Das Vigilante Prinzip (German Edition)
wie Sie wollen.«
»Besorgen Sie mir den Chip.«
»Ich kann nicht!« Ormonds Stimme klang beinahe flehend. »Weil ich ihn nicht habe.«
Kane setzte die Tasse ab und lehnte sich zurück. Er bemerkte, wie die Finger seiner linken Hand begannen auf der Tischplatte zu trommeln. Rasch zog er sie zurück. Sein Blick wanderte durch das Café, während er fieberhaft überlegte, welchen Teil er Ormond glauben sollte und welcher ausgemachter Schwachsinn war.
»Das erklären Sie mir jetzt bitte.«
Wieder war das Ausblasen von Rauch zu vernehmen. »Ich habe alles zusammengepackt, das komplette Paket, in der Annahme es befinden sich alle dreißig Chips darin. Allerdings habe ich übersehen, dass es ursprünglich einunddreißig Chips der Serie Xtreme gab. Ein Klon des Starterchips, der aber nie vervollständigt wurde.«
Kane verschluckte sich am Kaffee und setzte mit zitternder Hand die Tasse ab. Der Klonchip. Er schnalzte mit der Zunge. »Was ist mit dem Duplikat?«
»Ich habe es hier«, sagte Ormond. »Sie hatten es, richtig? Sie haben angefangen daran zu programmieren, bis sie merkten, dass der Chip nicht die Leistung hatte, die er haben sollte.«
Kane nickte, auch wenn Ormond die Geste nicht sehen konnte. Das Nicken war eher für ihn selbst bestimmt. Ja, er hatte zuerst dieses Duplikat in den Fingern gehabt und beschlossen, es zu vernichten, sobald er die anderen dreißig Chips zu Ende programmiert hatte. Doch dann hatte der Kongress den Auftrag abgelehnt und Kane war auf die Straße gesetzt worden. Den Klonchip hatte er vergessen, er wäre auch völlig unwichtig gewesen, wenn Ormond ihm den kompletten Chipsatz ausgehändigt hätte.
»Also haben Sie den Chip herausgenommen und einen Blick drauf geworfen?«
»Nachdem ich die anderen bereits dem Boten übergeben habe, ja. Das Duplikat enthielt noch Programmfragmente, die es mir ermöglichten, eins und eins zusammenzuzählen. Sie haben für BDSO gearbeitet. Und wenn es Ihnen um alle dreißig Chips geht, dann musste ich davon ausgehen, dass Sie den Programmcode über die dreißig ICs verteilt haben. Aber warum ausgerechnet die Xtreme-Chips?«
Dr. Kane rieb sich die Schläfen. Die dumme Kuh war ihm auf die Schliche gekommen. Ja, warum die Xtreme-Chips, die als wertlos galten? Weil sie nach einem Erfassungsalgorithmus arbeiteten, der dem für BDSO entwickelten sehr ähnlich war. Und sie hatten die Leistung, die Vorrechenarbeit durchzuführen und andere CPUs damit zu entlasten.
»BDSO?«, fragte Kane, obwohl er genau wusste, dass er sich nicht herausreden konnte, doch er wollte durch die Frage einfach mehr Zeit gewinnen, um nachdenken zu können. Er nahm an, dass Ormond den Starterchip zurückgehalten hat, nachdem sie auf dem Duplikat erkannte, worum es Kane ging. Aber warum behauptete sie dann, er befände sich nicht mehr in ihrem Besitz?
»Vergessen Sie die Spielchen, Dr. Kane«, sagte Ormond. Ein Zischen erklang. Offenbar drückte sie die aufgerauchte Zigarette gerade im Ascher aus. »Das Projekt Biometric Detection of Suspicious Objects wurde genauso wenig vom Kongress genehmigt, wie das aktuelle Cellworm-Programm. Was also erhoffen Sie sich davon?«
Kane hätte stundenlang mit der Schläfenmassage weitermachen können, doch dadurch wäre er seine Kopfschmerzen auch nicht losgeworden. Er würde ihr natürlich nicht verraten, was er vorhatte. Denn dazu müsste er ihr den digitalen Einbruch in diverse DNA-Datenbanken gestehen, die vor einigen Monaten von verschiedenen Hackern gestartet wurden. CODIS beim FBI, die NDNAD in England, FNAEG in Frankreich. Die von Kane beauftragten Einbrecher sollten den Anschein erwecken, nur herumzustöbern und Sicherheitslecks aufzuzeigen. Sie ahnten jedoch nichts von den Trojanischen Pferden, die Kane dadurch einschleusen konnte und die in den letzten Monaten nahezu den kompletten DNA-Datenbestand der amerikanischen und europäischen Behörden heruntergeladen und an sichere Server übertragen hatten.
»Na schön«, sagte Dr. Kane. »Sie glauben also zu wissen, was sich auf den Chips befindet. Das erklärt aber noch immer nicht den Verbleib des Starterchips und Ihre Auskunft, dass Sie diesen Chip nicht mehr besitzen. Ich gebe Ihnen dreißig Sekunden, mir plausibel zu erklären, was damit geschehen ist. Nach Ablauf der Zeit, werde ich mit Hilfe von Cellworm Ihre nachrichtendienstlichen Tätigkeiten in China, dem Iran und Pakistan aufdecken. Das wird ein Feuerwerk. Dagegen war Nordkorea nur die Flamme eines Streichholzes.«
»Dr. Kane,
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