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Das Verlies

Das Verlies

Titel: Das Verlies Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Andreas Franz
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Richtung sind Sie denn nach Kronberg gekommen? Von Königstein, Oberursel, Bad Soden oder Eschborn?«
    »Ich sage Ihnen doch, ich weiß es nicht. Ich habe drei Tage und zwei Nächte kein Auge zugemacht, ich war verletzt und musste so tun, als wäre ich tot. Glauben Sie vielleicht, da achte ich auf so was? Frau Hauptkommissarin, ich hatte panische Angst, und ich will das alles nur so schnell wie möglich vergessen, auch wenn mir das wahrscheinlich für den Rest meines Lebens nicht gelingen wird … Wo ist eigentlich Markus?«
    »Er ist bei Ihrem Bruder.«
    »Bei Wolfram. Das finde ich zwar nicht so gut, denn Wolfram führt einen eher unsteten Lebenswandel, seit seine Frau gestorben ist, aber wenn’s sein muss. Ich denke trotzdem, dass Markus bei meinen Eltern besser aufgehoben wäre. Weiß Markus schon …«
    »Ich nehme es an«, antwortete Julia Durant. »Wir wollen Sie jetzt auch nicht länger stören, Sie müssen sich ausruhen, wie Ihre Mutter schon gesagt hat. Wir danken Ihnen aber, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben, Sie haben uns sehr geholfen.«
    »Das ist doch selbstverständlich«, entgegnete Rolf Lura. »Ich habe mich gefreut, dass Sie hier waren. Und der Arzt hat gesagt, dass ich unter Umständen schon morgen Nachmittag oder spätestensam Samstag nach Hause gehen kann. Krankenhäuser sind mir ein Gräuel.«
    »Wem nicht. Wir werden uns ganz sicher noch einmal mit Ihnen in Verbindung setzen, denn häufig kehrt die Erinnerung nach solch traumatischen Erlebnissen erst nach einigen Tagen wieder zurück. Schlafen Sie gut und auf Wiedersehen.«
    »Danke. Und auch Ihnen noch einen angenehmen Abend«, erwiderte Lura. Er sah Durant und Hellmer nach, bis sie die Tür hinter sich zugemacht hatten, verzog den Mund zu einem Grinsen, stand auf und besah sein Gesicht im Spiegel. »Das hattu aber fein gemacht«, sagte er leise zu sich selbst und bleckte dabei die Zähne. »Das hattu sehr fein gemacht. Diese verdammten Bullenärsche haben mir alles abgekauft. Na ja, diese Durant würde ich aber schon gerne mal durchficken. Vielleicht ergibt sich ja mal die Gelegenheit. Rolf, du bist ein Genie, und dir wird bestimmt etwas einfallen.«
    Er legte sich wieder ins Bett. Schmerzen hatte er keine mehr, nur ein leichtes Stechen in der linken Brust, das aber vermutlich schon morgen vorbei sein würde. Er löschte das Licht, schloss die Augen und schlief sofort ein.

Donnerstag, 19.55 Uhr
    Tolle Geschichte, was?«, sagte Durant auf dem Weg zum Parkplatz.
    »Was meinst du?«
    »Ach komm, das weißt du ganz genau. Er erzählt uns was von heiler Familie, wie rührend er um sie besorgt war, blablabla! Und von wegen, Gabriele war krank, sie muss krank gewesen sein, aber sie war kein schlechter Mensch. Lura ist ein echter Menschenfreund, der sogar noch verzeiht, wenn er dem Sensenmann so gerade noch mal von der Schippe gesprungen ist. Mir kommt’s hoch, wenn ich so ’nen Mist höre! Wem sollen wirglauben, seiner Frau, seinem Bruder, Frau Becker und dieser Karin Kreutzer oder ihm?«
    »Was spielt das für eine Rolle? Fakt ist, dass er entführt wurde und so grade eben davongekommen ist. Der ganze andere Kram interessiert mich nicht.«
    »Mich aber. Ich habe ein festes Bild von seiner Frau, und die hat bestimmt nicht gelogen, wenn sie sagt, dass er sie regelmäßig verprügelt hat. Außerdem deckt sich ihre Aussage mit der von der Kreutzer.«
    »Na und? Was hat das eine mit dem andern zu tun? Willst du ihm jetzt vielleicht auch noch anhängen, dass er am Tod seiner Frau und seines Freundes schuld ist? Mag ja sein, dass er ein Charakterschwein ist, aber das ist noch lange kein Grund, ihn umzulegen.«
    »Eine Frage, Frank. Angenommen, du wärst in seiner Situation gewesen, ich meine heute Vormittag, hättest du nicht wenigstens versucht, einen Blick nach draußen zu erhaschen, um zu sehen, wo du langfährst?«
    »Und?«
    »Manchmal bist du echt schwer von Begriff. Die haben ihn entführt und in den Kofferraum gelegt, das beweisen die Blutspuren. Als sie ihn aber für tot halten, setzen sie ihn auf den Rücksitz. Welchen Sinn macht das?«
    »Die beiden haben nicht mehr gewusst, was sie taten. Sie hatten vor, Selbstmord zu begehen, und da war’s doch egal, ob er im Kofferraum oder auf der Rückbank liegt. Umgebracht hätten sie sich so oder so.«
    »Und warum haben sie den Selbstmord quasi doppelt ausgeführt? Erst erschießt er sie, dann zündet er das Auto an, und zuletzt erschießt er sich. Es hätte doch gereicht, wenn die beiden

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