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Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition)

Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition)

Titel: Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ulf Schiewe
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murrte Reynard, während er an seinem halbgaren Speck kaute. »Die ganze Nacht mit dem Hintern im nassen Gras. Da kann ich mir was Besseres vorstellen.«
    »Ich wette, ich weiß, wo du lieber wärst«, lachte Thore. »Am Busen deiner drallen Maria, gib’s nur zu. Obwohl ich’s dir nicht verdenken kann. Sie ist schon ein strammes Weibsbild.«
    »Hast du noch nicht genug mit den beiden Schwestern, du Lustmolch?« Reynard bekam plötzlich listige Augen. »Obwohl ich weiß, dass du sie nicht mehr alleine vögelst.«
    Er zwinkerte mir bedeutungsvoll zu. Ich aber tat, als hätte ich ihn nicht gehört, doch er ließ nicht locker. »Weiß nicht, was Gerlaine dazu sagen würde.«
    »Hör mit dem dummen Gewäsch auf, Reynard.«
    »Du brauchst es gar nicht abzustreiten, Junge«, gluckste er. »Ich hab dich gesehen. Bin dir nämlich mal gefolgt.«
    Jetzt wurde ich wütend und warf einen verkohlten Ast nach ihm. »Hör auf, so einen Scheiß zu erzählen.«
    Auch Thore sprang mir bei. »Was denkst du dir eigentlich, alter Mann?«, knurrte er. »Glaubst du, meine Mädels sind Dirnen, über die jeder steigen darf? Fehlt nur noch, dass du behauptest, ich nähme Eintritt dafür. Frechheit, so was.«
    »Ich hab gesehen, was ich gesehen habe«, verteidigte sich Reynard beleidigt. »Und Küsschen an der Pforte hat’s auch gegeben.«
    Wir waren ziemlich laut geworden. Fulko versuchte, die Gemüter wieder zu beruhigen, als ich plötzlich zwei Augen im Gebüsch entdeckte, die uns beobachteten.
    »Da ist einer!«, rief ich und sprang auf.
    Im gleichen Moment verschwanden die Augen, und wir hörten, wie jemand sich durchs Unterholz davonmachte. Ich warf meinen Umhang ab und zog das Schwert. »Los, ihm nach.«
    Ohne auf die anderen zu warten, jagte ich dem Geräusch des Fliehenden hinterher. Wir hatten lauthals Fränkisch gesprochen. Wer auch immer uns beobachtet hatte, würde uns Soldaten auf den Hals hetzen.
    Und dann sah ich ihn vor mir. Ein junger Bursche, wie mir schien. Er war barfuß, lief aber flink wie ein Reh durch Unterholz und Farnkraut. Niedrige Äste schlugen mir ins Gesicht, aber ich ließ mich nicht entmutigen und setzte ihm nach. Einmal blieb er kurz stehen und sah sich um, was mich ihm um mindestens fünf Schritte näher brachte. Mit keuchendem Atem verdoppelte ich meine Anstrengung und, obwohl es leicht bergan ging, holte ich langsam auf.
    Und dann war er auf einmal zwischen den Bäumen verschwunden, als hätte ihn eine Erdspalte verschluckt. Als ich durch die Büsche brach, sah ich, warum. Wir hatten den höchsten Punkt erreicht und von hier an fiel der Hang scharf ab.
    Plötzlich hörte ich einen Schrei. Und da sah ich ihn wieder. Er musste viel zu schnell die steile Böschung hinabgelaufen sein, war gestürzt, hatte sich überschlagen und war gegen einen Baumstamm geknallt. Als ich zu ihm aufschloss, wollte er sich gerade aufrappeln, schrie aber wieder und fasste sich mit schmerzverzogenem Gesicht an den Knöchel. Schon war ich neben ihm und packte ihn mit der Linken am Kragen.
    »Nicht töten«, wimmerte er und hob eine Hand.
    Vierzehn oder fünfzehn schätzte ich den Jungen, dünn wie eine Bohnenstange und wie das Landvolk in grobes Tuch gekleidet. Ein Fallensteller oder ein Hirtenjunge, so wie ich selbst einer gewesen war. Er schien schreckliche Angst vor mir zu haben. Tränen liefen ihm über die Wangen.
    »Nicht töten«, bettelte er wieder. »Ihr seid normanni. Aber ich werde nichts sagen. Ich verspreche es. Lasst mich gehen, bitte.«
    Inzwischen hatten auch die anderen uns erreicht.
    »Verdammt. Was machen wir mit ihm?«, fragte Thore. »So’n junges Kerlchen.«
    »Bist du allein?«, fragte ich ihn und drohte ihm mit dem Schwert. »Wo sind die anderen?«
    Er zuckte zurück. »Nein, Herr. Da ist niemand. Ich bin allein. Hab nur nach meinen Fallen gesehen. Ihr müsst mir glauben.«
    Der Bursche sah so jämmerlich aus in seiner Angst, dass er einem leidtun konnte. Rotz mischte sich mit Tränen. Er versuchte, sie mit dem Ärmel abzuwischen.
    »Der wird uns verraten«, knurrte Reynard.
    Fulko blickte mich an, sagte jedoch nichts.
    Man darf nicht darüber nachdenken, fuhr es mir durch den Kopf. Sonst kann man es nicht mehr tun. Blitzschnell hob ich die Schwertspitze und stieß sie dem Jungen in den Hals, bis sie knirschend auf Wirbel traf. Er wollte schreien, aber sein durchstoßener Kehlkopf erlaubte es nicht mehr. Mit beiden Händen packte er die Klinge und begann, an seinem eigenen Blut zu würgen. Die Augen

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