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Delphi Werke von Charles Dickens (Illustrierte) (German Edition)

Delphi Werke von Charles Dickens (Illustrierte) (German Edition)

Titel: Delphi Werke von Charles Dickens (Illustrierte) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Charles Dickens
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werden uns binnen einem halben Jahr vergessen!«
    »Wenn ich das tue aber Sie wissen es ja besser: warum sollte ich mit Ihnen streiten?« sagte Alfred lachend.
    »Ich weiß gar nichts Derartiges«, erwiderte der Doktor. »Was meinst Du dazu, Marion?«
    Marion, mit ihrer Tasse spielend, schien zu sagen – aber sie sagte es nicht – daß er sie nur immer vergessen möge, wenn er es könne. Grace schmiegte ihr schönes Gesicht an Marions Wangen und lächelte.
    »Ich bin, wie ich hoffe, nicht ein sehr ungerechter Verwalter des mir anvertrauten Gutes gewesen«, sprach der Doktor weiter: »aber jedenfalls muß ich heute meines Amtes offiziell enthoben und aus ihm entlassen werden; und hier sind unsere guten Freunde Snitchey und Craggs mit einem ganzen Stoß von Papieren, Rechnungen und Dokumenten über das Vermögen, das ich Ihnen zu übertragen habe (ich wollte, es wäre erheblicher, Alfred, aber Sie müssen ein tüchtiger Mann werden und es vergrößern), und anderem törichten Kram dieser Art. Der ist nur zu unterzeichnen, zu siegeln und zu übergeben.«
    »Und rechtskräftig zu bestätigen, wie es das Gesetz vorschreibt«, sagte Snitchey. Er schob seinen Teller beiseite, holte die Papiere hervor, die sein Sozius auf dem Tische ausbreitete, und fuhr fort: »Da ich und Craggs gemeinschaftlich mit Ihnen, Doktor, Verwalter des Vermögens waren, so werden uns Ihre beiden Hausangestellten als Zeugen dienen können Sie lesen, Mrs. Newcome?«
    »Ich bin nicht verheiratet, mein Herr«, sagte Clemency.
    »Ach, Verzeihung. Ich konnte mir dies denken«, sagte Snitchey lächelnd und betrachtete zugleich die wunderliche Erscheinung. »Sie können lesen?«
    »Ein bißchen«, erwiderte Clemency.
    »Sie lesen wohl am liebsten, von früh bis abends, das Verheiratungsformular, nicht wahr?« bemerkte scherzend der Anwalt.
    »Nein«, sagte Clemency. »Zu schwer. Ich lese nur den Fingerhut.«
    »Den Fingerhut?« wiederholte Snitchey. »Was soll das bedeuten?«
    Clemency nickte und sagte: »Und das Muskatsieb«.
    »Sie ist verrückt! Etwas für den Lord Oberkanzler!« sagte Snitchey und fixierte sie.
    »Wenn sie Vermögen besitzt«, bemerkte Craggs.
    Jetzt mischte sich aber Grace dazwischen und erklärte ihnen, daß auf die beiden genannten Gegenstände ein Motto geschrieben sei, und daß sie auf diese Weise die Taschenbibliothek Clemencys bildeten, die sich mit Büchern nicht viel abgab.
    »Ach, das bedeutet es, Miß Grace!« sagte Snitchey. »Ja, ja. Ha, ha, ha! ich dachte, das gute Mädchen wäre im Verstand nicht richtig. Sie sieht ganz danach aus«, sagte er und schüttelte den Kopf. »Was aber steht auf dem Fingerhut, Mrs. Newcome?«
    »Ich bin nicht verheiratet, Mister«, bemerkte Clemency.
    »Na, dann nur Newcome. Wird das passen?« sagte der Anwalt. »Was steht auf dem Fingerhut, Newcome?«
    Wie Clemency, ehe sie diese Frage beantwortete, eine Tasche aufklappte und in ihrer gähnenden Tiefe nach dem Fingerhut suchte, der nicht darin war und wie sie es mit der andern Tasche ebenso machte, und ihn tief unten wie eine Perle von großem Werte zu entdecken schien; wie sie dann alle dazwischenliegenden Hindernisse, als da waren ein Schnupftuch, ein Kerzenstummel, ein rotbäckiger Apfel, eine Orange, ein Glückspfennig, ein Schloß, eine Schere in Futteral, eine Handvoll Glasperlen, mehrere Garnknäuel, eine Nadelbüchse, eine vollständige Sammlung von Haarwickeln und ein Zwieback, beiseite räumte und jedes dieser Dinge einzeln Britain zu halten gab das kümmert uns wenig. Auch nicht, wie sie bei ihrem Bemühen, die Tasche zu packen und festzuhalten (denn diese hatte merkwürdige Neigung zu schaukeln und in die nächste Ecke zu schlüpfen), eine Haltung annahm und diese festhielt, obwohl sie allem Anschein nach mit der menschlichen Anatomie und den Gesetzen der Schwerkraft im vollkommensten Widerspruch stand. Es genügt uns, daß sie zuletzt mit Triumph den Fingerhut auf den Finger steckte, und mit dem Muskatsieb klirrte, wobei zu beachten ist, daß die Literatur dieser beiden Geräte infolge der übermäßigen Abnutzung dem Verschwinden nahe war.
    »Das ist also der Fingerhut?« sagte Mr. Snitchey, um sich auf ihre Kosten zu amüsieren. »Und was sagt der Fingerhut?«
    »Er sagt«, antwortete Clemency und buchstabierte langsam die Inschrift heraus: »Ver giß und ver gib.«
    Snitchey und Craggs lachten vergnügt. »Das ist nett!« sagte Snitchey. »Nicht übel!« sagte Craggs. »Soviel Menschenkenntnis verratend«, sagte Snitchey.

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