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Dave Duncan

Dave Duncan

Titel: Dave Duncan Kostenlos Bücher Online Lesen
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auch nicht helfen«, sagte eine barsche männliche Stimme hinter ihr.
Sie drehte sich eilig um und kniff die Augen zum Schutz vor dem gleißenden Licht zusammen.
    Er war groß, so groß wie ein Jotunn. Sein blaßgrüner Umhang blähte sich in der Brise und ließ ihn noch größer erscheinen. Doch sofort konnte sie seine rötliche Gesichtsfarbe erkennen und den dünnen roten Bart, der sein Gesicht umrahmte. Er war also ein Djinn. Natürlich.
    Unter dem Umhang trug er einen wallenden Pyjama aus smaragdgrüner Seide, doch Inos bezweifelte, daß er gerade erst aufgestanden war. Der Krummsäbel zum Beispiel, der an seiner Seite hing und dessen Griff vor lauter Diamanten funkelte, war sicherlich kein angenehmer Begleiter im Schlaf. Die verschiedenen Edelsteine, die sich von seinem Turban bis hinunter zu seinen hochgebogenen Zehen ausbreiteten, und besonders der breite Kummerbund aus soliden Smaragden… nein, das war wohl kaum Kleidung fürs Bett. Und ganz gleich, wie schlank er war, dieser riesige Kummerbund mußte seine Taille unerträglich fest einschnüren. Es war ein Wunder, daß er überhaupt noch atmen konnte.
    Er hatte ein dünnes, angespanntes Gesicht, eine Adlernase und Augen so hart wie Rubine. Er war nicht viel älter als sie. Diese Statue! Diese Schultern…
    Diese Arroganz! Er genoß es, wie sie ihn ansah. Wen hatte er beeindrucken wollen?
    »Euer Name und Eure Position, Frauenzimmer?« Sie richtete sich stolz auf und war sich kläglich ihrer ruinierten ledernen Reitkleidung bewußt, blutverschmiert und verdreckt; bewußt auch, daß sie von Müdigkeit gezeichnet sein mußte – Augen wie offene Wunden, die Haare nur gelbe Strähnen. »Ich bin Königin Inosolan von Krasnegar. Und Ihr, Bursche?«
    Ihre Frechheit ließ seine Augen wie glühende Feuer aufflackern. Ihr Kopf reichte nicht einmal bis zu seiner Schulter, und allein seine Schärpe aus Smaragd könnte ihr ganzes Königreich aufkaufen, obwohl die Edelsteine noch nicht einmal um seinen ganzen Körper herum reichten.
    »Ich habe die Ehre, Azak ak’Azakar ak’Zorazak zu sein, Sultan von Arakkaran.«
    »Oh!« Dummkopf! Hatte sie erwartet, daß er Koch oder Friseur war, so wie er gekleidet ging? Das Medaillon aus Diamanten an seinem Turban war schon ein Vermögen wert. Sie erinnerte sich rechtzeitig daran, daß sie Reiterhosen trug und keinen Rock und verbeugte sich.
    Der junge Riese betrachtete sie einen Augenblick lang mißbilligend. Dann machte er mit einer großen, rotbraunen Hand eine ausschweifende Geste und beugte sich so weit vor, als wolle er mit dem Turban seine Knie berühren, so daß Inos zusammenzuckte. Der Kummerbund aus Smaragd saß offensichtlich überhaupt nicht fest – seine Taille war anscheinend tatsächlich so schmal, sein Rücken noch breiter, als sie vermutet hatte. Er richtete sich geschwind wieder auf, als seien derartige gymnastische Übungen für ihn überhaupt kein Problem, aber sie konnte nicht sagen, ob sie als Kompliment oder als Spott gemeint waren.
    Sultan! Rasha hatte behauptet, sie sei eine Sultana, doch dieser Bursche war viel zu jung, um ihr Ehemann zu sein.
    Natürlich vorausgesetzt, Rasha war wirklich das, was sie zu sein vorgab, als sie im Turm erschienen war – im mittleren Alter und dick. Später, als Sagorn durch Andor ersetzt wurde, hatte sie sogar noch mehr von sich preisgegeben. Verwirrt durch die okkulte Verwandlung war Rasha für einen Augenblick zu einer alten Frau geworden. Das Bild der gertenschlanken, jungen Frau war offensichtlich eine Illusion gewesen. Zauberer lebten sehr lange, aber dieser hochgewachsene und jugendliche Sultan war eher Rashas Sohn oder Enkel.
    Die Erschöpfung übermannte Inos wie eine dunkle Welle. Sie war nicht in der Verfassung, sich mit Sultans oder Sultanas oder Zauberinnen zu beschäftigen.
    Da klimperte der Vorhang aus Juwelen. Inos wirbelte herum, als Tante Kade hindurchtrat. Kade! Klein und drall und mit gegen die Helligkeit zusammengekniffenen, wäßrigblauen Augen, aber oh, wie willkommen!
    »Tante!« Inos umarmte sie stürmisch.
    »Ah, da bist du ja, Liebes!« Sie klang müde, aber ziemlich ruhig. Sie schien ihre anrüchige äußere Erscheinung nicht zu bemerken – ihr rosasilbernes Kleid über und über mit Tee besudelt, ihr verfilztes schneeweißes Harr flatterte in der heißen Luft.
    Inos holte tief Luft und zwang sich, ein angemessen damenhaftes Benehmen an den Tag zu legen. »Wie schön, daß du uns Gesellschaft leisten kannst, Tante! Darf ich vorstellen…

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