Das Verbrechen: Kommissarin Lunds 1. Fall
Wochenende.«
»Wir brauchen Informationen«, sagte Lund. »Wir müssen rauskriegen, ob Nanna ihren Mörder kannte. Könnten Sie das …?«
Die zwanghaft wischende Hand, der Lappen, der nichts beseitigte, weil es nichts mehr zu beseitigen gab.
»Könnten Sie bitte einen Moment damit aufhören?«, fragte Lund.
Pernille Birk Larsen sah sie nicht an. Rubbelte weiter. Meyer verdrehte die Augen.
»Hat sie irgendwas gesagt?«, fuhr Lund fort. »Gab’s Zeiten, zu denen sie nicht zu Hause war? Irgendwas. Geschenke, Bücher, die sie ausgeliehen hat …«
Pernille Birk Larsen legte den Lappen weg, stützte sich auf beide Hände, sah die beiden böse an.
»Sie haben gewusst, dass der Lehrer verdächtig war. Und Sie haben ihn zur Beerdigung kommen lassen. Und hierher in mein Haus.«
Meyer schüttelte den Kopf.
»Er hat mir die Hand gegeben. Und Sie haben nichts gesagt!«
Lund zuckte die Schultern, stand auf, sah sich um.
»Und jetzt kommen Sie her und stellen mir Fragen!«, schrie Pernille sie an. »Jetzt ist es zu spät.«
Sie schwiegen.
»Was machen Sie mit ihm?«
»Wir durchsuchen seine Wohnung«, antwortete Meyer. »Sobald wir etwas wissen, rufen wir Sie an.«
Ein verwunderter Ausdruck in den intelligenten, forschenden Augen der Frau. Ein Zusammenhang, an den sie noch nicht gedacht hatte.
»Nanna war dort?«
Keine Antwort.
»Sie war an dem Abend bei ihm zu Hause?«
Lund schüttelte den Kopf. »Über Einzelheiten können wir keine …«
»Ja«, schaltete Meyer sich ein. »Sie war an dem Abend dort.«
Lund schloss vor Wut die Augen.
»Seitdem hat sie niemand mehr gesehen«, fügte er hinzu.
»Das beweist gar nichts«, sagte Lund, immer noch wütend. Wir brauchen Informationen, die eine Verbindung zwischen den beiden belegen. Wir brauchen …«
Was? Sie wusste es selbst nicht.
»Wir brauchen einen Grund«, sagte sie, halb zu sich selbst.
Pernille Birk Larsen nahm den Lappen und wischte erneut über den sauberen Tisch.
»Ich weiß nur, dass Nanna ihn als Lehrer gemocht hat.« Sie machte eine Handbewegung zu Nannas Zimmer hin. »Sehen Sie sich ruhig um. Tun Sie sich keinen Zwang an. Es gibt aber nichts mehr, wo Sie nicht schon Ihre Nase reingesteckt hätten.«
Sie starrte sie hasserfüllt an.
»Aber Sie halten mich auf dem Laufenden. Verstanden?«
»Klar«, sagte Meyer.
Theis Birk Larsen und Vagn Skærbæk hatten frische Balken aus dem Holzlager geholt. Sie waren in der Garage und verstauten sie im Transporter. Es gab zu tun. Aber das Haus in Humleby war am wichtigsten.
»Ich helf dir, Theis«, versprach Skærbæk. »Sag mir nur, was ich machen soll.«
Schweigend hievte Birk Larsen noch mehr Bauholz in den Transporter. Skærbæk wich einem Balken aus.
»Bloß gut, dass du ihn nicht angerührt hast, mit den vielen Bullen überall.« Er packte ein paar Bretter und warf sie in den Transporter. »Wie kann so ein Affe bei uns Lehrer werden? Die Welt ist doch echt krank.«
Birk Larsen nahm seine schwarze Mütze ab, betrachtete das Holz. Holte noch mehr.
»Weißt du was?« Skærbæk vergewisserte sich mit einem Blick in die Runde, dass niemand mithörte. »Der ist erledigt. Das versprech ich dir. Hör zu …«
Er legte die Hand auf Birk Larsens schwarze Jacke. Hielt ihn auf.
»Wir warten«, sagte er. »So wie früher immer. Wir wissen doch, wie das geht.«
Jähe Wut zerriss Birk Larsens steinerne Miene. Er packte den kleineren Vagn an der Latzhose und schleuderte ihn gegen das Heck des Transporters. Packte ihn an der Kehle.
»Sag so was nie wieder! Nie wieder!«
Skærbæk stand stocksteif da, trotzig, kampfbereit.
»Theis. Ich bin’s. Schon vergessen?«
Eine Bewegung am Rand seines Gesichtsfelds. Der magere, ruppige Kriminalbeamte. Sein Handy klingelte. Birk Larsen ließ los.
»Hier Meyer.«
Diese Lund war bei ihm. Sie ging hierhin und dorthin, wie immer. Beäugte alles, als könnte sie es mit ihrem starren Blick aufzeichnen. Birk Larsen lud noch etwas in den Transporter ein und schloss dann die Tür. Vagn hatte sich lautlos verzogen. Das war eine Spezialität von ihm, aus der Zeit, als er und Theis Straßenjungen gewesen waren. Lund ging zu Birk Larsen.
»Wenn ich irgendwas tun kann …«
»Sie wissen, was Sie tun können«, sagte er.
Kirsten Eller kam, leichte Empörung im teigigen Gesicht.
»Dieses Integrationsvorbild von dir ist Hauptverdächtiger. In einem Mordfall.«
»Möglicherweise ist er unschuldig.«
»Es ist Wahnsinn, ihn nicht zu suspendieren.«
»Das mag deine Meinung
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