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sei daher verständlich, daà die Franken auf den Campings regelrecht aufblühten, zumal die Kinder. Gleichwohl habe er auf der gesamten Reise keinen einzigen Fall von Ruhestörung erlebt, da alle Camper aufeinander Rücksicht nähmen. Die Campings zu finden sei überhaupt kein Problem: An der Zufahrt zu jeder Stadt und auch in den Städten selbst wiesen Hinweisschilder mit dem Symbol eines Zeltes den Weg, so daà die Camper nicht einmal die Landessprache beherrschen müÃten. Besonders angetan haben es GroÃvater die Luftmatratzen, die man mit einer Pumpe rasch aufblasen und nach Gebrauch so klein zusammenfalten könne, daà sie im Auto kaum Platz wegnähmen: wie gemacht für die Wochenenden und Sommer in Tschamtaghi, wenn die Betten wieder nicht ausreichten oder alle auf der Terrasse oder dem Dach übernachteten. AuÃerdem gefiel GroÃvater die Systematik, mit der alle Familienväter die Einrichtung ihres Zeltplatzes organisierten. Jeder Familienangehörige bis hin zum Kleinsten, der etwa das Plastikbesteck ordne, habe seine fest umrissene Aufgabe, die er gewissenhaft und ohne weitere Diskussion erfülle, vom Kofferauspacken über das Ausbreiten des Teppichs bis hin zum Einpflocken der Stangen und dem Aufbau des Zeltes. Nur er selbst, dieser Sklave, sei keiner Aufgabe gewachsen gewesen, als sich auszuruhen und zu schlafen. Doch, mit dem Aufblasen der erstaunlichen Matratzen habe ihn meine Mutter beauftragt, als er es oft genug angeboten hätte, aber nur, wie GroÃvater im nachhinein ahnt, um ihn vom Eindruck zu erlösen, er sei zu nichts nutze. Sosehr er sich anstrengt, auf der Landkarte die Stationen ihrer Reise zu rekonstruieren, gelingt es ihm nicht, die Städte und Landschaften auseinanderzuhalten, die ihm am meisten imponierten. Hier aÃen sie ausgezeichnet zu Mittag, dort stand eine berückend schöne Kirche, anderswo stammten alle Häuser aus der Zeit, in der in Isfahan noch die Safawiden herrschten, oder ragten die Häuser zehn-, zwanzigstöckig in den Himmel â aber wo? War es H - â - y - d - l - b - r - g , war es E-sch - t - r - â - s - b - r - g , war es M - l - h - s - n ? Es sind nur noch Namen, nicht einmal zwanzig Jahre später sind es nur noch Namen. GroÃvater liebte es, an den Weinbergen entlangzufahren, den endlosen Weinbergen, deren Ordnung ihn als Landwirt, der er schlieÃlich auch war, so sehr begeisterte, daà er in seinem Alter noch am liebsten bei einem Winzer zur Lehre gegangen wäre, nur der Trauben wegen, versteht sich. Ãberhaupt erschien ihm Ordnung das eigentliche Erfolgsgeheimnis Europas zu sein, Ordnung, Gemeinsinn und Gesetzestreue: Einmal, als sie an einem Weinberg zur Mittagsrast ihren Teppich ausbreiteten, brach GroÃmutter von einer Rebe einen Stengel ab. Sofort wies mein sonst so höflicher Vater sie erschrocken zurecht, daà das verboten sei, sie müÃten den Stengel sofort dem Eigentümer zurückgeben. Weil der nun allerdings nicht aufzutreiben war, verteilte GroÃmutter die Trauben dennoch an die Enkel. Auch GroÃvater bekam drei, vier zugesteckt, die selbst nach den MaÃstäben Tschamtaghis hervorragend schmeckten.
Um die Familie zum See zu führen, den er von der LandstraÃe aus entdeckt hat, biegt der Schwiegersohn in einen schmalen, ungepflasterten Weg ein. Es ist bereits nach eins: für die Herrschaften längst Zeit, an einer ruhigen Stelle anzuhalten, den Teppich auszubreiten, zu beten, zu essen und ein Stündchen zu schlafen. Wie jeden Tag hat der Schwiegersohn den Ehrgeiz, sie nicht nur an einen ruhigen, sondern unvergleichlich schönen Rastplatz zu führen. Nicht nötig, knurrt die Gnädige Frau wie jeden Tag von der Rückbank, auf die sie sich mit der Tochter und den drei Enkeln quetscht. Sie sind schon vier, fünf Tage unterwegs, ohne daà sie an Deutschland etwas Sehenswertes findet, und wenn der Schwiegersohn ihnen eine Landschaft, eine Stadt oder eine Kirche zeigt, die beim schlechtesten Willen nicht häÃlich genannt werden kann, stimmt sie zwar willfährig zu, nur um später wie beiläufig zu bemerken, daà es ja gar nichts gewesen sei gegen die Landschaften, Städte und Kirchen Frankreichs. Die Tochter hat auf der Rückbank von Tag zu Tag mehr Mühe, nicht vor Wut zu platzen. Der alte Herr hingegen lebt lang genug an der Seite der Gnädigen Frau, um es mit Mahnungen oder gutem Zureden gar nicht erst zu
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