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Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition)

Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition)

Titel: Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Theodor Fontane
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Vertrauter nämlich, ein Franzose niederen Standes, dessen Erhebung zum »Chevalier« sie durchzusetzen gewußt hatte, machte Unterschleife, floh und wurde verfolgt. Man wurde seiner habhaft, bracht ihn vor die Gerichte, und eine strenge Strafe war bereits verhängt, als ein Fußfall der Prinzessin, deren alte Neigung wieder wach geworden war, intervenierte. Die Strafe wurde nun niedergeschlagen, und der »Chevalier«, als wäre nichts vorgefallen, zog wieder in allen Ehren in Friedrichsfelde ein. Aber eine Sühne blieb doch zu leisten: die Prinzessin mußte versprechen, von nun ab, statt mit sechsen, nur noch mit vieren zu fahren. Das geschah denn auch, und alle Teile hatten ihren Frieden.
    Das Leben in Friedrichsfelde war um diese Zeit das heiterste. Eine ernstere Pflege der Kunst fiel niemandem ein, aber man divertierte sich sooft und soviel wie möglich. Es gab Schau- und Schäferspiele, teils in geschlossenen Räumen, teils im Freien. Das »Theater im Grünen«, ähnlich dem Rheinsberger, ist noch deutlich zu erkennen, trotzdem das Strauchwerk jener Jahre mittlerweile zu stattlichen Weißbuchen aufgewachsen ist. Das Ganze eine wieder frei gewordene, aus Zwang und Fesseln erlöste Natur!
    Die Dorfbevölkerung nahm teils zuschauend, teils aktiv an diesen Szenen teil, was auf den ersten Blick viel Anheimelndes und Bestechendes hatte. Sehr bald indessen stellte sich’s heraus, daß Arbeitslust und Sitte zurückgingen und daß dem Dorfe kein Segen daraus erwuchs, als Landschaft und Staffage für das Vergnügen vornehmer Leute gedient zu haben.
    Harmloser war der alljährlich wiederkehrende » Erntekranz «. Dann wurd ein Jahrmarkt abgehalten, unter den Bäumen des Parks gegessen und getanzt, und an den Buden, natürlich ohne Einsatz, gewürfelt und gewonnen.
    Ein kleines, sehr hübsches Mädchen aus dem Dorfe war das Patchen und der Liebling der Prinzessin, die Puppe, mit der sie spielte. War die Prinzessin bei Tafel allein, so wurd an einem kleinen Tische daneben für das Kind gedeckt, und kam Besuch, so war »Patchen« – wie der Kakadu oder der Bologneser – der immer beachtete Gegenstand, an den sich alle Zärtlichkeiten der Gäste richteten.
    Die Prinzessin galt für sehr reich; es hieß, daß sie täglich 1500 Taler verausgabe. War dem wirklich so, so war es Barjatinskijsches Vermögen. Außer Friedrichsfelde besaß sie, in Berlin selbst, ein Haus am Pariser Platz, das jetzige französische Gesandtschaftshotel.
    Sie starb, wie schon eingangs hervorgehoben, im Winter 1811 auf 12, und ihre Leiche sollte nach Rußland, entweder auf die Barjatinskijschen oder die Holstein-Beckschen Güter geschafft werden. Die Friedrichsfelder waren zum Transport um so lieber bereit, als ihnen für die Fahrt bis Memel (dort wartete russisches Fuhrwerk) 400 Taler geboten wurden. Es zerschlug sich aber wieder und kam statt dessen zu einem Pakt mit jener moskau-astrachanischen Karawane , die damals alljährlich, in den ersten Wintermonaten, Kaviar nach Berlin zu bringen pflegte. Dies waren in der Regel fünfzig Schlitten, jeder mit einem Pferd und am Hals jedes Pferdes ein Glöckchen. Auf den vordersten dieser Schlitten wurde, bei der Rückfahrt, der Sarg gestellt, und die lange Karawane hinter sich, ging es nun im Schritt bis an die russische Grenze – die Winterstille nur durch den Ton der Glöckchen unterbrochen.
    Friedrichsfelde von 1812 bis 1816
     
    König Friedrich August von Sachsen
    Nach dem Tode der Prinzessin von Holstein-Beck wurde Friedrichsfelde durch einen Bevollmächtigten der Barjatinskijschen Familie verwaltet. In diese Administrationszeit fällt der Aufenthalt beziehungsweise die Staatsgefangenschaft des Königs von Sachsen an dieser Stelle.
    Wir finden darüber folgendes:
    Der König von Sachsen, nach der Einnahme Leipzigs durch die Verbündeten, war deren Gefangener. Am 23. Oktober 1813 erfolgte seine Abreise nach Berlin; am 26., morgens vier Uhr, traf er in der preußischen Hauptstadt ein und wurde daselbst mit »vielen Ehren« (so sagt das Tagebuch eines sächsischen Kavaliers) empfangen. Von Leipzig aus hatten 100 Kosaken mit drei Offizieren den Wagen des Königs umgeben. Außerdem begleiteten ihn Fürst Galizin und Baron Anstetten.
    Der König bezog Wohnung im Berliner Schloß und verblieb daselbst bis zum Sommer 1814. Um diese Zeit aber wurd ihm die preußische Hauptstadt unbequem, denn das »Berliner Volk« zeigte sich wenig respektvoll; die Tage von Großbeeren und Dennewitz stimmten es zum

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