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Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition)

Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition)

Titel: Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl May
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türkisch:
    »Akibetiniz chajir ola Sultanum – möge Ihr Ende gut sein, mein Herr!«
    Er gab mir also jetzt den Plural anstatt den Singular, eine große Höflichkeit; doch als ich durch die Thüre hinaustrat, hörte ich den Kiaja, welcher mir soeben erst gesegnete Jahre gewünscht hatte, leise und ingrimmig murmeln:
    »Ingali ‘min hon.«
    Es bedeutet das so ziemlich dasselbe, was in gebräuchlicherem Arabisch ausgedrückt wird: »ruh lildschehennum – geh’ zum Teufel!« Es war also wohl vorauszusehen, daß meine an ihn gerichtete fromme Ermahnung von keinem großen Nutzen sein würde.
    Ich stieg wieder auf, und wir ritten zum Dorf hinaus, aber nicht in westlicher, sondern in südlicher Richtung. Erst als wir nicht mehr gesehen werden konnten, bogen wir wieder in den Weg ein, welcher uns nach Geren, einem ungefähr anderthalb Stunden entfernten Dorfe, führen mußte.
    Erst jetzt bemerkte ich, daß wir nur noch zwei Khawassen bei uns hatten.
    »Wo ist Dein Untergebener?« fragte ich den Khawaß-Baschi.
    »Er ist zurück nach Edreneh.«
    Das antwortete er so ruhig, als ob es sich um etwas ganz und gar Selbstverständliches handle.
    »Warum?«
    »Er konnte uns nicht länger folgen.«
    »Aber weßhalb denn?«
    »Er hatte den basch dömnessi gölin. Er konnte es nicht länger mehr aushalten.«
    »Wie kommt er denn zu diesem Schwindel?«
    »Weil sein Pferd gelaufen ist,« antwortete er ernsthaft.
    »Du sagtest ja, Ihr könntet so fein reiten!«
    »Ja; aber man muß das Pferd stehen bleiben lassen. Wenn es läuft, so wankt und wackelt und schaukelt es zum Erbarmen. Das vermag doch nur der Magen eines Kassak russialy auszuhalten. Meine Badschirsak sind verschwunden; sie sind weg; sie sind bis hinunter in diejenigen des Pferdes gerutscht; ich fühle sie nicht mehr; ich fühle nur noch den Schalwar, welcher mir da festklebt, wo ich mir meine gute, eigene Haut hinweggeritten habe. Wäre ich derjenige, der den Teufel zu bestrafen hat, so würde ich ihn verurtheilen, mit Euch nach Menlik zu reiten. Er würde ohne Haut und Knochen dort ankommen und lieber im stärksten Feuer der Hölle sitzen, als auf diesem Pferd.«
    Das war eine Klagrede, über welche wir Andern zwar lachen mußten, doch that mir der Mann immerhin leid. Er machte ein gar zu jämmerliches Gesicht. Seine Haut war ihm trotz der kurzen Zeit, während welcher er auf dem Pferde saß, an einigen Stellen abhanden gekommen.
    Seinem Kameraden erging es jedenfalls nicht besser, denn er murmelte in den Bart hinein:
    »Wallahi, öjle dir – bei Allah, es ist so!«
    Mehr als diesen Stoßseufzer ließ er zwar nicht hören, aber seinem Gesicht war es deutlich anzusehen, daß er ganz denselben körperlichen Empfindungen wie sein Vorgesetzter unterworfen war.
    »Wer hat ihm denn die Erlaubniß gegeben, umzukehren?« fragte ich den Letzteren.
    »Ich,« antwortete er, ganz erstaunt, daß ich überhaupt so fragen könne.
    »Ich denke aber, daß ich es bin, den er hätte fragen sollen«
    »Du? Effendi, bist Du Khawaß-Baschi, oder bin ich es?«
    »Natürlich bist Du es; aber Du weißt doch wohl, wessen Befehle Du jetzt zu vollbringen hast!«
    »Die Befehle des Kadi. Dieser aber hat mir nicht befohlen, in den Rücken dieses Pferdes ein solches Loch zu reiten, daß ich schließlich nur noch mit dem Kopf herauszugucken vermag. Ich will singen und lobpreisen wie ein Trub oder Esrafil, wenn ich wieder in Edreneh in meiner Kyschlag liege!«
    Da meinte der kleine Hadschi:
    »Herif , wie kannst Du so unehrerbietig mit meinem Effendi sprechen! Er ist Dein Herr, so lange es ihm beliebt. Wenn er Dir befiehlt, zu reiten, so hast Du zu reiten, und wenn Dir Deine ganze Uniform an die Haut wachsen sollte. Warum hast Du das große Mundwerk gehabt und behauptet, daß Ihr so ausgezeichnet reiten könntet!«
    »Was sagt dieser kleine Mann?« entgegnete der Unteroffizier zornig. »Wie nennt er mich? Einen Kerl nennt er mich? Und doch bin ich ein Onbaschi des Beherrschers aller Gläubigen! Ich werde das nach meiner Rückkehr dem Kadi sagen!«
    Der kleine Hadschi wollte antworten, doch Osco kam ihm zuvor. Er nahm das Pferd des Khawassen beim Zügel und sagte lachend in seiner heimatlichen (serbischen) Sprache:
    »Kommen Sie, wacsche prewaszchodsztwo! Halten Sie sich fest am Sattel an, wiszoko blagorodni goszpodine! Jetzt geht das Wettrennen an!«
    Im nächsten Augenblick sauste er mit dem Khawaß-Baschi im Galopp davon. Zugleich ergriff Omar Ben Sadok dem andern Khawaß in die Zügel und jagte mit

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