Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition)
lombardischer Fürstensohn war. Aber das würde nur die Zukunft zeigen.
Vier Wochen nach der Hochzeit kehrte Lando zurück und berichtete von Roberts Abenteuern. Auch, dass er bald kommen würde, um Onfrois Truppen zu verstärken. Besonders aber ließ Gerlaines Liebesbotschaft mein Herz höherschlagen. Sie könne es kaum länger ohne mich aushalten und zähle die Tage bis zum Wiedersehen. Bei aller Freude erfasste mich jedoch auch ein nagendes Schuldgefühl. Und so wie Lando mich mit einem wissenden Lächeln musterte, schien ihm das nicht entgangen zu sein. Aber dann erinnerte ich mich, wie sie sich meinen Liebkosungen am Ende immer entzogen hatte und dass sie mich als armen Schlucker nicht hatte heiraten wollen, als sei ich nicht gut genug für sie. Den Zwischenfall mit Tristan hatte ich ebenfalls nicht vergessen. Und so harrte ich ihrer Ankunft mit einer Mischung aus freudiger Erwartung, Schuldgefühlen und vorgetäuschtem Groll.
Onfroi ergriff die Gelegenheit, um Lando einen geheimen Auftrag zu erteilen. Meine Gefährten und ich sollten ihm dabei behilflich sein. Bei einem Jagdausflug in den umliegenden Wäldern erklärte er uns Näheres.
»Mir sind Gerüchte zu Ohren gekommen«, sagte er, »dass der Papst von Rom aus mit einem Heer aufgebrochen ist und bald in Benevento erwartet wird. Allerdings ohne den Kaiser. Der hat angeblich im letzten Augenblick seine persönliche Beteiligung abgesagt, dafür jedoch ein Aufgebot an Alemannen geschickt. Kampferprobte Schwertkrieger sollen es sein, die jeder Reiterei standhalten können.«
Wir sahen uns an. Der Krieg rückte unaufhaltsam näher. Arichis’ Prophezeiung bewahrheitete sich täglich mehr.
»Ich muss wissen, wie stark dieses Heer wirklich ist«, fuhr Onfroi fort. »Zahlenmäßig, aber auch, was von den Alemannen zu halten ist. Wenn möglich, was sie vorhaben, in welche Richtung sie sich wenden werden. Das ist deine Aufgabe, Lando. Ich weiß, ich kann mich auf deine Schlauheit verlassen. Und ihr …« Er wandte sich an Fulko und mich. »Ihr sollt ihn unterwegs beschützen und sehen, dass er heil zurückkommt. Für diese Aufgabe wird Fulko euer Anführer sein und Gilbert sein zweiter Mann. Nehmt eure beiden Freunde mit. Aber mehr nicht. Ein größerer Trupp würde auffallen.«
Am nächsten Morgen also sattelten wir die Pferde und trafen letzte Vorbereitungen. Das Haar unter breiten Kappen verborgen, hüllten wir uns in lange, kapuzenbesetzte Umhänge, die uns wie gewöhnliche Reisende aussehen ließen. Darunter trugen wir weite, ärmellange Surcots, unter denen die Kettenpanzer nicht mehr zu sehen waren. Speer, Schild und Helm ließen wir zurück, Schwert und Dolch mussten genügen.
Onfroi kam, um uns Glück zu wünschen. Dann saßen wir auf und verließen Melfi – in Richtung Feindesland.
*
Das Lagerfeuer qualmte mehr, als uns lieb war, denn in der Nacht war ein heftiger Regenschauer niedergegangen, und wir hatten nichts als feuchtes Holz gefunden. Zum Glück waren wir tief im Wald auf einem langgezogenen Höhenzug versteckt, meilenweit von jeder menschlichen Behausung entfernt. Außer Vögel und Waldtiere hatten wir kein Lebewesen entdeckt. Wir lagerten an einer kleinen Lichtung, wo auch die Pferde grasen konnten.
Das Gelände stieg nach Westen zu noch etwas an, um dann mit einer scharfen Kante steil zum fiume Sabato abzufallen, der etwas weiter nördlich bei Benevento in den Calore Irpino mündete. Es war also nah genug für Lando, um seine Aufgabe zu erfüllen, ohne sich allzu weit von uns zu entfernen, denn unterhalb der Stadt und in der Nähe des Zusammenflusses dieser Gewässer hatten wir tatsächlich das Lager des Papstes entdeckt. Von der Spitze unseres Hügels konnte man im Dunst der fernen Flussniederungen die vielen Zelte erkennen und das Kommen und Gehen unten auf der Straße im Tal des Sabato beobachten.
Lando war diesmal als Mönch verkleidet und würde von den heiligen Männern, die den Papst umgaben, kaum zu unterscheiden sein. Wir dagegen hatten nichts anderes zu tun, als auf seine Rückkehr zu warten. Schon zwei Tage lang saßen wir tatenlos herum und wurden allmählich ungeduldig.
»Löscht das Feuer«, sagte Fulko. »Wer weiß, wie weit man den verdammten Rauch sehen kann.«
»He, mein Speck ist noch nicht gebraten«, maulte Reynard.
»Den kannst du auch ungebraten essen.«
Fulko begann, mit den Stiefeln die brennenden Scheite auseinanderzuschieben. Dann trat er die Flammen aus.
»Ich glaube, ich werde zu alt für so was«,
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