Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition)
Letzteren in Ausführung der zahlreichen Dampfmaschinen, welche aus der Fabrik von Soho hervorgingen.
Die erste größere Dampfmaschine von 50 Zoll Kolbendurchmesser wurde schon 1776 von der neuen Firma Watt und Boulton für ein großes Wasserpumpwerk in Staffordshire geliefert, 1778 eine ähnliche von 58 Zoll Durchmesser nach Ketley in Shropshire. 1782 folgte die erste Dampfmaschine für die Manchester Baumwollenspinnerei und nach nur wenigen Jahren waren alle Londoner Bierbrauereien mit Watt’schen Dampfmaschinen versehen.
Watt’s erste Maschinen waren hauptsächlich zum Heben des Wassers in den Bergwerken bestimmt, weßhalb der Pumpenkolben unmittelbar an der Balanciere gehängt wurde. Die sich hierbei ergebenden Unregelmäßigkeiten wurden dadurch gehoben, daß er die gradlinige Bewegung des Kolbens in eine kreisförmige verwandelte und durch Anwendung der Drosselklappe die Dampfmenge regulirte. Ebenso erfand er die doppelt wirkende Dampfmaschine, bei welcher der Kolben nicht nur nieder-, sondern auch in die Höhe getrieben wird, und bekannt ist ja das Watt’sche Parallelogramm, jene sinnreiche Construktion, welche dazu dient, die gradlinige Bewegung des Kolbens zu bewerkstelligen.
Obgleich er in späteren Jahren das von ihm gegründete Geschäft seinem Sohne überließ, gab er doch seine Studien nicht auf, und seine Zeitgenossen verdanken ihm noch vielfache wissenschaftliche Arbeiten, Entdeckungen (Briefcopierpresse) und physikalische Versuche, z.B. über die Dichte, Spannkraft und latente Wärme des Dampfes, über Dampfheizung, chemische Zusammensetzung des Wassers, Bleichen mit Chlor etc., so daß ihn viele gelehrte Gesellschaften zum Mitgliede wählten.
Noch in seinen letzten Lebensjahren hatte er die Freude, große Dampfschiffe, mit seinen Maschinen ausgerüstet, nach allen Weltheilen fahren zu sehen und schloß auf seinem reizenden Landsitze Heathfield bei Birmingham am 25. August
1819 in
einem Alter von 84 Jahren seine für die Mit- und Nachwelt unberechenbar wohlthätige Wirksamkeit.
Voll dankbarer Anerkennung errichtete man ihm in der »Ruhmeshalle Englands,« der Westmünsterabtei, eine von Chantrey gearbeitete Bildsäule, deren von Lord Brougham verfaßte Inschrift also lautet:
»Nicht um einen Namen zu verewigen, welcher fortdauern muß, so lange die friedlichen Künste blühen, sondern um zu zeigen, daß die Menschenkinder gelernt haben, Diejenigen zu ehren, welche deren Dankbarkeit im höchsten Grade verdienen. Der König, seine Minister und viele der Edlen und vom Hause der Gemeinen des Reiches errichteten dieses Denkmal
James Watt,
welcher die Kraft eines schöpferischen, in wissenschaftlicher Forschung früh geübten Geistes wandte auf die Verbesserung der Dampfmaschine, dadurch die Hilfsquellen seines Landes erweiterte, die Kraft des Menschen vermehrte und sich zu einem hervorragenden Platz erhob unter den berühmtesten Männern der Wissenschaft und der wahren Wohlthäter der Welt.«
Robert Fulton
Zu Anfang dieses Jahrhunderts standen sich eines Tages zwei Männer in den Tuillerien gegenüber, von denen der Eine in höchst reservirter Haltung einer beredten Demonstration des Anderen zuhörte, und am Schlusse derselben mit mitleidigem Achselzucken erwiderte:
» Au Vicêtre! «
Der Vicetre, jetzt Staatsgefängniß, diente damals als Irrenhaus, und die beiden Männer waren Napoleon Bounoparte und der Amerikaner Robert Fulton, welcher Ersteren für sein Projekt, Schiffe mit Hilfe des Dampfes zu bewegen, gewinnen wollte. » Au Vicêtre, geh’ in’s Irrenhaus!« war also die Antwort. Aber als kaum ein Jahrzehnt später der gefangene corsische Löwe an Bord des Northumberland nach St. Helena transportirt wurde, soll er sich jenes Gespräches erinnert und schmerzlich ausgerufen haben:
»Als ich Fulton aus den Tuillerien wieß, habe ich meine Kaiserkrone weggeworfen!«
Robert Fulton war nach Einigen 1768, nach Anderen 1769 zu Little-Britain, Grafschaft Lancaster in Pennsylvanien geboren und sollte Goldschmied werden. Da er in der Lehrzeit ein bedeutendes Talent zum Zeichnen entwickelte, so fand er einige wohlhabende Gönner, mit deren Hilfe er nach London zu seinem Landsmanne, dem berühmten Maler Benjamin West kam, um in dessen Atelier sich in der Kunst desselben auszubilden.
Nach einiger Zeit indeß sah er ein, daß er auf diesem Felde nie etwas Großes werde leisten können und trat deßhalb in eine geschäftliche Verbindung mit dem Mechaniker Ramsey, dem
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