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Dave Duncan

Dave Duncan

Titel: Dave Duncan Kostenlos Bücher Online Lesen
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er war dagegen hilflos. Sie verwandelte ihn in einen hilflosen Sklaven, machte ihn zu Wachs in ihren Händen. Er konnte an nichts anderes mehr denken.
    Inos entzog ihre Hand seinem schweißnassen Griff, und er bemerkte es kaum.
    Sagorn richtete sich auf und leckte sich die Lippen. »Würdet Ihr die Intensität ein wenig vermindern, Ma’am?« murmelte er. »Das ist in meinem Alter sehr gefährlich für die Arterien.«
    »Aber welch ein wundervoller Tag für den Tod!« Sie lachte und streichelte neckend seine Wange. Rap spürte, wie Flammen wahnsinniger Eifersucht durch ihn hindurchloderten.
    Sagorn stöhnte auf – und war der viel zu hübsche Andor.
    Königin Rasha fuhr zurück und hob eine Hand, als wolle sie zuschlagen. Für den Bruchteil einer Sekunde erhaschte Rap einen Blick auf eine schwere Frau in mittleren Jahren, in einem schäbigen braunen Umhang, mit ungekämmtem, grauem Haar und nackten Füßen, mit Falten und hängenden Wangen. Dann war das Wahngebilde wieder verschwunden, und die wundervolle Königin Rasha stand wieder vor ihm, strahlend in zartem Tüll und Perlmutt, und betrachtete Andor mit gelangweilter Belustigung.
    Andor, das Haar durcheinander und die Kleider viel zu groß, hielt seinen linken Arm, dessen Ärmel sich mit Blut dunkel verfärbte. Dennoch gelang es ihm, sich anmutig zu verbeugen. »O ja!« sagte er. »Einmalig! Majestät, wie kann ich Euch dienen?«
    Königin Rasha erwiderte die Verbeugung mit einem Nicken und beobachtete ihn voller Neugier. »Ein Reihenbann? Faszinierend! Und auch gut gemacht – ein sehr plötzlicher Übergang. Kann es wirklich eine Gruppe aus gleichwertigen Personen sein? Mal sehen, der Alte wäre der Gelehrte gewesen –«
    »Und ich Euer ergebener Sklave.«
    »Natürlich ein Liebhaber«, sagte sie schroff mehr zu sich selbst als zu Andor. Bevor er weiterreden konnte, schnitt sie ihm mit einem Fingerschnippen das Wort ab.
    Und er war verschwunden. An seiner Stelle stand Darad, riesig und häßlich. Sein Kopf blutete immer noch von Raps Angriff mit dem Stuhl. Er heulte und drückte eine Hand auf sein Auge, das Little Chicken verletzt hatte. Andors Blut – und jetzt Darads eigenes – durchtränkten den linken Ärmel seiner Kleidung, und seine plötzliche Bewegung verursachte ein reißendes Geräusch von einer überdehnten Schulter.
    »Der Kämpfer!« Die Zauberin zog ein Gesicht und schnippte wieder mit den Fingern.
    Das Kleid schien in sich zusammenzufallen und die schmächtige Figur des flachshaarigen Jalon zu umschließen. »Der Künstler, Ma’am«, sagte er und verbeugte sich. »Eure Schönheit wird immer auf meinen Lippen sein und mein Lied zu Eurer–«
    »Ein anderes Mal.« Sultana Rasha schnippte ein drittes Mal mit den Fingern, und die braune Robe fiel erneut zusammen. Alles, was jetzt von dem letzten Besitzer zu sehen war, war ein schmales, dunkles Gesicht, das unter einem Wust von schwarzen Haaren hervorlugte – ein kleiner und sehr gewöhnlicher impischer Jugendlicher, dessen Mund und Augen vor Entsetzen weit aufgerissen waren. Mit einem Winseln versuchte er, vor der Zauberin auf die Knie zu fallen, doch genau wie Rap konnte er sich nicht bewegen, sondern nur hinkauern. Demütig erhob er seine gefalteten Hände. Das Geräusch klappernder Zähne erfüllte die Kammer.
    »Nun!« Die Sultana schien ihm weniger feindlich gesonnen als seinen Vorgängern. »Gelehrter, Liebhaber, Soldat, Künstler – und Ihr müßt derjenige der Gruppe sein, der die Geldgeschäfte macht?«
    Der Junge winselte, und große Augen lugten aus einer übergroßen Robe zu ihr auf. »Ich meine es nicht böse, Eure M-M-Majestät!«
     
    »Aber Ihr seid ein Langfinger!«
     
    Er wimmerte. »Nur Krusten, Lady – nur ein paar Krusten, als ich hungrig war.«
    Das war das fünfte Mitglied der Bande? Thinal, der Dieb, den Sagorn ihren Anführer genannt hatte, und Andors Bruder. Rap hatte noch nie ein uninteressanteres Gesicht gesehen. Außerdem war es mit Pockennarben übersät, mit eiternden Aknepusteln und war von unschönen Haarbüscheln verunstaltet. Niemand würde Thinal auch nur einmal freiwillig ansehen; er würde sofort in jeder Menge in jeder Stadt des Impires verschwinden. Dennoch hatte der König Inos gesagt, sie könne ihm vertrauen!
    Die Zauberin nickte beifällig. »Sehr gute Arbeit. Wer hat sie vollbracht?« »Or-Or-Orarinsagu, bitte, Eure Omnipotenz.«
»Also schon vor langer Zeit?«
    »Über ein Jahr-Jahrhundert, Majestät.« Die Zähne klapperten kurz wieder, und dann

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