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Delphi Werke von Charles Dickens (Illustrierte) (German Edition)

Delphi Werke von Charles Dickens (Illustrierte) (German Edition)

Titel: Delphi Werke von Charles Dickens (Illustrierte) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Charles Dickens
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Leuten zu leicht gemacht worden ist«, sagte sein Gefährte.
    »Und mir gestatten Sie bitte, Ihnen zu sagen, Doktor«, fuhr Mr. Snitchey fort, »wiewohl ich es Ihnen schon tausendmal auseinandergesetzt habe, daß ich in der Welt, indem sie prozessiert, und überhaupt in dem Systeme ihres Gerichtswesens etwas wirklich Ernsthaftes, etwas durchaus Reelles erkenne, etwas, was sein Ziel und seinen Zweck hat.«
    Clemency Newcome stieß jetzt an die Tafel, daß alle Teller und Tassen klapperten.
    »Nun, was gibt es denn?« rief der Doktor.
    »Es ist der dumme Aktenstoß«, sagte Clemency, »der einem immer zwischen die Gliedmaßen gerät.«
    »Was sein Ziel und seinen Zweck hat, sagte ich«, wiederholte Snitchey, »etwas, das unsere Achtung verlangt. Das Leben wäre ein Narrenspiel, Doktor Jeddler? Das Leben mit der Gerichtsbarkeit?«
    Der Doktor lachte und sah Alfred an.
    »Zugegeben, daß der Krieg eine Dummheit ist«, sagte Snitchey, »darin stimmen wir überein. Zum Beispiel, hier sehen wir eine entzückende Gegend.« Er deutete mit der Gabel ins Freie. »Ehedem aber war sie bedeckt mit Scharen von Soldaten jeder einzelne des Landfriedensbruches schuldig und sie war verwüstet durch Feuer und Schwert. Ha, ha, ha! Nur der Gedanke allein, daß sich ein Mensch aus freien Stücken dem Tod durch Feuer und Schwert ausliefert! Das ist dumm, ist vollkommen lächerlich; man muß die Schultern zucken über seine Mitmenschen, wenn man daran denkt! Aber nehmen wir diese freundliche Gegend, wie sie jetzt ist. Denken wir an die aus dem Grundeigentum entspringenden Rechtsverhältnisse; an die Vererbung und Schenkung des Grundeigentums; an Freipacht, Erbpacht, zeitweise Pacht; denken wir«, sagte Mr. Snitchey mit solcher Hingerissenheit, daß er mit den Lippen schmatzte, »denken wir an die komplizierten Gesetze, die sich auf das Besitzrecht und den Beweis des Besitzrechtes erstrecken, nebst allen sich widersprechenden Präzedenzfällen und Gesetzesakten, die dazu gehören; an die unendliche Fülle von verwickelten und endlosen Kanzleigerichtsprozessen, zu denen diese schöne Serie den Anlaß gibt: und geben Sie zu, Doktor Jeddler, daß dies eine Oase in der Welt ist! Ich hoffe«, sagte Mr. Snitchey mit einem Blick auf seinen Kompagnon, »daß ich im Namen der Firma rede, Mr. Craggs.«
    Da Mr. Craggs zustimmte, bemerkte Mr. Snitchey, dessen Appetit durch die Rede gesteigert worden war, »daß er noch eine Scheibe Fleisch und eine Tasse Tee zu sich nehmen wolle«.
    »Ich möchte nicht das Leben im allgemeinen verteidigen«, fügte er hinzu und rieb sich, während er in sich hineinlachte, die Hände; »es ist voller Torheit, voll von noch Schlimmerem. Versicherungen der Treue, des Vertrauens und der Uneigennützigkeit, und Ähnliches. Ach, was! Wir wissen, was sie wert sind. Aber Sie dürfen nicht über das Leben lachen; Sie haben eine Partie zu spielen; eine sehr schwierige Partie! Alle Menschen spielen gegen Sie, und Sie spielen gegen alle Menschen. O, es ist eine recht interessante Geschichte. Es sind raffinierte Züge auf diesem Spielbrett. Sie dürfen nur lachen, Doktor Jeddler, wenn Sie gewinnen; aber auch dann nicht zu laut. Ha, ha, ha! und auch dann nicht zu laut!« wiederholte Snitchey, indem er den Kopf hin und her drehte und das eine Auge zukniff, als wollte er hinzufügen: »Sie können dafür das machen!«
    »Nun, Alfred«, fragte der Doktor, »was sagen Sie dazu?«
    »Ich sage nur«, erwiderte Alfred, »Sie können mir und vermutlich auch sich selbst keinen größeren Gefallen erweisen, als daß Sie manchmal versuchten, dieses Schlachtfeld zu vergessen. Nicht minder aber andere, die Teile dieses großen Schlachtfeldes des Lebens überhaupt sind; eines Schlachtfeldes, das die Sonne täglich bescheint.«
    »Nun, ich fürchte, das würde ihn nicht milder stimmen, Mr. Alfred«, sagte Snitchey. »Die Kämpfer in dieser Lebensschlacht sind sehr grimmig und erbittert gegeneinander. Ganz empörend ist das Schlagen und Stechen, und das heimliche Niederstoßen von rückwärts; ferner das Zu-Boden-Treten und Erdrücken; kurz, es ist eigentlich eine böse Geschichte.«
    »Ich glaube, Mr. Snitchey«, sagte Alfred, »daß in dieser Schlacht stille Siege und Kämpfe, große Selbstaufopferung und edle, heldenmütige Taten selbst in scheinbaren Nichtigkeiten und Widersprüchen sich ereignen. Sie sind gewiß nicht minder schwer zu vollbringen, weil sie in keiner irdischen Chronik verzeichnet werden, weil kein irdisches Publikum sie sieht;

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