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Denkwürdigkeiten aus meinem Leben [microform]

Titel: Denkwürdigkeiten aus meinem Leben [microform] Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: 1769-1843 Caroline Pichler , 1881-1925 Emil Karl Blümml
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er bezog das kleine, niedliche Quartier,. was meine Eltern ihm nach meinem Vorschlag aus einem Teil der Wirtschaftsgebäude hatten zurichten lassen^ und war hätten wohl alle vergnügt und still neben ein-ander leben können, wenn nicht meines Vaters immer mehr sinkende Gesundheit diese häusliche Zufrieden-heit zerstört hätte. Bisher hatte er es vermocht, die Treppe hinab in den Garten zu gehen, bald aber er-laubten dies die schwindenden Kräfte nicht mehr, und unglücklicherweise trat, wie ich es gefürchtet hatte, eine jener gäben Witterungsveränderungen ein, die bei uns wohl das ganze Jahr hindurch nicht selten, im Frühling aber sehr gewöhnlich sind. Es kam anhalten-des Regenwetter mit kalten Stürmen, wir wußten uns nicht zu helfen, um des Vaters Kabinett und ihn selbst hinlänglich mit Flaschen von heißem Wasser, Wach-holderfeuer usw. zu erwärmen. Diese Schädliche Ein-wirkung der äußern Kälte offenbarte sich nur zu bald. Zwar hörte der Regen und mit ihm der Frost auf, die Sonne schien wieder hell und warm, aber mein Vater welkte sichtHcher dem Grabe zu, und am 2. Juni ver-schied er sanft, fromm und liebend für uns alle besorgt, wde er gelebt hatte^^2)!
    Illlllllllllllllll Illlll IIIIMIIIIIIIIIIIIMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII Illlllllllllllllllllllllllll
    ZWEITES BUCH
    1798—1813
    Der Tod meines Vaters machte eine wichtige Epoche in unserm häusHchen Zusammenleben. Nicht bloß der zärtliche, treffliche Vater war uns allen entzogen, sondern mit ihm hörten auch die bedeuten-den Einkünfte auf, welche mit seiner Stelle^ als der eines altern Hofrats, verbunden waren, und meine Mutter, nebst uns beiden jungen Paaren, war nun auf die aus unserm Stammvermögen entfallenden Ein-künfte, und die noch sehr mäßigen Besoldungen mei-nes Mannes und meines Bruders beschränkt.
    Es wurden Einschränkungen nötig, besonders da wir jungen Paare keine bedeutenden Einkünfte hatten, und einer Vermehrung der Ausgaben entgegen sehen mußten. Es wurde also überlegt, Rat gehalten. Eine Wohnung in der Stadt, wie wir alle sie bisher ge-wohnt waren und nicht gern entbehrt hätten, und ein Sommeraufenthalt auf dem Lande, der uns allen seit Jahren, zum Bedürfnis geworden, erforderten einen Aufwand, der unsre damaligen Kräfte überstieg. Wir beschlossen also — ein Vorsatz, der damals viel bedenk-licher und schwerer zu fassen war, als es jetzt scheinen möchte — nur eine Wohnung fürs ganze Jahr, aber diese, um die AnnehmUchkeit eines Gartens zu ge-nießen, in einer schönen, nahen Vorstadt zu suchen. Unsere Bekannten und Freunde erstaunten über die-sen Entschluß und die meisten mißbilligten ihn höch-lich; denn damals standen die Vorstädte ungefähr in dem Verhältnis zur Stadt, in welchem sich jetzt die Dörfer befinden, wo nun auch nur wenige Familien
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    aus den angesehenen Ständen sich entschließen, Win-ter und Sommer zu wohnen, und eine solche Wahl immer Verwunderung und Tadel erregt.
    Da wir alle wenig Ansprüche auf ein Leben in gro-ßen und glänzenden Gesellschaften machten, und un-ser Glück in zufriedner Häuslichkeit fanden, so ließen wir die Leute sagen, was sie wollten, suchten fleißig nach einem Hause, wie wir es in unsern damaligen Ver-hältnissen brauchten, und fanden endhch dasjenige, welches wir seit jener Zeit bis auf diesen Tag noch be-wohnen.
    Zur Ausführung dieses Planes gehörte denn auch, daß das Landhaus, das wir besaßen, und in dem wir zur Zeit des Verlustes unsers teuern Vaters und noch den ganzen Sommer von 1798 lebten, verkauft wurde. Es tat mir sehr weh, denn in diesem Landhause hatte ich die Zeit meiner Kindheit und Jugend zugebracht, und-in den Schattengängen des großen, schönen Gar-tens waren die ersten Anregungen zur Poesie in meinem Gemüt erwacht. Wie oft hatte ich im dichtesten Ge-büsche an meinem Lieblingsplätzchen gesessen, wo ein kleiner Quell über nette Steine hinabrieselte, und dem Geflüster der Blätter über mir, dem Gesang der Vögel, dem Gemurmel des Wassers horchend, mich still und selig gefühlt. Von solchen Stunden sagte ich später in einem ungedruckten Liede:
    Ich war allein, doch einsam war ich nie;
    Ich war bei Blumen, Büschen, Gras und Bächen,
    Ich hörte sie in ihrer Sprache sprechen,
    Und tief im Innersten verstand ich sie. -
    Dort lagen Saiten, die bei jedem Ton
    In der belebten Schöpfung mit erklangen,
    Sie sind's, woraus mir reine Freuden sprangen,
    Sie tauscht' ich nicht um eines Fürsten Thron. 3^^)
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    \
    In

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