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Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition)

Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition)

Titel: Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl May
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dem Vergangnen reifen.Sind diese Normen dir vielleicht bekannt?
Ward eine dir von ihnen offenbar?
Du kennst ja nicht das ferne, ferne Land,
in dem die Gegenwart einst Zukunft war.
Was kümmert dich das, was verschwunden ist!
Soll sich die Nachwelt nicht um uns bekümmern?
Es hat die Menschheit das, was sie vergißt,
zur Sühne auszugraben unter Trümmern.Und solche Sühne ist auch unsre Pflicht,
die wir vergaßen, was die Vorwelt gab.
Erkennen wir der Menschheit Seele nicht,
so sind wir nichts, als dieser Seele Grab.
Drum wünschest du nach dieses, deiner Zeit
den Kommenden als lebend dich zu zeigen,
so geh zum Ursprung, zur Vergangenheit,
um dann belehrt aus ihr emporzusteigen.Dort liegt der Quell, der unaufhaltsam fließt,
weil jede, jede Stunde vorwärts geht,
und sich als Tugend über den ergießt,
der dieser Stunden ernsten Wink versteht.
Von dort erklang zuerst das große Wort
vom Leben, von gesprengten Todesbanden;
von dort erklingt es heut noch fort und fort,
und wer es achtet, der ist auferstanden.Dort liegt vergraben, was der Tag einst sagt,
der uns das Leben aus dem Leben gibt.
Dort liegt vergraben, was dies Leben fragt,
wenn man nichts als nur dieses Leben liebt.
So gehe hin, und forsche, forsche gern;
such nicht das Wort; such den, der es gesprochen;
dann leuchtet dir die Herrlichkeit des Herrn,
und alle Erdenketten sind zerbrochen.Es wird für dich dann diese Spanne Zeit,
die du so fälschlich in Minuten trennst,
zum untrennbaren Teil der Ewigkeit,
die du als dir gehörig kennen lernst.
Du steigst empor, nicht wie man Stufen steigt;
es gibt für dich nicht Jahre und nicht Stunden,
und wenn sich dann dir keine Zeit mehr zeigt,
so bist du Sieger und hast überwunden.
     

Das Wort
     
    Sprich nie ein liebeloses Wort,
denn es ist nicht ein leerer Schall.
Du sendest es zwar von dir fort,
doch bleibt es bei dir überall.Es geht mit dir, wohin du gehst,
begleitet dich auf Schritt und Tritt,
und ob du es auch nicht verstehst,
es nimmt sogar noch andre mit.So wächst die liebelose Schar,
die nichts als Böses von dir spricht,
und was zuerst ein Wort nur war,
das wird zum Spruch einst im Gericht.
     

Ein inneres Land
     
    Schau dir die Menschen geistig an;
dein leiblich Aug sieht weiter nichts,
als was es eben sehen kann
im Schein des äußerlichen Lichts.
Es wohnt in einem andern Lichte
in ihm ein andres, zweites Sein,
und dieses zu erkennen, richte
den andern Blick in ihn hinein.Es dehnt sich da ein weites Land
oft abgrundstief, oft steil empor.
Es dürstet da der Wüste Sand;
es spritzt der Sumpf, es weint das Moor.
Es rauscht der Wald; es stehn zur Ernte
der Garten und das Feld bereit,
und sonnig hell steigt das entfernte
Gebirge auf zur Ewigkeit.Und dieses Land ist reich belebt
von flüchtgen Wesen ohne Zahl.
Das lacht und weint, das sorgt und strebt,
bald hoch empor, bald tief zu Tal.
Es sind die rührigen Gedanken,
die niemals schweigen, nimmer ruhn,
heut aufrecht gehn und morgen schwanken,
hier Gutes und dort Böses tun.Schau dir die Menschen geistig an,
dann siehst du diese andre Welt,
die ihr Gebiet nicht Jedermann
bequemlich vor die Augen stellt.
Dann tagt wohl auch in deinem Innern
die Welt, die dort vorhanden ist,
um dich zu mahnen, zu erinnern,
wie viel du ihr noch schuldig bist.
     

Dein eigener Richterspruch
     
    Hast du geliebt? Weißt du wohl, was das heißt?
Denk nach. denk nach, wenn du es noch nicht weißt.
Die Frage wird dir jeden Tag gegeben;
die Antwort hast du jeden Tag zu leben.Hast du geliebt? Es wird ein Ja verlangt,
Weil Jeder so wie du, nach Liebe bangt.
Was du ihm gibst, sein Engel trägt’s nach oben,
und dort. dort wird es für dich aufgehoben.Hast du geliebt? So wirst du einst gefragt,
Wenn das Gericht des Allerforschers tagt.
Das Urteil hast du dir dann selbst zu geben;
es liegt schon da: Es ist dein Erdenleben!
     

Trost
     
    Siehst du ein Menschenkind in Tränen,
verhaltnes Schluchzen in der Brust,
so wolle ja nicht, ja nicht wähnen,
daß du mit Worten trösten mußt.Vermeide es, ihn zu beraten;
geh weiter, aber sende dann
die Liebe, die in stillen Taten
ihm heimlich, heimlich helfen kann.Berührt ein kalter Schall die Wunde,
so schmerzt er nur und heilt sie nicht;
der Trost wohnt nicht im leeren Munde,
er ist des Herzens tiefste Pflicht.Vor einem Wort am rechten Orte
kehrt wohl der Harm beruhigt um,
doch wahrer Schmerz hat keine Worte,
und auch der wahre Trost ist stumm.
     

Überflüssig
     
    Nehmt mir den Stein von meinem Grabe;
für mich gibt’s keinen

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