sie sprach weiter, als sei ein Damm gebrochen. Mit einem Schlag entleerten sich all ihre Sorgen und Ängste. Und ausgerechnet in meinen Schoß.
    »Ich kenne meinen Bruder. Er ist kein schlechter Mann, und ich liebe ihn. Aber bei aller Liebe bin ich im Grunde für ihn nur ein Kapital, eine Ware, mit der man handelt, um sich Vorteile zu verschaffen. Jedenfalls solange ich noch keine alte Vettel bin, jung genug, um irgendjemandem prächtige Erben zu gebären.«
    Sie stand auf und wanderte in der Kammer umher. Ihr Atem ging schneller. Sie war erregt. Ich musste mir Mühe geben, alles zu verstehen, was sie sagte.
    »Ich war gut genug, Drogo an meinen Bruder

Weitere Kostenlose Bücher