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Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition)

Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition)

Titel: Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ulf Schiewe
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ersten Zeichen des Frühlings. Schmiede und Handwerker fertigten Waffen an oder besserten Schilde und Kettenpanzer aus, Krieger schärften Speerspitzen und Schwerter, und die Barone ritten mit ihren Männern vor die Stadt, um Streitrösser abzurichten und endlos alle Taktiken des Reiterkampfes zu üben. Denn das war die bevorzugte Kampfweise der normannischen Söldner geworden. Fußtruppen dienten meist nur noch als Wachen oder Besatzungen von Burgen.
    All dies geschah in Erwartung der großen kriegerischen Auseinandersetzung, die sich am fernen Horizont abzeichnete und über das weitere Schicksal der Normannen im Mezzogiorno entscheiden würde. Jede Woche trafen Kundschafter und Boten ein, die über die Vorbereitungen unserer Feinde berichteten. Man hörte von Schiffen, die im Hafen von Bari ankamen, um Waffen und byzantinische Verstärkungen zu landen, von Truppen, die aus den südlichen Städten verlegt werden sollten, aus Taranto, Monopoli, Oria und Brindisi. Besatzungen vorgeschobener byzantinischer Festungen wurden verstärkt wie in Troia. Es wurde von Pferdekäufen und Weizenladungen berichtet, die nach Bari geschafft wurden, wo sich Argyros’ Heer zu sammeln schien. Wer es bis jetzt nicht hatte glauben wollen, nun war es offenkundig. Byzanz bereitete sich auf einen gewaltigen Angriff vor.
    Ähnliches ließ sich auch in Capua und Benevento ausmachen. Pandulfs Überfälle auf das Gebiet von Salerno waren zurückgegangen. Aber die Ruhe täuschte, denn der Wolf der Abruzzen heuerte neue Söldner an, sammelte Proviant und überschüttete die Schmiedewerkstätten seiner Stadt mit Aufträgen. Es war wie ein Ausholen vor dem entscheidenden Schlag.
    Nur von Papst und Kaiser hörte man nichts als Gerüchte. Vielleicht warteten sie auf Tauwetter, bevor das kaiserliche Heer die Alpen überqueren konnte. Wenn das geschah, würden wir in Melfi von allen Seiten umzingelt sein. Pandulf und Benevento bedrohten uns von Westen, Argyros von Osten und der Kaiser würde von Norden anrücken. Die Barone überlegten, ob es möglich wäre, den einen oder anderen frühzeitig durch einen Erstschlag außer Gefecht zu setzen. Aber wir besaßen kein schweres Kriegsgerät für Belagerungen. Solange der Feind hinter seinen Mauern verharrte, konnten wir nichts unternehmen. Nur eine offene Feldschlacht würde die Entscheidung bringen. Doch dafür waren wir empfindlich in der Unterzahl. Es sah also alles andere als gut aus.
    Und während die Stadt mit Bangen in die Zukunft blickte, wartete ich täglich darauf, dass Robert und meine Freunde endlich zurückkehren würden.
    Aber der tat seinem Bruder nicht den Gefallen, trotz eindringlicher Mahnungen durch Boten, die nach Scribla geschickt wurden. Es vergingen erst Wochen, dann Monate mit immer neuen Ausflüchten, warum er noch nicht kommen konnte. Argentano war inzwischen längst in seiner Hand. Aber das schien ihm nicht zu reichen. Mit Hilfe von Girards Verstärkungen unterwarf er ein Örtchen nach dem anderen im Tal des Crati. Seine Macht wuchs, bis bald Bisignano und sogar die Hafenstadt Rossano ihn fürchten mussten.
    Es war nun fast ein Jahr, dass ich von Gerlaine getrennt war. Nicht, dass die Erinnerung an sie verblasste, aber langsam begann ich zu zweifeln, ob wir uns jemals wiedersehen würden, besonders im Angesicht des kommenden Krieges, der uns zu verschlingen drohte. Würde ich auf dem Schlachtfeld fallen, ohne sie noch einmal in den Armen gehalten zu haben? In dieser düsteren Stimmung war es kein Wunder, dass ich noch einige Male Thore und die Schwestern in ihrem Häuschen besuchte. Aber ich tat es heimlich, in der Nacht und wie ein Dieb. Niemand sollte davon erfahren.
    Doch als Geretrudis eines Tages ihrem Thore beichtete, dass sie schwanger war, bekam ich es mit der Angst zu tun und blieb weg. Ein Bastardkind unter diesen Umständen hätte mir gerade noch gefehlt.
    Kurz vor Ostern fand Onfrois Vermählung statt. Diesmal war es eine ruhige Angelegenheit, nicht das große Fest wie zuvor. Und doch fand ich, hatte Gaitelgrima nie besser ausgesehen. Ihr frischgebackener Ehemann behandelte sie mit zärtlicher Fürsorge, rückte ihr den Stuhl zurecht, füllte ihren Kelch mit Wein und berührte sie sanft zu jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit. Und jedes Mal dankte sie es ihm mit einem stillen Lächeln, das mir Hoffnung gab. Obwohl es eine politische Verbindung war, so hatte sie in Onfroi vielleicht doch einen Mann gefunden, den es sich zu lieben lohnte, auch wenn er kein feiner

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