Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition)
haßa – was ist es?« fragte ich.
»Ta’a, kkawam, ist a’ dschil – komm her; mach geschwind!« antwortete er, ohne sich weiter zu erklären.
Ich ging also zu ihm hin. Er hatte mir jedenfalls etwas nicht Unwichtiges mitzutheilen.
»Nun rede!« flüsterte ich ihm zu.
»Sihdi,« erklärte er leise, so daß die Beiden ihn nicht zu verstehen vermochten. »Einer von den Ehalissi gab mir einen verstohlenen Wink und entfernte sich hinter das Haus. Ich folgte ihm so unauffällig wie möglich, und da sagte er, daß er uns Etwas mittheilen wolle, wenn wir ihm zehn Piaster bezahlen möchten.«
»Wo befindet er sich jetzt?«
»Noch hinter dem Hause.«
»Er hat Dir weiter nichts gesagt?«
»Nein, kein Wort.«
»Ich werde zu ihm gehen. Bleibe einstweilen hier, damit diese zwei Männer sich nicht gegen uns verständigen können.«
Zehn Piaster, ungefähr zwei Mark, das war gar nicht zu viel, um etwas Wichtiges zu erfahren. Ich ging nicht vorn auf die Dorfstraße hinaus, sondern ich verließ den Raum direkt durch den schmalen hinteren Ausgang. Da sah ich ein viereckiges Tschaly duwary, innerhalb dessen sich mehrere Pferde befanden. In der Nähe stand ein Mann, welcher augenscheinlich auf mich wartete. Als er mich sah, kam er schnell auf mich zu und sagte leise:
»Willst Du bezahlen, Effendi?«
»Ja.«
»So gib her!«
»Hier!«
Ich zog die kleine Summe hervor. Er steckte sie ein und raunte mir dann zu:
»Sie sind dagewesen!«
»Ich weiß es.«
»Er hat ihnen ein Pferd vertauscht.«
»Welches?«
»Einen Schimmel. Sie wollten drei Schimmel haben und ließen das Andere da. Siehe, dort in der Ecke steht es.«
Ich blickte hin. Die Farbe des Pferdes stimmte mit dem, was man mir gesagt hatte.
»Ist das Alles, was Du mir sagen wolltest?« fragte ich.
»Nein, es kam kurz nach Mittag noch Einer, der sich nach ihnen erkundigt hat.«
»Bei wem?«
»Bei mir. Darum weiß ich es. Ich stand am Wege, als er kam, und er fragte nach drei Reitern, von denen zwei auf weißen Pferden geritten wären. Ich wußte nichts und wies ihn zum Wächter; dieser aber führte ihn dann zu dem Stareschin.«
»Hielt er sich lange auf?«
»Nein. Er schien es sehr eilig zu haben.«
»Kannst Du ihn beschreiben?«
»Ja. Er ritt einen alten Falben, der bereits sehr schwitzte. Auf dem Kopf hatte er ein rothes Fez, und da er sich in ein langes, graues Binisch gehüllt hatte, konnte ich nur noch seine rothen Kundura sehen.«
»Hatte er einen Bart?«
»Er war außer einem kleinen, hellen Byjik vollständig sakalsyz, wie ich bemerkt habe.«
»Wohin ritt er?«
»Nach Mastanly zu. Aber die Hauptsache hast Du noch gar nicht gehört. Nämlich der Kiaja hat in Ismilan eine Schwester, deren Mann der Bruder der Schut-a ist.«
Das war allerdings so wichtig, daß ich vor Überraschung einen Schritt zurück wich.
Dem Räuberunwesen auf der Balkanhalbinsel hat niemals gesteuert werden können; ja, grad in den gegenwärtigen Tagen berichten die Zeitungen fast ununterbrochen von Aufständen, Überfällen, Mordbrennereien und anderen Ereignissen, welche auf die Haltlosigkeit der dortigen Zustände zurückzuführen sind. Da oben nun, in den Bergen des Schar-Dagh, zwischen Prisrendi und Kakandelen, machte ein Skipetar von sich reden, welcher mit den Unzufriedenen, die er um sich versammelt hatte, bis hinüber zum Kurbecska-Planinagebirge und bis herab in die Thäler des Babuna streifte. Man erzählte sich, daß er sogar in den Schluchten des Perin-Dagh gesehen worden sei und in der Einsamkeit des Despoto-Planina seine Anhänger habe.
Seinen eigentlichen Namen wußte Niemand. El Aßfar, Saryk, Schut, so wurde er genannt, je nach der Sprache, deren man sich bediente. Diese drei Wörter bedeuten >der Gelbe<. Vielleicht hat er diese Färbung infolge einer Gelbsucht erhalten. Schut-a ist das serbische Femininum von Schut und bedeutet natürlich >die Gelbe<.
Also diese Schut-a, die Frau dieses Skipetaren, war eine Verwandte meines Kiaja. Das gab mir natürlich sehr zu denken. Doch konnte es mir nicht einfallen, ihm wissen zu lassen, was ich schloß und folgerte.
»Hast Du noch Etwas zu sagen?« fragte ich den Mann.
»Nein. Bist Du nicht zufrieden?«
»O doch. Aber wie kommt es, daß Du Deinen Vorgesetzten gegen mich verräthst?«
»Effendi, er ist kein guter Mensch. Keiner hat ihn lieb, und Alle leiden unter seiner Ungerechtigkeit.«
»Weiß noch Jemand, daß Du mit mir sprichst?«
»Nein. Ich bitte Dich, es Keinem zu sagen.«
»Ich werde
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