Deathkiss - Suess schmeckt die Rache
dafür, dass Dani noch am Leben war. Entmutigt sah sie Travis an, dem die Niedergeschlagenheit deutlich anzusehen war. Hinter der Fassade des harten, entschlossenen Mannes verbargen sich Schmerz und Schuldgefühle.
»Sie werden sie finden«, redete Shannon ihm zu, obwohl sie selbst nicht recht überzeugt davon war. Dennoch, wenn irgendjemand Dani finden würde, dann er.
»Sagt Ihnen das auch Ihr sechster Sinn?«, fragte er, zog eine Augenbraue hoch und trank einen weiteren Schluck Kaffee, während er sich gegen den Schrank lehnte.
»Eher mein Glaube.«
Er schnaubte. »Davon könnte ich im Augenblick eine ganze Menge gebrauchen.« Dann, als sei ihm selbst bewusst geworden, wie niedergeschlagen er klang, fuhr er fort: »Aber Sie haben recht. Ich werde sie finden.« Er zögerte, sah ihr fest in die Augen und setzte dann mit Nachdruck hinzu: »Oder bei dem Versuch umkommen.«
Sie glaubte ihm. »Hoffen wir, dass es dazu nicht kommt.«
»Amen.«
»Haben Sie wegen Mary Beth mit der Polizei gesprochen?«
»Ja, ich hatte heute Morgen eine Unterredung mit ein paar Leuten von der Brandermittlung.«
»Janowitz und Rossi«, vermutete sie. »Die beiden haben mich im Krankenhaus vernommen.«
»Dann haben Sie Paterno also noch nicht kennengelernt?«
Shannon schüttelte den Kopf.
»Sie werden ihn kennenlernen. Ich hatte heute Morgen das Vergnügen. Paterno ist vom Morddezernat. Da Ihre Schwägerin umgebracht wurde, ist er nun für den Fall zuständig, und er glaubt, dass ein Zusammenhang zwischen all diese Vorfällen besteht, den Bränden und auch Danis Entführung.«
Ihr Magen krampfte sich zusammen. »Weiß man schon Näheres über diesen Zusammenhang?«
Travis zuckte mit den Schultern. »Ich denke, man wird Sie unter die Lupe nehmen. Sie sind das nächstliegende Bindeglied.«
Shannon, die gerade den Becher an den Mund heben wollte, hielt mitten in der Bewegung inne. »Ich weiß aber nicht, was Dani zugestoßen ist.«
»Dann werden wir es herausfinden müssen, wie?« Die Härte wich aus seinem Blick, und zum ersten Mal, seit Shannon ihn kannte, hatte sie das Gefühl, sie beide könnten vielleicht doch an einem Strang ziehen.
»Ja«, stimmte sie zu, »wir müssen unser Bestes tun.«
»Also los. Fangen wir mit Ihren Hunden an.« Mit einem Schluck leerte er den Becher. Shannon ließ den Rest ihres Kaffees auf dem Tresen stehen.
Draußen war es bereits brüllend heiß. Ein kaum spürbarer Windhauch strich durch das dürre Laub der Bäume, Flecken von Sonnenlicht sprenkelten den Boden. Die Brandstätte war in der Hitze der letzten Tage getrocknet, mit einem Ende des gelben Flatterbandes spielte müde der Wind.
Travis sah sich um. »Ich frage mich, wieso ausgerechnet der Schuppen. Ich meine, der Brandstifter hätte doch ebenso gut den Zwinger anzünden können oder den Pferdestall oder Ihr Haus.«
»Ja, das habe ich auch schon überlegt. Aber die Tiere hätten Lärm gemacht.«
»Ich schätze, er hätte es zu verhindern gewusst. Immerhin ist es ihm gelungen, hier unbemerkt herumzuschleichen.«
»Ihnen doch auch.«
Travis schüttelte den Kopf. »Ich bin nie in die Nähe des Hauses gekommen.«
»Aber er«, dachte Shannon laut, und bei der Erinnerung an jene grauenhafte Nacht überlief sie erneut eine Gänsehaut. Sie ertappte Travis dabei, dass er sie anstarrte, und bemerkte ihr eigenes Spiegelbild in den Gläsern seiner Sonnenbrille. »Das war bestimmt nicht einfach.« Wie zum Beweis öffnete sie die Zwingertür und wurde sofort mit wildem Bellen, Kläffen und Heulen begrüßt. »Die Tiere sind unruhig«, stellte sie fest. »Obwohl sie schon Futter, Wasser und Auslauf hatten. Aber ihr müsst noch eine Weile warten, bis ich euch wieder rauslasse«, sagte sie zu den drängelnden Hunden und streichelte im Vorbeigehen jedem kurz den Kopf.
Beim ernsthaften Training, insbesondere wenn sie mit fremden Hunden arbeitete, nahm sie sich jedes Tier einzeln vor, bewegte es, arbeitete mit ihm und wandte sich dann dem nächsten zu. Erst wenn jeder Hund seine Lektionen für den Tag absolviert hatte, ließ sie alle gemeinsam draußen herumtollen. Manche Hundetrainer lehnten das ab, Shannon jedoch war der Meinung, dass Hunde als Rudeltiere sich in der Meute wohler fühlten. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Zeit zum Spielen war ihrer Meinung nach wichtig. Nachher, wenn sie mit Atlas fertig war, würde sie die Hunde wieder wie gewohnt frei laufen, schnüffeln und toben lassen.
»Nur fünf?«, fragte Travis.
»Mit Khan sechs.
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