Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition)
grad mich angehe, und warum grad ich mich in Gefahr begeben solle; aber ich hatte Grund, zu vermuthen, daß die Schmiede dem Bruder des Rosengärtners gehöre, und da fühlte ich denn doch die Verpflichtung, die Sache näher zu untersuchen.
Wenn ich dabei an Gefahr dachte, so geschah dies wohl mit vollem Recht. Die Thäter konnten sich ja noch im Hause befinden. Vielleicht verhielten sie sich ruhig, weil sie den Hufschlag meines Pferdes gehört und also meine Ankunft bemerkt hatten.
Wie aber an sie kommen? Sollte ich die Ankunft meiner Gefährten erwarten? Was konnte bis dahin im Innern des Hauses geschehen! Nein, ich mußte handeln.
Ich hatte die vierte Seite, die westliche Giebelseite des Hauses, noch nicht untersucht. Ich schlich mich leise hin und bemerkte dort zwei Läden; der eine war von innen befestigt, der andere aber – – ließ sich öffnen.
Ich überlegte.
Wollte ich einsteigen, so konnte ich augenblicklich eine Kugel vor den Kopf erhalten. Doch just der Umstand, daß von den vorhandenen fünf Läden – denn drei befanden sich auf der vordern Seite – nur dieser eine nicht befestigt war, ließ mich vermuthen, Niemand befinde sich im Innern. Um die Entdeckung möglichst hinaus zu schieben, hatte man Alles verschlossen und war dann durch dieses Fenster gestiegen, dessen Laden man also nur hatte fest andrücken, aber nicht von innen befestigen können.
Dennoch befand ich mich in einer mehr als heiklen Lage.
Ich zog den Laden leise so weit auf, daß ich für meinen Arm Platz fand, und langte hinein. Fenster sind in dieser Gegend selten, und darum fand ich auch, was ich erwartet hatte, nur eine fensterähnliche Öffnung, die weder durch Glas, noch durch einen andern Gegenstand versperrt war.
Ich lauschte. Es war mir, als ob sich innen ein dumpfes, unterdrücktes Gepolter vernehmen ließe. Befand sich doch Jemand im Hause? Sollte ich rufen? – Nein.
Ich kehrte zur andern Giebelseite zurück und holte einen Arm voll des Geästes, welches ich dort bemerkt hatte. Ich machte ein dichtes Bündel, setzte es in Brand und warf es durch das Fenster. Mich vorsichtig an die Seite haltend, blickte ich hinein.
Das Gebäude war nicht hoch; die Fensteröffnung lag sehr niedrig; die Reiser brannten hell, und ich erblickte einen großen, viereckigen Raum, dessen Fußboden aus hart geschlagenem Lehm bestand, und rundum diejenigen Gegenstände, welche man in einer armen, rumelischen Wohnung zu finden pflegt. Von einem menschlichen Wesen keine Spur!
Ich warf mehr Reiser auf das Feuer, nahm meinen Fez vom Kopfe, stülpte ihn auf den Büchsenlauf und schob ihn langsam in die Öffnung. Das sah von drinnen jedenfalls so aus, als ob ich hineinsteigen wolle.
Ich wollte damit die etwa drinnen Versteckten verführen, sich zur Wehre zu setzen; aber es regte sich nichts.
Da zog ich die Büchse zurück, lehnte sie mit dem Stutzen, da beide mich nur hindern konnten, an die Mauer, setzte den Fez wieder auf – ein Schwung, und ich hatte den Oberkörper im Innern. Ich war bereit gewesen, ihn schnell wieder zurückzuziehen; aber dieser erste Blick genügte, mir zu zeigen, daß sich kein feindliches Wesen in dem Raume befand.
Nun stieg ich vollends hinein, langte hinaus, um meine Gewehre hereinzunehmen, und blickte mich um.
In diesem Augenblick wiederholte sich das vorhin erwähnte Poltern. Dies war für mich um so beunruhigender, als das Feuer, welches überdies einen scharfen, in die Augen beißenden Qualm verbreitete, erlöschen wollte. Ich freute mich daher, als ich in einer Ecke ein Häufchen langer Späne bemerkte, das hier vielleicht gebräuchliche Beleuchtungsmaterial.
Ich brannte einen Span an und steckte ihn in ein Mauerloch, welches jedenfalls zu diesem Zweck diente, wie ich an der rauchgeschwärzten Umgebung desselben bemerkte. Dann zog ich den Laden zu und band ihn mittels der an ihm befindlichen Schnur fest, um nach außen hin gesichert zu sein.
Mit einem zweiten angezündeten Span begann ich nun den Raum zu untersuchen.
Die Mauern bestanden aus festgestampfter Erde. Sie faßten die Stube auf drei Seiten ein, während die vierte Seite von einem von der Decke bis zum Boden herabreichenden Strohgeflecht gebildet wurde, in welchem sich eine Öffnung zum Passiren befand.
Als ich nun durch diese Öffnung trat, befand ich mich in einer kleineren Abtheilung, deren Boden zum Theil durch eine aus Weidengeflecht verfertigte Fallthüre gebildet wurde. Gab es hier einen Keller? Das war ja in einem solchen Hause etwas
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