Deathkiss - Suess schmeckt die Rache
die Bitte, sie zurückzurufen.
Sie konnte nur hoffen, dass irgendwer sich die Mühe machte.
20.Kapitel
D er gehört Dani«, erklärte Travis. Seine Kehle war wie zugeschnürt. Voller Wut und böser Ahnungen betrachtete er den Rucksack. »Sie hatte ihn bei sich, als sie an jenem Tag zur Schule ging.« Ratlos und sorgenvoll sah er den Detective an. »Wo haben Sie ihn gefunden?«
»Im Haus der Flannerys, am Tatort.«
»Sie war dort?«, flüsterte er entsetzt.
»Das glaube ich kaum. Ich nehme an, der Mörder hat ihn dort hinterlassen, so wie die Geburtsurkunde auf Shannon Flannerys Veranda.«
»Aber warum?«, wollte Travis wissen.
»Das weiß ich nicht. Jedenfalls wollte er, dass wir den Rucksack finden.«
»Und Sie haben keine weitere Spur von ihr gefunden?«, fragte Travis gepresst. »Sie war nicht etwa …«
»Sie war nicht dort«, versicherte Paterno eilig. »Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass sie auch nur in die Nähe des Hauses gekommen ist.«
Travis atmete tief durch. Vielleicht war Dani doch noch wohlauf … Er hoffte es inständig.
»Ich hoffe, Sie könnten vielleicht eine Erklärung für das hier haben.« Paterno schlug die Klappe zurück, wobei er nicht zuließ, dass Travis den Rucksack anfasste. Auf der Innenseite war, offenbar mit Kohle, der seltsame unvollständige Stern mit Zahlen und gestrichelten Linien gezeichnet. »Haben Sie das schon mal gesehen?«
»Nein. Keine Ahnung, was es darstellen soll.« Travis studierte die Zeichnung eingehend. »Das war früher nicht da.«
»Sind Sie sicher?«
»Ja.«
»Könnte es sein, dass Ihre Tochter mit Drogen oder Sekten zu tun hat oder …«
Travis schlug mit der Faust auf Paternos Schreibtisch. »Hören Sie, Detective«, fauchte er wütend, »diese Frage habe ich der Polizei in Oregon und dem FBI schon tausendmal beantwortet. Dani nimmt keine Drogen. Sie geht nicht mit Fremden. Sie ist nicht weggelaufen.« Seine Nackenmuskeln waren so gespannt, dass sie schmerzten. Er hätte diesen voreingenommenen, spießigen Polizisten am liebsten erwürgt. »Meine Tochter ist das Opfer, begreifen Sie das denn nicht? Das Opfer. Verdrehen Sie nicht die Tatsachen, tun Sie lieber Ihre verdammte Pflicht und finden Sie sie.«
»Genau darum bemüht sich jede einzelne Polizeibehörde in Kalifornien und Oregon.«
»Wo zum Teufel ist sie dann? Hm? Bei dem Perversen, der das da getan hat?« Wütend stieß er mit dem Zeigefinger nach dem angesengten Rucksack. »Bei dem Kerl, der mindestens eine Frau umgebracht und Shannon Flannery überfallen hat? Mein kleines Mädchen befindet sich in der Gewalt dieses Mannes?« Er ballte in ohnmächtigem Zorn die Fäuste. »Wir wissen beide, dass all diese verfluchten Vorfälle irgendwie zusammenhängen, und meine Tochter steckt mittendrin. Wir wissen auch, dass ihre Überlebenschancen rapide sinken, je mehr Zeit vergeht. Also, Detective Paterno, warum finden Sie nicht endlich mein Kind, statt mir blöde Fragen nach Sekten und Drogen zu stellen?«
Travis wartete die Antwort nicht ab, sondern verließ türenknallend das Büro. Er empfand den übermächtigen Drang, jemandem mit der Faust ins Gesicht zu schlagen.
Die Polizei drehte sich im Kreis.
Genau wie der Scheißkerl, der seine Tochter hatte, es wollte! Der verdammte Schweinehund trieb ein Spiel mit ihnen. Mit dem Leben seines Kindes!
Aber Travis war finster entschlossen.
Und zu allem bereit.
Wenn dieser abartige Verrückte Dani auch nur ein Härchen gekrümmt hatte, war er so gut wie tot. Travis würde ihn umbringen. Mit Vergnügen.
›Hüte dich vor Griechen, die Geschenke bringen.‹ Lautete so nicht ein altes Sprichwort? Im Augenblick schien es durchaus zutreffend, fand Shannon. Ihr Nachbar, der stattliche Grundstücksmakler Alexi Demitri, der ihr das neue Grundstück in den Bergen verkauft hatte, überreichte ihr voller Stolz einen pummeligen, blonden Welpen. Shannon hatte, nachdem ihre Mutter und Oliver fort waren, Aaron angerufen und ihm mitgeteilt, dass Brendan Giles gesehen worden war. Aaron hatte versprochen nachzuforschen, und als wenig später jemand an die Tür klopfte, hatte sie geglaubt, er sei es. Doch stattdessen stand Alexi auf der Schwelle.
»Ich musste einfach irgendwas tun«, sagte er. »Sie haben in der letzten Zeit so viel durchgemacht.« Er wies auf die Stelle, wo der Schuppen gestanden hatte. »Ich habe gehört, was Ihrer Schwägerin zugestoßen ist. Es tut mir so leid.«
»Mir auch«, sagte Shannon, verblüfft über seine freundliche
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