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Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition)

Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition)

Titel: Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Theodor Fontane
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pikiert darüber, sich durch eine Rivalin verdrängt zu sehen, gleich darnach aber erschien Hannah mit dem Toilettenmantel und stellte sich hinter den Stuhl ihrer Herrin.
    »Weißt du, Hannah, mir ist, als hätt’ ich dich fünf Jahre lang nicht gesehen, und doch ist es, laß mich rechnen, erst neunzehn Tage, daß wir von Wien nach Italien abreisten. Ich hätte dich so gerne mitgehabt. Und dann dacht’ ich auch wieder, es sei besser so.«
    »Das war es auch.«
    »Vielleicht. Aber jede Stunde hast du mir gefehlt.«
    »Und doch soll es in Italien so wunderschön sein und so viel zu sehen, daß man gar nicht weiß, wie man damit zu Ende kommt.«
    »Das ist es ja, Hannah, und eben deshalb ist es am besten, man fängt gar nicht erst an. Du hast keine Vorstellung, wie müd’ ich immer war. Und dabei mußt’ ich in einem fort bewundern und alles schön finden und glücklich sein.«
    »Ja, glücklich sein; warst du’s denn nicht?«
    »Oh, gewiß war ich’s. Er ist ja so gut gegen mich und überschüttet mich mit Aufmerksamkeiten und Freundlichkeiten. Und auch mit Geschenken. Aber sieh, es ist ein Unglück, ich hänge nicht an Geschenken; ich finde sie beschwerlich und langweilig. Und nun denke dir, immer Ketten und Gehänge, daraus man sich nichts macht, und zehntausend Bilder, die man nicht versteht.«
    »Zehntausend?«
    »Oder sage die Hälfte, meinetwegen, aber das macht gar keinen Unterschied. Einer von den berühmten Malern hat das ›Paradies‹ gemalt, auf dem tausend Figuren sind; ich glaube, so viele kommen gar nicht ins Paradies hinein. Der Graf war auch der Meinung und freute sich, als ich’s sagte, denn ich muß es dir wiederholen, er ist von einer beständigen Güte gegen mich und findet alles hübsch und reizend, was ich sage, so daß es mich geradezu beschämt. Aber während ich das von dem Paradiese so scherzhaft und zu seiner wirklichen Erheiterung hinsagte, war er doch zugleich auch ein wenig ärgerlich auf mich, und warum? Weil es wie Kritik klang und er in einem fort immer nur Bewunderung, immer nur Kunstbewunderung von mir verlangte.«
    »Du bist doch aber selbst eine Künstlerin.«
    »Eben weil ich es bin oder es zu sein mir wenigstens einbilde, gerade deshalb bin ich so sehr gegen Überspanntheiten auf diesem Gebiet. Immer nur die, die von der Kunst wenig wissen und verstehen, finden alles himmlisch und göttlich. Auch der Graf hat mehr Begeisterung als Verständnis. Erinnere dich nur, genaugenommen, wußt’ er auch vom Theater nicht viel, trotzdem er die Wolter elfmal als Messaline gesehen hatte. Das sieht wie Studium aus, bedeutet aber wenig oder nichts. Er kennt eigentlich nur Personen, die ihm gefallen, und solche, die ihm mißfallen. Und das nennt er dann Kunst und Kritik! Und nun gar Bilder… Aber stelle dich hierher, daß ich den Blick auf den See frei habe… Nun, also Bilder, sagt’ ich. Ja, was tat er? Er nannte die Namen, und diese Namen gingen ihm glatt genug über die Lippen, denn er spricht recht gut Italienisch. Aber das ist auch alles. Und weil er zufällig viele Jahre lang in Verona gestanden hat, so sprach er am liebsten… Aber kennst du Paul Veronese?«
    »Gott, Franziska. wir sind doch aus einem gebildeten Lande.«
    »Nun gut also. Da hättest du nun hören sollen, was er mir alles vorschwärmte von Kolorit und pastos und satten Farben. Ja, du lachst, aber wirklich von satten Farben. Und das alles, wenn man elend und hungrig ist und kaum noch stehen kann, denn sie haben nirgends Stühle, bloß Bilder und immer wieder Bilder. Ach, da hieß es dann, sich zusammennehmen, und mir war oft das Weinen nahe. Und doch ist er so gut, und ich muß und will ihm zuliebe leben, auch in kleinen Dingen. Denn an kleinen Dingen hängt ja das Glück und in der Ehe erst recht. Und ich bin doch nun in der Ehe.«
    »Versteht sich, bist du.«
    Franziska errötete. Dann faßte sie sich wieder und sagte: »Ja, Hannah, da hast du mir gefehlt und bei hundert anderen Gelegenheiten. Denn die Josephine dalberte nur immer, erst mit dem Zimmerkellner und dann mit dem Andras, trotzdem er noch ein halbes Kind ist und erst sechzehn wird… Aber, o Gott, was schwatz’ ich da von Venedig und Josephinen, all das bedeutet ja nichts, und nur das bedeutet was, wie dir’s ergangen ist, dir, meiner lieben Hannah. Denn darin spiegelt sich mein eigenes Leben und wie mir’s in Zukunft ergehen wird. Und nun sage mir, wie die Leute hier sind. Alles, was du mir gestern erzählt hast, war lange nicht genug und nur so

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