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Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition)

Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition)

Titel: Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Theodor Fontane
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nicht alles in der Welt bedeutet. Es gibt eben auch anderes noch, Dinge, die gelegentlich noch mehr bedeuten oder wenigstens bedeuten können.«
    »Ja, bei gewöhnlichen Leuten.«
    »Auch bei sehr nicht-gewöhnlichen. Umgekehrt; je höher hinauf, je mehr hab’ ich recht. Oder glaubst du beispielsweise, daß es leicht sei, der Freund eines Prinzen oder Erzherzogs zu sein? Du schüttelst den Kopf. Nun gut, also nicht leicht. Und nun sieh dir den Grafen Pejevics an, den du ja kennst und gern hast und der mir ganz wundervoll hierher paßt, wie gerufen. Wie steht es nun mit dem Grafen? Er ist ein großer Magnatensohn, einer der Allerreichsten und Vornehmsten, also natürlich auch der Freiesten, und wenn er auf seine Güter geht, so küßt ihm alles den Rockschoß und, wenn er will, auch die Steigbügel. Und doch ist er hier und spielt den Erzherzogsadjutanten und Galopin. Und warum das alles? Einfach, weil die Abhängigkeit von einem Erzherzog ihm schließlich doch noch mehr bedeutet als seine ganze Magnatenfreiheit, Rockschoß- und Steigbügelkuß mit eingeschlossen. Und ähnlich ergeht es mir. Offen gestanden, ich hätt’ es vor kurzem noch nicht gedacht und mich anders taxiert. Aber tritt erst mal die Versuchung an uns heran, so merken wir bald, daß wir nicht anders sind als andere; die Weltlust reißt uns hin und nicht zum wenigsten der Ehrgeiz. Ja, der Ehrgeiz ist ein großer Versucher.«
    »Aber nicht der größte.«
    »Welcher andere?«
    »Sag es dir selbst.«
    In diesem Augenblick hörten beide, daß draußen die Glocke gezogen wurde, zweimal, aber nicht stark, und Hannah ging, um nachzusehen. Ein Diener gab ohne weitere Bemerkung ein Bukett ab, in das eine Karte gesteckt war. Auf der Karte selbst aber stand: »Egon Graf Asperg«.
    Franziska wurde rot. Wußte der junge Graf schon von dem Geschehenen? Oder war es ein Spiel des Zufalls?

Dreizehntes Kapitel
     
    Die Nachricht von einer stattgehabten Verlobung zwischen dem Grafen und Franziska machte viel von sich reden; als aber einen Monat später erst in der Augustiner- und dann in der protestantischen Kirche der Gumpendorfer Straße die Doppeltrauung stattgefunden hatte, beruhigte man sich um so rascher, als alles, was von medisanten Bonmots in Kurs gesetzt werden konnte, schon in den Tagen vorher verausgabt worden war. Unter allen Umständen kam nichts davon zur Kenntnis des gräflichen Paares, das sich unmittelbar nach der Trauung, nur in Begleitung von Andras und Josephinen, einem neu engagierten und echt wienerischen Kammermädchen, zu mehrwöchentlichem Aufenthalte nach Oberitalien begeben hatte. Von dort aus sollte dann die Rückreise direkt nach Schloß Arpa hin angetreten werden, wohin Hannah in Begleitung einiger anderer Dienerschaften schon gleich nach der Hochzeit aufgebrochen war. Franziska hatte sich schwer von ihr getrennt, aber gerade bei der Vertraulichkeit, die zwischen ihnen herrschte, diese Trennung doch auch wieder als nötig angesehen.
    Der Aufenthalt in Oberitalien begann am Gardasee, woran sich dann ein Besuch in Venedig anschloß, von Venedig, das Franziska noch viel schöner fand, als sie gedacht und geträumt hatte. Nichtsdestoweniger war sie, nachdem sie zehn Tage lang alles Gefrorene durchgekostet und eine Legion von Erbsendüten an die Markusplatz-Tauben verfüttert hatte, am elften Tage froh, den Aufenthalt abgebrochen zu sehen, und zwar um so mehr, als der Graf willens war, auf der Rückreise noch Etappen zu machen, vor allem in Verona, das vor länger als einem halben Jahrhundert sein Garnisonsort und der Schauplatz seiner ersten Triumphe gewesen war. Franziska hatte lachend eingewilligt, aber doch nur unter dem Zugeständnis, daß ihr das Haus und Grab der Julia Capulet gezeigt werde, »weil Liebesgeschichten mit tragischem Ausgange nun mal ihre Passion seien«. Und nach diesem Programm war die Rückfahrt auch wirklich angetreten und ausgeführt worden, erst in kleinen, oft unterbrochenen Tagesreisen, bis man endlich, von Station Bozen aus den Eilzug benutzend, in zwölfstündiger Fahrt die Südspitze des großen Arpasees erreicht hatte. Hier an der Südspitze lag Nagy-Vasar, ein Flecken, von dem aus dreimal täglich ein Dampfschiff bis zu dem am Nordufer des Sees und zugleich zu Füßen von Schloß Arpa gelegenen Städtchen Szegenihaza ging.
    Das Schiff hatte sich eben in Bewegung gesetzt, denn die Abfahrtszeit, zwei Uhr, war schon vorüber; als aber der auf seiner Kommandobrücke stehende Kapitän des Schiffes des Grafen

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