Das zweite Königreich
daß ich den Kopf aus der Schlinge gezogen habe, und schon legt Ihr mir die nächste um.«
Sie hob das Kinn und drehte den Kopf leicht zur Seite – eine Geste voller Hochmut und Verächtlichkeit. Sie erinnerte ihn vage an seine Mutter, und das machte es ihm leichter, ihr standzuhalten. Er verschränkte die Arme, lehnte sich mit den Schultern an die geschlossene Tür und wartete.
Ihre Lider senkten sich ein wenig und verschleierten ihren Blick. Dann verzogen sich ihre Mundwinkel für einen kurzen Moment nach oben, ehe sie sich auf die Unterlippe biß.
»Cædmon«, sagte sie leise. »Für mich ist es auch nicht leichter als für Euch. Als wir hörten, daß Ihr England verlassen hattet … Ich wußte nicht mehr ein noch aus. Ich dachte, ich würde Euch nie wiedersehen. Und ich habe mir so sehr gewünscht, wir hätten uns nur ein einziges Mal die Wahrheit gesagt.«
Er machte einen Schritt auf sie zu und zog sie an sich. Auf einmal war es ganz leicht. Die naheliegendste Sache der Welt. Er legte die Arme um sie und drückte die Lippen auf ihren Scheitel.
»Entschuldige.« Er wollte ihr tausend Dinge sagen, und allesamt waren sie die Wahrheit, wenn auch nicht besonders originell. Aber erbekam keine Gelegenheit. Sie hob den Kopf, sah ihm in die Augen und preßte ihre Lippen auf seinen Mund. Dann legte sie die Arme um seinen Hals.
Cædmon preßte sie an sich, drückte ihr fast die Luft ab und küßte sie. Ihre Zunge war flinker als die seine, schlängelte sich schamlos vor, spielte mit seinen Zähnen.
Er ließ die Hände abwärts gleiten, fahrig, fiebrig vor Ungeduld, über ihre Brüste, umfaßte ihre Taille und zog sie fester an sich, damit sie wußte, wie es um ihn stand und was er wollte.
Sie lachte – ein kleiner, atemloser Laut, krallte die Linke in seine schulterlangen Haare und tastete mit der Rechten nach dem Saum seines Übergewands.
Cædmon spürte einen herrlichen, leichten Schwindel. Ihre Verwegenheit berauschte ihn. Keine Frau hatte ihn je so sehr gewollt. Er streifte das sittsame Tuch von ihrem Kopf, und der silberne Stirnreif rollte ein kleines Stück und glitzerte im Fackelschein. Mit ungeschickten Fingern löste er ihre Flechten, während ihre warme, schmale Hand einen Weg in seinen Hosenbund fand und sein pralles Glied umfaßte. Er kniff die Augen zu und stöhnte leise, riß sich mit einer Hand den Mantel herunter, warf ihn auf den Boden, zog sie darauf hinab und befreite sich einen Augenblick, um ihre Röcke hochzuschieben und seinen Gürtel zu lösen, doch selbst das dauerte ihr zu lange. Sie richtete sich auf die Ellbogen auf, zerrte voller Ungeduld an seinen Hosen und zog ihn dann zwischen ihre angewinkelten Knie. Er drang in sie ein, hart, aber nicht roh, voller Hingabe, voller Liebe. Aliesa drängte sich ihm entgegen, fand mit den Lippen wieder seinen Mund und nahm behutsam seine Unterlippe zwischen die Zähne. Cædmon lachte leise. Dann umschloß er ihr Gesicht mit den Händen, küßte sie und stieß gierig und stürmisch in sie hinein.
Es war ein kurzer Akt, heftig, aber voller Zärtlichkeit. Als sie schließlich still lagen, immer noch ineinander verschlungen und außer Atem, spürte Cædmon ein leises Bedauern, daß ihm keine Zeit geblieben war, sie auszuziehen und anzuschauen und zu fühlen. Er hatte ungezählte Male davon geträumt, hatte sich jedes Detail ausgemalt, die Brüste, den Bauchnabel, das schwarze Dreieck ihrer Schamhaare, die Knie, die Knöchel … All das hatte er sich vorgestellt, jedesmal, wenn er Gytha auszog oder irgendein anderes Mädchen. Und jetzt hatte er nichts von alldem gesehen. Nun, vielleicht beim nächstenmal. Er wandte denKopf ab, um sein flegelhaftes Grinsen zu verbergen, löste sich behutsam, richtete sich auf und brachte seine Kleider in Ordnung.
Aliesa folgte seinem Beispiel.
Dann saßen sie auf dem staubigen Dielenboden und sahen sich an. Cædmon hob die Linke und legte sie auf ihre Wange. Aliesa umfaßte seine Hand, führte seine Finger an die Lippen, küßte sie und ließ sie dann los.
»Ich war nicht sicher, ob du das tun würdest«, gestand sie mit einem kleinen, beinah verlegenen Lächeln.
»Dann unterschätzt du deine Reize.«
Das Lächeln wurde eine Spur breiter, ehe sie den Blick niederschlug. »Ich dachte, du liebst ihn vielleicht mehr als mich.«
Er zuckte fast unmerklich zusammen. Bis zu diesem Augenblick war es ihm gelungen, Etienne vollkommen aus seinen Gedanken zu bannen. Dann schüttelte er den Kopf. »Ich liebe dich schon viel
Weitere Kostenlose Bücher