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Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition)

Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition)

Titel: Delphi Saemtliche Werke von Theodor Fontane (Illustrierte) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Theodor Fontane
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notdürftig drüber hin. Ich will aber alles wissen, alles, ob sie freundlich und entgegenkommend sind oder zurückhaltend, offen oder verschlagen, gewitzt oder abergläubisch, mit einem Wort, gut und böse. Verschweige mir nichts. Und nun sprich und stelle sie mir vor, einen nach dem andern, als ob sie leibhaftig vor mir stünden.«
    »Also, der alte Czagy…«
    Franziska nickte.
    »Der ist der erste, daran ist kein Zweifel. Er hat mehr Einfluß als alle anderen zusammengenommen. Aber wichtiger für dich ist doch eigentlich der kleine Kaplan.«
    »Ein Kaplan? Hier im Schloß?«
    »Nein, unten in der Stadt. In Szegenihaza. Wenn du das Glas nimmst, kannst du sein Haus sehen.«
    »Und dann?«
    »Nun, dann haben wir noch den Toldy, den alten Toldy.«
    »Oh, den kenn’ ich. Das ist des Andras Vater.«
    »Ja. Aber außer dem Andras hat er noch elf andere Kinder. ›Je mehr Magyar, je mehr Freiheit‹, ist einer von seinen Sätzen und Glaubensartikeln.«
    »Also wohl überspannt?«
    »Ich weiß es nicht sicher. Nur das weiß ich, er war Honvedfähnrich und hat einen Hieb über den Kopf von Anno neunundvierzig her. Es kann also wohl sein. Ist immer ungrisch rabiat und haßt alles, was kaiserlich ist. Aber ehrlich und kreuzbrav und kann erzählen und Geige spielen und hat nicht bloß den Garten und das Treibhaus unter sich, sondern auch die Galerie. Da weiß er gut Bescheid und kennt jeden Petöfy.«
    »Gut. Aber als ich gestern hier ankam, hab’ ich nicht drei, sondern dreißig gesehen oder doch nicht viel weniger. Ich erschrak ordentlich. Ein paar sahen aus wie Zigeuner.«
    »Und sind es auch, und sind eigentlich alle wie Zigeuner oder Mäusefallenhändler. Alle schlank und braun und langes Haar und gutmütig und lachen immer. Aber ich trau’ keinem nicht. Wutsch, ist ein Löffel weg. Es ist alles wie in der Verschwörung.«

Fünfzehntes Kapitel
     
    Bald darnach war die Toilette beendet, und Franziska, während sich Hannah noch im Zimmer um sie her zu tun machte, nahm auf gut Glück eins der Bücher vom Bücherbord und setzte sich in das Nischenfenster, um zu lesen. Aber sie war zerstreut, der Sinn stand ihr nach anderen Dingen, und so legte sie das Buch wieder beiseite und sagte:
    »Es geht nicht, Hannah. Ich möchte lieber etwas sehen, den Park oder den Garten. Sage, was bedeutet der große Saal hier nebenan, der jetzt wahrscheinlich zu seiner eigenen Verwunderung nichts weiter ist als ein Entree zu meinem Zimmer.«
    »Das ist der Eßsaal aus der Türken- oder der Prinz Eugen-Zeit her, wo der Neubau des Schlosses eben fertig geworden war. Und Toldy zeigte mir auch die Stelle, wo Prinz Eugen leibhaftig gesessen hat.«
    »Oh, das interessiert mich. Prinz Eugen! Komm, das will ich sehen. Du mußt mich überhaupt im Schlosse herumführen und mir alles sagen, was du weißt. Ich habe dann auch Stoff für den Grafen und kann ihm Konversation machen. Er hat es so gern. Bis jetzt kenn’ ich ja nur meine drei Zimmer.«
    Unter diesen Worten war Franziska, von Hannah gefolgt, in den großen Saal eingetreten. Dieser lief durch die ganze Schloßtiefe, weshalb er auch zwei Balkone hatte, von denen sich der andere mit einem Blick auf den Schloßhof begnügen mußte. Hohe Glastüren führten auf beide hinaus. Der Saal selbst war von hellgelbem, poliertem Stuck, desgleichen der Plafond, an dessen vier Ecken ebensoviel Engel in den Saal herniederhingen und in die Tuba bliesen.
    Franziska sah hinauf und sagte: »Die Wahrheit zu gestehen, Hannah, ich freue mich, diese vier Engel nicht beständig über mir zu haben. Sie blasen den Petöfyschen Ruhm in die Welt hinaus, und das ist gut, aber unter ihnen zu sitzen, ist gefährlich. Zeige mir lieber, wo Prinz Eugen gesessen hat.«
    »Ich weiß nur, was ich von Toldy weiß: Der Prinz habe die Balkontür im Rücken gehabt.«
    »Welche?«
    »Die dort, die nach dem Hofe hin.«
    Und nun suchten beide die Stelle, wo der Prinz notwendig gesessen haben müsse, lachten, als sie sie gefunden hatten oder doch gefunden zu haben glaubten, und traten endlich wie zum Lohn für ihre Mühe durch die Glastür auf den Balkon hinaus.
    Aber nicht auf lange. Die Vormittagssonne fiel von der Seite her blendend auf den Schloßhof und zwang sie, wieder zurückzutreten, um im Schatten der Türpfeiler besser sehen zu können.
    »Ah, das ist schön«, sagte Franziska, während sie den Hof mit ihrem Lorgnon musterte. »Du hast mir von der Türkenzeit und von zweihundert Jahren erzählt, aber das, was hier drüben

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