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Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition)

Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition)

Titel: Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Theodor Fontane
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nur nicht, trotz all seiner Versprechungen, diese Sache sich doch noch zum Unheil wendet! Man müßte Julie durchaus vom Hofe entfernen.«
     
    1786
    Das Jahr 86 war das entscheidende. Hier sind auch die Tagebuchaufzeichnungen am zahlreichsten. Es werden wiederholentlich von seiten des Prinzen Rückzugsversprechungen gemacht, aber nur, um sie gleich darauf durch die Tat zu widerlegen.
    » März 86. Der Prinz tut mir leid; aber trotz seiner Leidenschaft für Julie macht er sich doch von der Liaison mit seiner sogenannten Freundin (der Rietz, späteren Lichtenau) nicht los. – Der Prinz ist unglaublich zerstreut; seine Neigung nimmt seine Gedanken ganz gefangen. – Der Prinz kam zum Diner nach Schönhausen und schien nichts zu sehen als Julie. – Ich habe das Gefühl, als finge die Sache da wieder an, wo sie mit Mühe zum Abschluß gekommen war.
    April 86. Der Prinz kam zu Tische, nachher machte er es möglich, mit ihr zu sprechen. Nach einigen Worten verlor sie die Fassung und brach in Tränen aus. Ich verstehe das alles nicht mehr. – Der Prinz weiß sich nicht recht zu beherrschen, er ist eifersüchtig und aufgeregt, sobald Julie einmal nicht da ist oder sich ihr jemand nähert. – Ich habe den Prinzen an das erinnert, was er seit einiger Zeit zu vergessen scheint, und er versprach es von neuem. Er ist doch sehr gut! Gott gebe, daß es so bleibt, wenn er erst König ist.
    Mai 86. Der arme Prinz, er ist schrecklich unglücklich. Heute kam er wieder, und als er Julie sah, schien er so glücklich! – Der Prinz kommt ewig zur Königin; was soll man tun? Es wird immer schlimmer mit ihm, und Julie dauert mich furchtbar. – Mir scheint seine Leidenschaft täglich zu steigen. Er kommt jetzt oft für den ganzen Tag nach Schönhausen und hat nur das einzige im Kopf.«
    Die Oberhofmeisterin, davon ausgehend, daß eine Trennung vielleicht helfen werde, setzte nunmehr einen dreimonatlichen Urlaub für ihre Nichte durch, und diese verließ Berlin. Aber es führte zu nichts. Der Prinz und Julie korrespondierten, und als der Urlaub abgelaufen und Julie wieder zurück war, schrieb die Oberhofmeisterin in ihr Tagebuch: »Es ist alles beim alten.«
    Diese Notiz ist vom 15. August 1786. Zwei Tage später starb Friedrich, und der Prinz von Preußen war nun König . Huldigungen, Feste, Geschäfte dringen auf ihn ein, aber seine Gefühle für Julie von Voß bleiben dieselben. Schon eine Woche nach dem Regierungsantritt verkehrt er wieder in Schönhausen und setzt seine Bewerbungen fort.
    »August 86. Der König kommt, sooft er kann, zur Königinwitwe nach Schönhausen und geht dann mit Julie im Garten spazieren. Sie ist still und zurückhaltend, was mich freut und in etwas beruhigt. – Die Prinzessinnen tun dem König einen sehr unerlaubten Gefallen, indem sie ihn immer mit Julie zusammenbringen. Sie schicken die Königin voraus und beschäftigen sie, nur damit er mit meiner Nichte gehen und mit ihr sprechen kann. Das ist ein schlechtes Spiel. Der König hat der Prinzessin Friederike eine Zulage und ihr außerdem noch die kleine Viereck zur Hofdame gegeben, einzig und allein um Julien eine Freude zu machen, deren Freundin sie ist.
    Oktober 86. Der König kam und wollte mit mir sprechen, aber er ist so ganz voll von dem einzigen Gedanken, daß er nichts weiter hört und sieht. Ich gestehe, daß ich jetzt alle Geduld mit ihm verliere und diesen Zustand unerlaubt und unverzeihlich finde. – Die Königin will gern in die Stadt zurück; der König will aber, sie soll noch in Schönhausen bleiben, bloß wegen seiner geliebten Spaziergänge mit Julie. Ich bin ganz ratlos und unglücklich über dies immer erneute Anknüpfen einer ganz unmöglichen Sache!
    November 86. Alles bemächtigt sich dieser unglücklichen Angelegenheit; so möchte man, um nur eins zu nennen, Julie zum Schein verheiraten. Es ist schrecklich, wie alles bemüht ist, sie zu ihrem Verderben zu drängen. Sie tut mir furchtbar leid. – Ich seh es jetzt deutlich, sie liebt den König trotz all ihres Leugnens; sie kann nicht mehr von ihm lassen und ist, was auch geschehen mag, nicht mehr von ihm loszureißen. Es grämt mich schrecklich. – Heute kam er en surprise zum Essen. Er verfolgt seinen Zweck ohne Rast und Ruh. – Ich fürchte den Einfluß dieser ewigen Gespräche des Königs mit ihr, er will und will sie bestricken, und immer setzt er sich an ihren Tisch. Das mißfällt mir ganz unbeschreiblich von ihm. – Meine arme Nichte hat mir ihr Herz ausgeschüttet; ach,

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