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Das Vermächtnis von Thrandor - Der Pfad der Jägerin

Das Vermächtnis von Thrandor - Der Pfad der Jägerin

Titel: Das Vermächtnis von Thrandor - Der Pfad der Jägerin Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Mark Robson
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fragst du nicht den jungen Filaun drüben an der Kreuzung? Er will sich einen Ruf als Schmiedemeister aufbauen und könnte …«
    »Nein«, unterbrach ihn Selkor in einem Tonfall, der Edovar unmissverständlich klarmachte, dass jede Widerrede zwecklos war. »Du musst es machen, Eddi. Ich werde keinen unerfahrenen Welpen an dieses Stück heranlassen.«
    »Filaun ist kein ›unerfahrener Welpe‹! Aber wenn du darauf bestehst, dann bring mir das Stück am Morgen und ich werde es mir ansehen.«
    Selkors Augen bohrten sich in Edovars Gesicht. »Nein, nicht morgen. Sofort.«
    »Aber das Schmiedefeuer ist erloschen und ich brauche mindestens einen meiner Assistenten …«
    »Hör mir jetzt gut zu, Edovar, Sohn des Mandon. Deine Lehrlinge haben mit diesem Stück nichts zu schaffen. Du, du allein musst diese Arbeit erledigen. Niemand darf davon erfahren, hörst du? Niemand. Das musst du mir schwören, bevor du anfängst. Außerdem musst du es heute Abend noch machen, alter Mann. Wenn du Hilfe brauchst, wirst du dich mit mir begnügen müssen. Ein Nein werde ich nicht hinnehmen.«
    Edovar wusste, wollte er seinen Ruhestand noch erleben, müsste er Selkors Anweisungen bis ins Kleinste befolgen. Mit dem Magier war noch nie zu spaßen gewesen, doch so unerbittlich wie an diesem Abend hatte ihn Edovar noch nie erlebt. Bei dem Gedanken daran, das mit magischer Energie durchdrungene Silber neu zu formen, krampfte sich Angst um sein Herz. Wenn das Amulett auch nur halb
so viel Macht hatte, wie er vermutete, würde er die Kräfte, die ihn bei der Arbeit durchströmten, womöglich nicht überleben.
    »Verdammt bin ich so oder so«, dachte er. »Was ist nur in mich gefahren, mich überhaupt mit magischen Gegenständen einzulassen?«
    Die Antwort auf diese Frage kannte er natürlich auch. In jungen Jahren war es Edovar nicht anders gegangen als Filaun heute: Er wollte sein Können unter Beweis stellen und sich einen Namen machen. In seinem Ehrgeiz versuchte er sich auch an Arbeiten, die andere vor ihm das Leben gekostet hatten. Nun holte ihn die dumme Jagd nach Ruhm wieder ein. Ja, er erhielt lukrative Aufträge vom Kaiser, aber waren Ruhm und Geld das Wagnis wert, das er jetzt eingehen musste? Bestimmt nicht, dachte er bitter, aber an seiner Vergangenheit konnte er nichts mehr ändern.
    »Na gut, Selkor, da du mir keine Wahl lässt, zeig mir das Amulett, das ich herrichten soll«, sagte Edovar barsch, streckte die Hand aus und wappnete sich innerlich gegen die Berührung mit dem gefürchteten Gegenstand.
    Selkor griff mit der rechten Hand in einen großen Lederbeutel, der an seinem Gürtel hing. Als seine Finger auf den gesuchten Gegenstand trafen, zögerte er kurz und sein Mund verzog sich zu einem sonderbaren Lächeln, das Edovar einen kalten Schauer über den Rücken jagte. Selkor legte ihm das Silberamulett in die geöffnete Hand.
    Bei der Berührung sprang Edovar einen Schritt zurück, musste husten und spucken und spürte einen sauren Geschmack im Mund.
    »Blutsilber!«, stammelte er und spuckte noch einmal aus. »Bist du verrückt? Das brauche ich nicht einmal anzufassen, um zu wissen, wer es gemacht hat. Wenn ich das instand
setze, kommt nichts Gutes dabei heraus, Selkor. Sogar du musst doch erkennen, dass es böse ist.«
    »Sogar ich?«, zischte Selkor gehässig und legte das Amulett zurück in den Lederbeutel. »Pass auf, alter Mann, du bewegst dich auf dünnem Eis. Können wir jetzt anfangen oder muss ich erst die Beherrschung verlieren?«
    »Ich werde diesem Monstrum mein Blut nicht geben, Selkor. Wenn du deine Seele daran binden willst, so überstell dich der Hölle, die sich darin verbirgt. Ich will damit nichts zu tun haben.«
    Selkors atmete ein, als wollte er seinem Zorn freien Lauf lassen, doch zu Edovars Überraschung riss er sich zusammen und stieß die Luft langsam wieder aus.
    Eine Weile herrschte Stille. Selkor schien seine Gedanken zu ordnen. Edovar verschränkte die Arme vor der Brust. Die Zunge lag ihm dick und schwer im trockenen Mund.
    »Na gut, Edovar. Du bist im Vorteil«, gab Selkor schließlich nach. »Ich weiß nicht genau, was du meinst, aber ich sehe ein, dass eine gewisse Vorsicht vonnöten ist. Von Blutsilber habe ich bislang nichts gehört, und ich habe nicht vor, meine Seele welcher Hölle auch immer zu überantworten. Erzähl mir, was du über das Amulett weißt, und ich werde noch einmal darüber nachdenken.«
    Edovar überraschte auch diese Antwort Selkors. Einen solchen Gesinnungswandel hatte

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