Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition)
als ernst.
Erforsche seinen Zweck, sein Ziel,
damit du es begreifen lernst!
Du gehst behaglich hier spazieren,
machst dir’s soviel wie möglich leicht
und glaubst was wunder zu verlieren,
wenn sich ein Tag nicht folgsam zeigt.
Und brauchst du irgend welche Sorgen,
so muß die Erde sie dir borgen.Du gehst auf einem weiten Moor,
das du wohl fest und sicher nennst,
nur weil du seinen Blumenflor
nicht als zum Sumpf gehörig kennst.
Du sollst hinüber, sollst dich retten
und bist verloren, bleibst du stehn;
wirst du gehalten von den Kletten,
so sinkst du ein, mußt untergehn.
Und zieht dich das Verderben nieder,
so gibt es dich dann niemals wieder.Denk nicht, das Leben sei ein Spiel;
es ist die Rettung vor dem Tod,
der Schritt um Schritt, bis an das Ziel
stets unter deinen Füßen droht.
Du gehst darüber, täglich, stündlich
und siehst es nicht, wie tief es ist;
es ist ja grad so unergründlich,
weil du so oberflächlich bist.
O, denke tiefer dich ins Leben,
dann kann’s für dich noch Rettung geben!
1901
Schließ auf das Tor; laß seine Flügel springen;
zünd deine Leuchte an in allen Landen!
Mir ist, als hörte ich den Ruf erklingen,
es sei der Tod zum Leben auferstanden.
Breit deine Fluren aus und deine Pfade;
laß deine Wasser klar und freundlich fließen,
und von dem Himmel möge sich die Gnade
auf Alles, was die Erde trägt, ergießen.
Schließ auf das Tor; es tritt die Menschheit ein;
o, laß ihr diesen Schritt gesegnet sein!Schließ auf den Schrein, vor dem wir betend knien,
dem wir die Liebe, die Verehrung zollen,
die wir auf seinen Inhalt doch beziehen
und nicht dem Menschenwerke widmen sollen!
Laß uns erkennen, was wir nicht erkannten,
weit uns der Geist die Seele stets verhehlte;
laß uns verstehen, was wir nicht verstanden,
weil uns die wahre Liebe nicht beseelte.
Schließ auf den Schrein, und zeig, was er enthält,
daß mit dem Schleier auch der Irrtum fällt!Schließ auf die Herzen; nirgends stehn sie offen,
denn jedes will nur für sich selbst empfinden,
und doch ist es ihr eignes, schönstes Hoffen,
daß sie in Liebe sich zusammenfinden!
Laß diese Liebe endlich doch erwachen
und aus dem Ich heraus ins Leben steigen,
die Menschen zur gesamten Menschheit machen
und sich als Seele dieses Leibes zeigen.
Schließ auf die Herzen; lehre sie verstehn,
daß alle Pulse nur als einer gehn!Schließ auf das Paradies; gib es uns wieder!
Wir wollen heim; wir wollen Frieden halten.
Der Vater ist das Haupt; wir sind die Glieder;
nur seine Güte soll im Hause walten.
Sei du die Zeit, die uns um ihn versammelt,
zeig uns der Worte köstlichstes auf Erden,
das unsre Bitte um Versöhnung stammelt,
dann wirst du eine Zeit des Edens werden.
Schließ auf das Paradies, das Gottesland,
und sei uns zur Erleuchtung zugesandt!
Zum Schluß
Ade, ade, ihr wohlgemeinten Worte,
gesprochen für der Menschheit Heil und Glück.
Es bleibt euch offen die vertraute Pforte,
o kehret gern, kehrt als Gebet zurück!
Ihr tönet nicht von unbekanntem Orte;
ihr seid nicht leerer, wesenloser Schall.
Im großen, frommverstandnen Weltakkorde
ist heilges Leben jedes Intervall.
Geht hin, geht hin! Es wird euch stets begleiten
der Glaubensmut, der laut zu sprechen wagt,
um Liebe, nichts als Liebe zu verbreiten,
wo man euch freundlich ein Willkommen sagt.
Es wechseln in der Sterblichkeit die Zeiten,
der Glaube aber bleibt unwandelbar
und wird einst siegreich über Alles schreiten,
was ihn verhöhnte, weil es sterblich war.
Doch sollt ihr nicht das Schwert des Glaubens schwingen,
nein, nur des Glaubens Schild ist euch erlaubt.
Ihr habt als Friedensworte zu erklingen,
weil nur der Friede an den Frieden glaubt.
Es hat der Mensch sich selbst erst zu bezwingen
und darum immer kampfbereit zu sein.
Doch will er dann die Feinde niederringen,
so kann er das durch Liebe nur allein!
Der Löwe Sachsens
1849
Horch! Klingt das nicht wie ferner Schwerterklang?Die Marsch bebt unter dampfenden Schwadronen.Es jagt der Tod den weiten Plan entlangUnd erntet unter brüllenden Kanonen.
Im Norden ist ein deutsches Volk erwachtUnd läßt der Freiheit heil’ge Flamme steigen,Um dem Bedrücker im Gewühl der SchlachtDen deutschen Muth, die deutsche Kraft zu zeigen.
Nun gilts ein Ringen um den höchsten Preis,Ein heißes Wogen und ein heißes Wagen;Nun schwitzt gar manch ein Herz purpurnen SchweißUnd schlägt nur, um zum letzten Mal zu schlagen.
Doch, mitten unter Leichen blüht der Sieg;Nicht darf der Lorbeer Thränen uns
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