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Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition)

Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition)

Titel: Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ulf Schiewe
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zu binden. Und mit Drogo euch Normannen. Drogos Tod ist ein Rückschlag für ihn. Deshalb setzt er jetzt auf Onfroi. Guaimar wird alles tun, damit die Barone euren Onfroi zum Grafen wählen. Drogos Leiche ist noch nicht kalt, da werde ich schon mit dem neuen Mann verkuppelt, du wirst sehen.«
    Ich musste sie mit großen Augen angeschaut haben, denn sie fügte hinzu: »Oh, die Vermählung wird nicht gleich stattfinden. Man wird eine schickliche Frist einhalten. Aber heute werden sie es beschließen und sich die Hand darüber reichen.«
    Sie hatte plötzlich Tränen in den Augen. »Dabei wollte ich nichts lieber als nach Salerno zurückkehren. In die Welt, die ich kenne. Selbst ein Kloster wäre mir lieber gewesen. Nur nicht länger unter diesen … diesen rücksichtslosen Söldnern und Abenteurern, die unserem Land nur schaden.«
    »Aber Onfroi ist ein guter Kerl«, wandte ich ein, um sie zu beruhigen. »Er wird Euch gut behandeln, falls es denn so kommt, wie Ihr sagt.«
    Sie nickte stumm. Doch die Tränen wollten nicht versiegen.
    Etwas später, als sie sich zum Glück wieder gefangen hatte, öffnete sich die Tür, und beide Männer, Onfroi und Prinz Guaimar, betraten das Gemach. Und der aufmerksame, prüfende Blick, mit dem Onfroi die Contessa bedachte, war irgendwie, als sähe er sie zum ersten Mal. Da wusste ich, dass sie recht gehabt hatte.
    *
    Drogos Beisetzung wurde eine viel größere Angelegenheit, als ich erwartet hatte. Alle Barone waren zugegen, außer Pierron, der es vorgezogen hatte, in seinem Haus zu schmollen. Auch Hugo Tubœuf, Richard von Aversa, sein Vater Asclettin und Tristan di Montepeloso waren unter jenen, die seine Totenbahre zum kleinen Friedhof innerhalb der Mauern trugen.
    Guaimar, Onfroi und Gaitelgrima schritten hinter ihnen her, gefolgt von den Leibwachen und Kriegern der Hautevilles. In den Gassen, durch die der Zug sich wand, standen die Menschen dicht an dicht, Normannen wie Melfitanos. Auch am Friedhof war kaum ein Durchkommen, und um das Grab, das man aus dem gefrorenen Boden gehackt hatte, standen sie so eng, dass man kaum atmen konnte. All dies war vielleicht weniger Drogos Beliebtheit geschuldet als der Hochachtung für eine bedeutende Familie, den Hautevilles.
    Es war ein eisiger, verhangener Tag. Der greise Priester, der die lateinischen Riten einer christlichen Bestattung vollzog, hatte vor Kälte blaue Lippen. Ich wusste, dass zum Glück auch die alten Götter nicht vergessen worden waren. In Drogos Mund hatte Onfroi eine Silbermünze gelegt, um den Fährmann zu bezahlen. Drogos Waffen würden ihm ins Grab folgen, und viele der Normannenkrieger hatten kleine Geschenke abgelegt, die ihm auf den Sarg gelegt würden. Ein paar Münzen, ein Runenholz, ein Trinkgefäß oder ein einfacher Dolch. Nichts von großem Wert, aber Dinge, die ihn auf der letzten Reise begleiten und an den Geber erinnern sollten, wenn er bei anderen toten Helden sitzen würde. Auch ich hatte eine schöne Gewandfibel gespendet.
    Nachdem der Priester mit Gebet und geweihtem Wasser dem Christengott die Seele des Verstorbenen empfohlen hatte, wurde der Leichnam in die Grube gesenkt. Gaitelgrima war die Erste, die eine Handvoll Erde nahm und auf den Sarg warf. Dann Onfroi und Guaimar und die Barone. Irgendwann war auch ich an der Reihe. Ein seltsames Gefühl von unfassbarer Vergänglichkeit ergriff mich. Vor Tagen war Drogo noch ein gesunder Mann in den besten Jahren seines Lebens gewesen, ein Graf und bedeutender Fürst. Und nun lag da in der Grube nur noch ein Klumpen toten Fleisches, zu nichts nutze, als Larven und Würmer zu ernähren. Wenigstens war er mit der Waffe in der Hand gestorben, so dass sein tapferer Geist nun auf ewig, von Walküren begleitet, bei den Göttern in Walhall weilen durfte.
    Nach der Beerdigung hob in der Halle ein gewaltiges Fressen und Saufen an, das drei Tage andauerte und bei dem es hoch herging. Gaitelgrima verzichtete, daran teilzunehmen. Zu barbarisch waren ihr diese Bräuche.
    Nachdem alle wieder nüchtern waren, versammelten sich die Barone unter Guaimars Führung. Es wurde geredet, bis ihnen die Köpfe rauchten, aber am Ende wählten sie Onfroi zum neuen Grafen von Apulien. Selbst Pierron hatte ein Einsehen und gab ihm widerwillig seine Stimme. Ausschlaggebend war auch diesmal das gute Einvernehmen und die Freundschaft zwischen dem Fürstentum Salerno und unserer Familie, erneut bekräftigt durch die baldige Vermählung der Prinzessin Gaitelgrima mit Onfroi, dem dritten

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