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Denkwürdigkeiten aus meinem Leben [microform]

Titel: Denkwürdigkeiten aus meinem Leben [microform] Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: 1769-1843 Caroline Pichler , 1881-1925 Emil Karl Blümml
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Bruder doch die Ein-willigung zu seiner Vermählung, und nun kam es darauf an, in unserer Wohnung in der Stadt sowohl als auf dem Lande eine Möglichkeit auszumitteln, damit wir beide-junge Paare, ohne den Eltern eine neue Ausgabe aufzubürden, in demselben Quartiere mit ihnen woh-nen könnten; denn ohne eine großmütige Unterstü-tzung von Seite meines Vaters hätten weder Pichler und ich, noch mein Bruder mit Marien anständig le-ben können. Hier nun traten große Schwierigkeiten ein. Meine Mutter trug auf Einschränkungen an, die meines Vaters Hang zu geselligen Freuden und einem gewissen Glanz seines Hauses sehr zu beschränken droh-ten. Er versagte seine Zustimmung, es gab unange-nehme Auftritte und die Heiterkeit und Ruhe 'unseres häuslichen Lebens war sehr dadurch gestört. Ich er-trug das in meinem Wochenbette gar ungern, es ver-bitterte mir meine Mutterfreuden, und so gab ich mir alle erdenkliche Mühe, um hier eine Auskunft, welche alle Parteien zufrieden stellen konnte, wenigstens für den Aufenthalt auf unserm Landhause, zu ersinnen. Ich überlegte, ich verglich, ich rechnete und fand end-lich, daß mit einer ziemlich geringen Summe ein Teil der Wirtschaftsgebäude, der überflüssig geworden war, zu einer kleinen, aber niedlichen Wohnung für meinen Bruder umgeschaffen werden könnte. Meine Eltern und wir behielten unverändert die Zimmer, welche wir jetzt in dem Landhause inne hatten, alles war in einem Hause vereinigt, und da d6r Bau nicht kostspielig sein konnte, alle Wünsche befriedigt. Diesen Vorschlag trug ich denn meinen Eltern und dem Bruder vor,^ er würde geprüft, genehmigt, und ich sah nach ungefähr vierzehn recht trüben Tagen wieder heitere Gesichter
    und gute Laune um mich — eine Lebensbedingung, die mir von jeher Bedürfnis meines eigenen Glückes ge-wesen und es fortwährend geblieben ist; mich aber da-durch oft sehr abhängig von denen gemacht hat, deren guten Willen ich mit Opfern zu erkaufen bereit war.
    Auch in dieser Angelegenheit erprobte sich, was ich seitdem so oft in meinem langen Leben durch Erfahrung bestätigt gefunden habe: wie kurzsichtig unser Blick in die Zukunft ist, wie oft wir uns ohne Not mit Sorgen quälen, deren Abwendung dann gar nicht mehr statt hat, und wie manchen Kummer marTsich ersparen könnte, wenn man, nach den eigenen Worten des Hei-lands, nicht immer für den kommenden Tag sorgen, sondern jedem Tag seine eigene Sorge überlassen wollte 380).
    Der Bau in unserm Landhaus in Hernais war also beschlossen und die streitenden Parteien befriedigt. Ruhe und Heiterkeit kehrte in unsere Familie zurück, mein Kind gedieh an meiner Brust, und ein paar Mo-nate vergingen ganz angenehm. Der Fasching war mittlerweile herangekommen; mein Mann, mein Bru-der, seine Braut und meine übrigen Gespielinnen ge-nossen seine Freuden, mich schloß meine Pflicht als Amme von diesen Unterhaltungen aus, die ich nur mit großen Einschränkungen hätte genießen können, und ihnen daher lieber ganz entsagte. Aber noch im Laufe des Karnevals fing mein guter Vater an, zu kränkeln. Es war dem Anscheine nach nur sein gewöhnliches Übel, Heiserkeit und Husten, aber es zeigte sich so hart-näckig, es sanken die Kräfte des Leidenden so merklich bei einer an sich unbedeutenden Krankheit, daß dies alles uns sehr aufmerksam und besorgt machte, und der Arzt, eben jener Dr. Herbek, ein Schüler des großen

    Ölgemälde von Hubert Maurer — Städtisches Museum, Wien
    )

    StolP®^) und unser Hausfreund, jetzt beinahe täglich erschien, um nach dem Papa zu sehen.
    Die Hochzeit meines Bruders war auf den nächsten Frühling festgesetzt, und im Hause der Eltern der Braut, so wie in dem unsrigen, wurden bereits Vor-anstalten getroffen. Aber meines Vaters Kränklich-keit und zunehmende Schwäche breitete einen düstern Schleier über diese herannahende Verbindung, und wahrlich, das Schicksal dieser Ehe hielt der düstern Stimmung Wort, in welcher sie bereitet und vollzogen wurde!
    Auf eine wunderbare, aber uns alle sehr beunru-higende Weise fing meines Vaters Geschmack und Sin-nesart an, sich in dieser Periode ganz zu verändern. Was ihm früher und noch bis vor wenigen Wochen sehr angenehm, ja sein liebster Wunsch, und sein Streben war — nämlich stets viele Leute um sich zu sehen, wurde ihm jetzt lästig, ohne daß er doch über ein be-stimmtes körperliches Leiden zu klagen gehabt hätte, ja ohne weder das Bette noch das Zimmer hüten zu müssen. Er fuhr selbst noch oft aus, und wenn er

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