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Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition)

Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition)

Titel: Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl May
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sich, und eins der wichtigsten dieser Gesetze heißt: »Aus dem Kleinen wächst das Große, aus dem Unscheinbaren das Herrliche,« und nur so, nur deßhalb ist es möglich, einen Herrscher zu finden, welcher zugleich Proletarier ist, weil er den Eigenschaften, die ihn zur Herrschaft berechtigten und sein Reich begründeten, treu geblieben ist seit Jahrtausenden.
    Weit, weit zurück muß man gehen in der Geschichte, um die ersten, unscheinbaren Spuren seines Daseins zu entdecken, und tief, tief hinab muß man graben, um den Ort zu finden, an welchem ihn die Faust des Allmächtigen in Zauber schlug. Aber ist diese Zeit, ist dieser Ort gefunden, so beginnt er sich zu recken und zu strecken, wirft die ehernen Bande von sich, steigt, immer größer, immer mächtiger werdend, herein in die Gegenwart, herauf an das Licht der Sonne, und greift, Alles umgestaltend, mitten hinein in das volle, rauschende Leben und in die nie ruhende Arbeit der Menschenkinder. Eisen ist sein Name; eisern der Wille, der ihn aus seinem Banne löst, eisern die Hand, welche ihn zur Oberfläche der Erde führt, eisern die Macht, die ihm sein Reich erobert, eisern der Stuhl, auf welchem er thront, eisern die Krone, die ihn schmückt, eisern das Scepter, welches er führt und eisern Alles, was er thut und schafft, was er spendet und bescheert.
    König Eisen ist es, welcher die Kulturstufe einer Nation bestimmt; König Eisen ist’s, welcher die Bedürfnisse von Millionen befriedigt; König Eisen ist’s, welcher die kühnsten wissenschaftlichen Probleme begünstigt und die größesten technischen Schwierigkeiten überwindet, während Eisen, der Proletarier, als Diener und Sclave des Menschen, denselben von den härtesten Arbeiten befreit, seinem Geiste immer neue Flügel verleiht, seine Lasten über Länderstrecken und Meere befördert, seine Worte in unbegrenzte Entfernungen trägt und in jeder Lage des großen und kleinen Lebens sich als nothwendig und unentbehrlich beweist.
    Und wie das Volk der Germanen die herrlichste der weltgeschichtlichen Aufgaben überkommen hat, nämlich Träger der Bildung und Gesittung zu sein, wie die bedeutendsten Phänomene des geistigen Wachsthums unseres Geschlechts sich an deutsche Namen knüpfen, so sind es auch die germanischen Völker gewesen, welche, während der Orient Meister in der Verarbeitung der edlen Metalle war, der Industrie ihren Herrscher gaben und dem Eisen seine bevorzugte Stellung anwiesen.
    Namentlich ist die westphälische Erde eine uralte und berühmte Stätte der Verarbeitung des Eisens. Schon bei den hier wohnenden kriegerischen Sigambrern waren die Heldensagen von Siegfried dem Drachentödter und von Meister Wieland dem Schwerterschmiede im Schwange, und schon unter Karl dem Großen, der in Italien der »Eiserne« genannt wurde, bestand ein Verbot der Waffenausfuhr aus Deutschland. Aber später, im Mittelalter, wurden diese Waffen überall begehrt, und noch heute sind die Solinger Klingen überall zu finden, wo ein scharfes, schneidiges Schwert gegen den Feind geschwungen wird.
    Wenn auch die riesige Industrie Englands heut zu Tage das Auge blendet, so steht doch unumstößlich fest, daß Deutschland längst schon eine blühende Industrie besaß, als von einer englischen noch gar keine Rede war, und der Grundstein zu dem gewaltigen Baue der Eisenarbeit ist von Deutschland gelegt worden.
    Bis in das 16. Jahrhundert hinein war die Darstellung des Eisens eine höchst unvollkommene. Die mit Kohlen gemengten Erze wurden anfangs bei natürlichem Luftzuge in einfachen Gruben und später bei Anwendung von Blasevorrichtungen in offenen Heerden (Zerrennheerden) geschmolzen. Man hatte zwar bereits niedrige, ungefähr fünf Fuß hohe Oefen, aber das Resultat war ganz dasselbe. In beiden Fällen erhielt man sofort Stabeisen, welches mit dem Hammer verarbeitet, gereckt wurde.
    Ein besseres Produkt erhielt man erst, als man die Oefen erhöhte. Bei der dadurch erzielten höheren Temperatur nämlich schmolz das Eisen, und statt des Stab- und Schmiedeeisens bekam man nun das Gußeisen, welches sich nicht unter dem Hammer verarbeiten läßt, sondern erst durch das Frischen oder Puddeln dazu geschickt gemacht werden muß. Dadurch gelangte man zu einem ununterbrochenen Betriebe, welcher die Hauptgrundlage zur Massenproduction und billigen Erzeugung bildete.
    Hierdurch erlangte Deutschland ein solches Uebergewicht in der Eisenindustrie, daß die übrigen Völker bei ihm in die Lehre gingen und sogar Schweden,

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