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Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition)

Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition)

Titel: Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl May
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Leichenstein!
Ich, der ich nun verklärt mich habe,
will doch für euch kein Toter sein!Warum das Weinen und das Klagen,
wozu der Gram, das Herzeleid?
Was ihr von mir hinausgetragen,
war nur das abgelegte Kleid.Ich bin im Geist bei euch geblieben,
für den es keine Trennung gibt,
und werde euch auch ferner lieben,
so, wie ich euch bisher geliebt.Zwar könnt ihr mich jetzt nicht mehr sehen,
obgleich ihr mir noch sichtbar seid,
doch ist ja weiter nichts geschehen,
als: ich bekam ein andres Kleid.Und dieses Kleid; ich soll es tragen
zu meinem Heil, zu meinem Glück.
Das alte – tröstend will ich’s sagen –
ich wünsche es mir nicht zurück.Doch, wenn ihr weint, dürft ihr nicht wähnen,
ich könne mich euch selig nahn;
es tut mir jede eurer Tränen
noch weher, als sie euch getan.Laßt sie fortan nicht weiter fließen,
so lieb ihr es auch mit mir meint;
sie auf den Hügel auszugießen,
dazu sind sie doch nicht geweint.Drum, nehmt den Stein von meinem Grabe,
da ihr nun wißt, ich lebe noch!
Wenn ich euch auch verlassen habe,
so bleibt euch meine Seele doch.
     

Weltweisheit
     
    Es klingt ein Lied vom Himmel nieder
so wunderlieb, so klar, so rein,
und deine Seele singt’s ihm wieder;
sie will dem Himmel dankbar sein.
Die Andern lauschen rings im Kreise;
dann siehst du, daß sie lächelnd weitergehn.
Sie sind zu klug, sie sind zu weise,
um das, was dich beseligt, zu verstehn.Es kommt ein Strahl vom Himmel nieder;
er leuchtet in dein Herz hinein,
und dieses strahlt ihn Andern wieder;
es will dem Himmel dankbar sein.
Doch diese Andern stehn im Kreise
und lächeln über dich, das große Kind.
Sie sind zu klug, sie sind zu weise
und drum für das, was dich beseligt, blind.Und käm der Himmel selbst hernieder,
um dankbar dann auch dir zu sein,
und füllte alle deine Lieder
mit seinem ganzen Sonnenschein,
die Andern ständen rings im Kreise
und fiel das Lächeln ihnen wohl nun schwer,
sie blieben doch so klug, so weise
für das, was dich beseligt, wie vorher.
     

Die Menschheitsseele
     
    Ich war bei dir, in einem andern Leben,
und doch, ein andres Leben war es nicht.
Ich sah dich wie in Lichtes Fluten schweben,
und doch und doch gebrach es mir an Licht.
Ich war bei dir, ich weißnicht, ob am Tage,
ob auch vielleicht in sternenarmer Nacht,
und finde keine Antwort auf die Frage,
welch Intervall mich dir emporgebracht.Es schien mir wie in unbekannter Ferne,
und doch war diese Ferne mir bekannt;
du strahltest wie auf einem andern Sterne,
und doch war dieser Stern mein Vaterland.
Wir trafen uns so weltenabgelegen,
ich weiß es nicht, in welchem Geisterreich;
du kamst wie eine Fremde mir entgegen,
und doch und doch erkannte ich dich gleich.Ich hatte dich so oft, so gern gesehen,
als pilgernd ich zum Morgenlande kam;
ich sah dich leiden, und so ist’s geschehen,
daß ich dein Bild im Herzen mit mir nahm.
Du gingst von dort nach allen, allen Landen.
Doch, wo du grüßtest, dankte man dir kaum.
So bliebst du unbeachtet, unverstanden,
ein armes Weib der Menschheit Jugendtraum.Nun war ich bei dir, jetzt, emporgetragen
von meiner Liebe, die dir treu verblieb,
denn wie sie dich geliebt in jenen Tagen,
so hat dich meine Seele jetzt noch lieb.
Und wie mein Herz dein Weh mit dir gelitten,
der Menschheit großes, selbstverschuldet Leid,
so hab ich mutig stets für dich gestritten
und bin für dich auch ferner kampfbereit.Mir ist ja die Erkenntnis aufgegangen,
die leider nicht ein Jeder in sich trägt,
daß der Verwandtschaft Bande uns umfangen
und daß mein Puls grad wie der deine schlägt.
Ich weiß es, daß ich mit dir steh und falle;
daß deine Zukunft auch die meine ist
und daß als leiser Ton ich mit erschalle
in dem Akkorde; dessen Klang du bist.Als dieser Ton bin ich emporgeklungen
auch heut zu dir und klinge fort und fort;
als dieser Ton hab ich auch mitgesungen
dein Klagelied, dein holdes Friedenswort.
Ich weiß es wohl, es wird umsonst erklingen,
so viel der Mensch vom Völkerfrieden spricht;
ihn kann ja nur die wahre Liebe bringen,
und diese, diese kennt der Mensch noch nicht.Ich dachte dein und durfte zu dir steigen;
es war so licht, so hell, so klar bei dir,
und dennoch konntest du dich mir nicht zeigen,
denn dunkel, menschendunkel war’s bei mir.
Du gingst vorüber, und in frommer Feier
verklang in mir der Wehmut heilger Ton;
es legte sich um mich der Hoffnung Schleier – –
du warst verschwunden; warst der Welt entflohn.
     

Oberflächlichkeit
     
    Denk nicht, das Leben sei ein Spiel!
Es meint’s gar ernst, ja, mehr

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