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Dave Duncan

Dave Duncan

Titel: Dave Duncan Kostenlos Bücher Online Lesen
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Prinzessin Kadolan, Schwester meines verstorbenen Vaters, König Holindarn von Krasnegar. Der Sultan… ähm…«
    »Azak!« bellte Azak.
»Sultan Azak.« Inos war gerade nicht in Höchstform.
    »Eure Majestät!« Tante Kade machte einen Knicks, wie es schien ohne zu schwanken. Sie demonstrierte wieder einmal ihr erstaunliches Durchhaltevermögen.
    Der Sultan runzelte die Stirn und zeigte aristokratische Überraschung über diese beiden Streunerinnen, die in sein Reich eindrangen. Als er die Zähne zusammenbiß, zitterte sein roter Bart. Natürlich war er nicht so umwerfend, wie er selbst glaubte, doch Inos beschloß, sie würde ihn immerhin als bemerkenswert bezeichnen. Er machte erneut seine merkwürdige Geste und verbeugte sich vor Kade – tief, aber nicht ganz so tief wie zuvor. Dann starrte er wieder Inos an.
    »Euer Vater? Ihr seid eine Königin durch Erbrecht?«
»Das bin ich.«
»Wie außergewöhnlich!«
    Empört öffnete Inos den Mund, doch sie schloß ihn gleich wieder, eine Königin, die nur zwei loyale Untertanen hatte, sollte vorsichtig sein. Das erinnerte sie an ihren zweiten loyalen Untertan –
    »Tante, wo ist Rap?« Sie drehte sich wieder zu dem Vorhang aus Juwelen um und drückte dagegen. Von dieser Seite war er immer noch unbeweglich, ein >Einwegvorhang<.
    »Noch in der Kammer, nehme ich an, Liebes.«
»Die Schlampe ist da drinnen, schätze ich?« wollte Azak wissen. Inos und ihre Tante drehten sich zu ihm um und starrten ihn an.
    »Die Frau, die sich selbst Sultana Rasha nennt? Ihr kennt sie? Sie ist hinter diesem Vorhang – wo immer das sein mag?« Er verschränkte gebieterisch seine Arme.
    »Hinter dem Vorhang ist Krasnegar, mein Königreich!« rief Inos und spürte, wie sie ihre Selbstbeherrschung zu verlieren begann. Diese Folter ging nun schon einen ganzen Tag und eine Nacht, und noch mehr konnte sie einfach nicht ertragen. »Ich will nach Hause!«
    »Tatsächlich?« Er war offensichtlich skeptisch. »Ihr verfügt über keinerlei eigene Magie, weder die eine noch die andere?«
     
    »Nein! «rief Inos.
    »Inos!« Kade runzelte mißbilligend die Stirn. Der Djinn zuckte die Achseln. »Nun, ich bin kein Zauberer, nur der rechtmäßige Regent dieses Reiches. Wenn es um Zauberei geht, müßt Ihr Euch an die Schlampe wenden.«
    »Ist sie nicht Eure… Nun, wenn Ihr hier der Sultan seid, wie steht sie dann zu Euch?« fragte Inos und ignorierte Kades Blicke.
     
    Der Djinn warf einen recht finsteren Blick auf den magischen Vorhang hinter ihnen. »Ihr habt sie kennengelernt, nehme ich an?«
     
    »Königin Rasha? Ich meine Sultana…«
    Sein ohnehin schon rotes Gesicht wurde noch dunkler. »Sie ist keine Königin, keine Sultana! Sie war eine Hafenhure, die sich unerlaubt okkulter Kräfte bemächtigt hat. Jetzt nennt sie sich selbst Sultana, aber das entspricht nicht der Wahrheit! Auf keinen Fall!« Einen Augenblick lang verriet die Wut seine Jugend.
Doch Inos wußte, daß Rasha sie nicht wirklich als Königin beeindruckt hatte. Sie hatte nicht echt geklungen, sich nicht richtig bewegt…
    »Was habt Ihr hier für eine wundervolle Aussicht!« rief Kade aus, um das Thema zu wechseln.
    Zum ersten Mal warf Inos einen Blick auf ihre neue Umgebung. Der Raum war groß, viel größer als Inissos Kammer der Macht, aber der nicht unähnlich. Er lag offensichtlich weit oben, war rund, und hatte vier Fenster. Wenn diese Ähnlichkeiten von Bedeutung waren und nicht nur ein Zufall, dann hieß das, auch dies war die Kammer eines Zauberers. Einer Zauberin, natürlich. Rashas Kammer.
    Die Wände bestanden aus weißem Marmor und stützten eine riesige, gewölbte Kuppel aus demselben milchigen Stein. Es gab keine Fenster, aber von irgendwoher schien Licht herein, anscheinend durch den Stein hindurch. Außerdem pulsierte die merkwürdige Helligkeit mit unerklärlichen, unheimlichen Bewegungen, die Inos aus dem Augenwinkel ganz genau erkennen konnte, nicht jedoch, wenn sie sie direkt fixieren wollte. Schließlich hörten diese Bewegungen auf, und es war nur noch glatter, durchscheinender Marmor zu sehen; während der Spuk an anderer Stelle weiterging. Gruselig!
    Die Aussicht, die ihre Tante gemeint hatte – die vier breiten Öffnungen waren sehr viel größer als die Fenster in Inissos Turm, hatten drei Rundbögen und waren nicht nur ohne Scheiben, sondern auch noch ohne Fensterläden. Offensichtlich war das Klima in Arakkaran viel milder als in Krasnegar. Zu ihrer Linken sandte eine gerade aufgegangene Sonne das

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