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Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition)

Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition)

Titel: Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl May
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nicht nach ihm gesehen?«
    »Nein. Du weißt ja, daß ich noch nicht hinter das Haus gegangen bin.«
    »So thut es mir leid, daß ich Dich betrüben muß!«
    »Betrüben? Ist Etwas mit dem Hunde geschehen?«
    »Ja.«
    »Was? Sage es schnell!«
    »Er ist todt.«
    Der Schmied sprang auf.
    »Todt?« stieß er hervor.
    »Ja.«
    »Er war doch gesund und munter! Haben etwa diese Drei ihn umgebracht?«
    »Sie haben ihm den Schädel eingeschlagen.«
    Er blieb einige Augenblicke lang wort- und bewegungslos; dann kam es zischend zwischen seinen Lippen hervor:
    »Sagst Du die Wahrheit?«
    »Ewwet, jazyk – ja, leider!«
    »Bin kat dschan tschekischmesi ile dschehenneme gitme köpekleri itschin – tausendfache Todesangst und Verdammniß für die Hunde!«
    Mit diesem Ausruf sprang er fort, in die Schmiede, kam mit einem Holzbrand heraus und eilte hinter das Haus, um sich zu überzeugen, daß ich die Wahrheit gesagt habe. Dort hörte ich seine mehr als zornige Stimme erschallen. Ich wollte die zu erwartenden Kraftworte nicht hören; darum blieb ich sitzen, bis er zurückkam. Er befand sich in einem solchen Grimm, daß ich noch mehr als genug jener starken Ausdrücke zu hören bekam, an denen die orientalischen Sprachen nichts weniger als arm sind.
    Während er sich in solchen Interjectionen erging, hielt ich Augen und Ohren nach der Gegend gerichtet, aus der der Erwartete kommen mußte; doch es war nichts zu sehen und nichts zu hören. Entweder hatte ich in Folge der ungemeinen Schnelligkeit meines Pferdes ihm einen zu großen Vorsprung abgewonnen, oder er war durch irgend einen Umstand aufgehalten worden.
    Nach und nach beruhigte sich mein zorniger Schimin wieder. Er wollte nun auch von mir Etwas hören und leitete seine Erkundigung durch die Frage ein:
    »Wirst Du nun Zeit haben, mir Deinen Namen zu sagen, Effendi?«
    »Man nennt mich Kara Ben Nemsi.«
    »So bist Du ein Nemtsche, ein Germanly?«
    »Ja.«
    »Wohl ein Austrialy oder Prussialy?«
    »Nein.«
    »Oder ein Bawarialy?«
    »Auch nicht. Ich bin ein Saxaly.«
    »Ich habe noch niemals einen Saxaly gesehen; aber erst gestern war ein Mann aus der Stadt Triesta in Austria hier, mit dem ich viel gesprochen habe.«
    »Ein Österreicher? Das höre ich mit Überraschung. Was war er denn?«
    »Ein Tüdschar. Er will Tütün, Ipek und Ipeklikumasch einkaufen. Es war ihm ein Mahmuz zerbrochen, den ich ihm repariren mußte.«
    »Sprach er türkisch?«
    »Nur so viel, daß ich verstand, was er von mir wollte.«
    »Und doch sagst Du, daß Du sehr viel mit ihm gesprochen habest?«
    »Wir haben meist durch die Dilfiz ojunu gesprochen.«
    »Hat er Dir gesagt, wie er heißt?«
    »Sein Name ist Madi Arnaud gewesen. Er war ein sehr großer Türkü tschaghyrydschy, denn er hat mir viele Lieder gesungen, welche mein Herz und die Seele meiner Frau erquickten.«
    »Wo kam er her?«
    »Von Tschirmen, wo er große Einkäufe gemacht hat.«
    »Und wo geht er hin?«
    »Zum großen Panajir nach Menlik. Dort gibt es sehr berühmte Waffenschmiede. Er will von ihnen kaufen.«
    »So werde ich ihn vielleicht unterwegs treffen.«
    »Auch Du willst nach Menlik, Effendi?«
    »Ja.«
    »Bist Du vielleicht auch ein Handelsmann?«
    »Nein. Ich reite nach Menlik, weil ich denke, die drei Schurken dort zu treffen, welche Dir heute so Übles thaten.«
    »Was wirst Du thun, wenn Du sie findest?«
    »Ich halte sie fest und übergebe sie der Zabtie, damit sie ihre Strafe finden.«
    »Allah sei Dank! Ich wollte morgen früh Anzeige erstatten.«
    »Das kannst Du thun. Doch ehe Du Erfolg hast, befinden sich die Schurken wohl bereits in meinen Händen. Dann werde ich vor dem Mehkeme auch ihr heutiges Verbrechen mit erwähnen.«
    »Daran thust Du recht, Effendi. Sie dürfen der verdienten Strafe nicht entgehen. Wer aber sind die beiden Andern gewesen, welche bei dem Steuereinnehmer waren?«
    »Das ist eine lange Geschichte, welche ich Dir kurz erzählen will.«
    Ich machte ihn, so weit es nöthig war, mit dem Geschehenen bekannt. Er hörte mir aufmerksam zu und sagte sodann:
    »Hätte ich das gewußt! Ich hätte sie in den Keller gelockt, und von meinem Hunde bewachen lassen, bis Du gekommen wärest?«
    »Haben sie nicht vielleicht einige Worte fallen lassen, aus denen Du entnehmen konntest, welchen Weg sie von hier aus einzuschlagen gedenken?«
    »Kein einziges Wort. Nur als sie mich banden, hörte ich von dem, welchen Du Barud el Amasat nennst, daß sie mich unschädlich machen wollten, damit ich, wenn ihre Verfolger

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