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Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition)

Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition)

Titel: Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Theodor Fontane
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eine Schleppe tragen und einen Handschuh mit einigem Chic aus- und anziehen kann. Und sieh, das gerade lernen wir aus dem Grunde. So vieles im Leben ist ohnehin nur Komödienspiel, und wer dies Spiel mit all seinen großen und kleinen Künsten schon von Metier wegen kennt, der hat einen Pas vor den anderen voraus und überträgt es leicht von der Bühne her ins Leben.«
    »Ich will es gelten lassen, Fränzl. Aber dann bleibt immer noch alt und jung.«
    »Hältst du das für so schlimm?«
    »Nein. Oder wenigstens nicht immer. Ich könnt’ es. Aber man muß seiner sicher sein.«
    »Ich glaube, meiner sicher zu sein. Und über diesen Punkt, über den ich jetzt so viel hören muß, auch von dir, muß ich dir mal ein ernstes Wort sagen. Aber du mußt auch aufmerksam sein. Denn ich weiß wohl, wenn dir etwas nicht paßt, so hast du Wachs in den Ohren und antwortest, ohne gehört zu haben.«
    »Sprich nur; ich höre schon.«
    »Ob ich meiner sicher sei! Ja, liebe Hannah, wer ist schließlich seiner sicher, ganz sicher? Aber sicher oder nicht, du darfst mir nicht immer mit Betrachtungen und einer Angst und Sorge kommen, als ob ich sechzehn wäre, mit anderen Worten also, du darfst nicht sprechen, gerade du nicht, als ob ich, wenn nicht direkt in Passionen steckte, so sie doch jeden Tag zu gegenwärtigen hätte. Du mußt schließlich am besten wissen, wie’s steht. Oder müßtest es wenigstens wissen. Ein für allemal also, ich habe keine großen Passionen, ganz gewiß nicht, und wenn ich sie vor Jahr und Tag vielleicht hatte – vielleicht, sag’ ich, denn ich habe nicht Lust und Mut, jedes Bagatellgefühl für eine große Passion auszugeben –, so liegen sie hinter mir.«
    »Du mußt dich nicht so hineinreden, Franziska; das zeigt nur, daß ich doch vielleicht recht habe. Wenn aber auch nicht, denn wer sieht ins Herz, so hab’ ich doch in dem einen recht, um das sich’s hier überhaupt nur handelt. Es ist etwas mit dem jung und alt, und dabei bleibt es. Und nun gar in der Ehe.«
    »Gewiß ist es was damit. Aber aus einem ganz andern Grunde, wie du glaubst.«
    »Und der wäre?«
    »Weil die Jahre, wenn sie doppelt und dreifach auftreten, auch das Maß der Unfreiheit verdoppeln und verdreifachen, jener Unfreiheit, in die man sich ohnehin in jeder Ehe begibt. Und da liegt es. Nur da. Früher, als ich noch in meines Vaters Hause war, hab’ ich viele Traureden mit angehört, und immer war es dasselbe Thema: ›Begrabt euer eigen Ich.‹ Immer Unterordnung, immer Opfer um des anderen willen. Davor, meine liebe Hannah, erschreck’ ich. Zu dem Grafen konnt’ ich in diesem Sinn nicht sprechen und sprach ihm deshalb von Kränkungen und Nadelstichen, die meiner vielleicht harren würden und gewiß auch harren werden, aber der eigentliche Grund ist doch der, den ich dir eben genannt habe, die Freiheitsfrage. Jetzt beherrsch’ ich ihn. Ob ich ihn als Gräfin auch noch beherrschen werde, dünkt mir zweifelhaft, ohne daß ich deshalb an einen Oger oder Blaubart denke. Durchaus nicht. Er ist innerlich viel zu fein und vornehm und nebenher auch viel zu sehr von mir eingenommen, um jemals den launenhaften Tyrannen zu spielen; er wird mir immer zuliebe leben und meine Wünsche belauschen und erfüllen. Aber je mehr er das tut, je weniger frei werd’ ich sein und mich auch meinerseits schicken müssen. Ich weiß wohl, daß man das soll. Aber ob ich’s auch immer können werde? Nimm eine Kleinigkeit. Du weißt, ich liebe Nelken, und hätt’ ich mir nicht eben erst all und jede Passion abgesprochen, so hätt’ ich nicht übel Lust, mir eine regelrechte Nelkenpassion zuzuschreiben. Und nun stelle dir vor, daß er vielleicht Nelken nicht leiden oder wenigstens den Geruch davon nicht ertragen kann. Was würde geschehen? Ich würde natürlich sofort auf meine Lieblingsblume verzichten, aber doch zugleich den Wunsch und das Verlangen darnach nie mehr loswerden. Und so könnt’ es sich ereignen, daß ich aus Sehnsucht nach einer Blume krank und unglücklich würde. Lache nicht, solche Torheiten kommen vor. Alles in allem, ich bin zu lange meinen eigenen Weg gegangen; Unterordnung und Ehe sind immer schwer, aber sie werden schwerer, wenn zu der eheherrlichen Autorität auch noch die der Jahre kommt.«
    »Und warum willst du’s, wenn du so denkst? Warum tust du’s?«
    »Weil unser Herz ein kompliziertes Ding ist, ein Ding mit vielen und oft widerstreitenden Wünschen, und weil die Freiheit, so hoch ich sie stelle, doch schließlich

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