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Das Wesen der Dinge und der Liebe: Roman (German Edition)

Das Wesen der Dinge und der Liebe: Roman (German Edition)

Titel: Das Wesen der Dinge und der Liebe: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Elizabeth Gilbert
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Ding, das schon halb im Fluss versinkt. Du weißt welcher, Alma, du kennst ihn. Was glaubt er eigentlich, was diese Ruine noch wert ist, und warum denkt er, ich würde sie mir freiwillig aufhalsen?«
    »Du hörst mir nicht zu, Vater.«
    Henry blickte nicht einmal von seinem Schreibtisch auf. »Ich höre dir zu«, antwortete er, während er den Brief in seiner Hand umdrehte und weiter darauf starrte. »Ich höre dir gebannt zu.«
    »Ambrose und ich möchten bald heiraten«, erklärte Alma. »Feierlichkeiten oder Festivitäten sind nicht erforderlich, doch es wäre schön, wenn es schnell geschehen könnte. Im Idealfall wären wir gerne noch vor Monatsende vermählt. Du darfst dir sicher sein, dass wir nicht die Absicht hegen, White Acre zu verlassen. Wir werden dir beide erhalten bleiben.«
    Da hob Henry doch den Kopf und sah Alma zum ersten Mal, seit sie den Raum betreten hatte, direkt an.
    »Selbstverständlich werdet ihr mir beide erhalten bleiben«, stellte er fest. »Warum solltet ihr White Acre auch verlassen? Oder glaubst du, dass der Bursche dir in gewohnter Weise Unterhalt bieten kann vom Salär eines – wie nennt sich noch gleich sein Beruf – Orchideenmalers?«
    Henry lehnte sich auf seinem Stuhl zurück, verschränkte die Arme vor der Brust und sah seine Tochter über die Messingränder seiner altmodischen Brille hinweg durchdringend an. Alma zögerte.
    »Ambrose ist ein guter Mann«, brachte sie schließlich hervor. »Einem wie ihm verlangt es nach keinerlei Reichtum.«
    »Ich vermute, dass du damit durchaus richtigliegst«, erwiderte Henry. »Freilich spricht die Tatsache, dass er die Armut dem Reichtum vorzieht, nicht unbedingt für seinen Charakter. Trotzdem habe ich mir in Erwartung einer solchen Situation bereits vor Jahren meine Gedanken gemacht – lange bevor wir von einem Ambrose Pike auch nur gehört hatten.«
    Henry erhob sich etwas wackelig von seinem Stuhl und drehte sich zu dem Bücherschrank um, der hinter ihm stand. Er zog ein Buch über englische Segelschiffe heraus – ein Band, den Alma, seit sie denken konnte, in diesem Regal hatte stehen sehen, ohne dass sie ihn jemals auch nur berührt hatte, denn wenn es etwas gab, was sie nicht interessierte, dann waren es englische Segelschiffe. Henry blätterte in dem Buch, bis er einen gefalteten, mit Wachssiegel verschlossenen Papierbogen darin fand. Auf dem Siegel stand »Alma«. Er reichte ihr das Papier.
    »Ich habe diese Schriftstücke mit Unterstützung deiner Mutter um das Jahr 1817 aufgesetzt. Das andere habe ich bereits deiner Schwester Prudence übergeben, als sie ihren gestutzten Cockerspaniel geheiratet hat. Es handelt sich um eine von deinem Gatten zu unterschreibende Verfügung, der zufolge er niemals Besitzer von White Acre wird.«
    Henry wirkte überaus gelassen. Wortlos ließ sich Alma die Verfügung geben. In dem schnörkellosen, energischen A ihres Vornamens erkannte sie auf Anhieb die mütterliche Handschrift.
    »Ambrose benötigt White Acre nicht und wünscht es auch nicht zu besitzen«, erklärte Alma wie zu ihrer Ehrenrettung.
    »Ausgezeichnet. Dann wird er ja nichts dagegen haben, dieses Papier zu unterschreiben. Selbstverständlich wird es eine Aussteuer geben, doch mein Vermögen, mein Anwesen – nichts davon wird jemals ihm gehören. Ich darf davon ausgehen, dass wir uns verstanden haben?«
    »Durchaus«, antwortete Alma.
    »Wunderbar. Was nun Mr Pikes Eignung als Ehemann betrifft, so ist das natürlich ausschließlich deine Sache. Du bist eine erwachsene Frau. Wenn du der Meinung bist, dass dich solch ein Mann im Ehebund zufriedenstellen kann, dann hast du meinen Segen.«
    »Mich im Ehebund zufriedenstellen?«, brauste Alma auf. »Kannst du mir bitte sagen, wann es jemals schwierig war, mich als Person zufriedenzustellen, Vater? Gibt es überhaupt etwas, worum ich jemals gebeten hätte? Was habe ich jemals verlangt? Welche Unannehmlichkeiten könnte ich irgendjemandem als Ehefrau bereiten?«
    Henry zuckte die Achseln. »Das kann ich dir nicht sagen. Das musst du selbst in Erfahrung bringen.«
    »Zwischen Ambrose und mir besteht ein natürliches Einvernehmen, Vater. Ich weiß, von außen betrachtet mag es eine ungewöhnliche Verbindung sein, doch ich empfinde …«
    »Rechtfertige dich nicht, Alma, niemals«, fiel ihr Henry ins Wort. »Es erweckt einen Eindruck von Schwäche. Ich habe ja gar nichts gegen den Burschen.«
    Damit wandte er sich wieder den Papieren auf seinem Schreibtisch zu.
    War dies nun als

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