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Denkwürdigkeiten aus meinem Leben [microform]

Titel: Denkwürdigkeiten aus meinem Leben [microform] Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: 1769-1843 Caroline Pichler , 1881-1925 Emil Karl Blümml
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Wert-schätzung zu versichern, womit ich stets verharre
    Ihr aufrichtigst ergebener 23. März 1801. E. Carl."
    Ich war ganz glücklich durch diese höchste Huld und gnädige Anerkennung, und mir schien es, als hätte ich nun eine Ursache, ja ein Recht mehr, mich der Ver-ehrung und Bewunderung so vieler fürstlichen, kriege-rischen und menschlichen Tugenden zu überlassen. Diese Empfindung strömte auch über in eine Idylle: die Geretteten*"^, in der ich die gesicherte Ruhe der Bewohner des Landes unter der Enns, welche sie dem Helden Karl zu danken hatten, im Vergleich mit den Schrecken und Leiden schilderte, unter welchen die vom Feinde besetzten Provinzen seufzten und jene Ekloge Virgils nachzuahmen suchte, worin der Dichter den Augustus preiset*"^, der sein (des Dichters) Vater-land vor ähnlicher Verwüstung schützte. Die Stelle:
    O Meliboee, Deus nobis haec otia fecit. " Namque erlt ille mihi semper Deus; ...
    schien mir recht geeignet, um auf unsern Helden ange-wendet zu werden, und ich freute mich, ihm wieder öffentlich meine tiefe Verehrung bezeugen zu können. Diese Idylle sandte ich dem Staatsrate von Faßben-der, von dem ich, wie oben gesagt worden, bereits einen Brief erhalten hatte, und er dankte mir wieder schrift-lich im Namen seines Herrn.
    Der Friede von Lüneville schloß indessen auf kurze Zeit die Pforten des Janustempels für uns und einen Teil von Europa, aber das Feuer glimmte unter der Asche fort, und bei der immer wachsenden Macht
    Frankreichs und dem Weitergreifen seines kriegslusti-gen Oberhauptes, das zwar damals noch einen beschei-deneren Titel trug, war wohl niemand, der ein bißchen weiter zu sehen vermochte, imstande, sich über die Gefahr, in der wir alle schwebten, und die prekären Bedingungen unserer damaligen Ruhe zu täuschen.
    Unser Leben ging indes still fort und im ganzen ziemlich einsam; aber es knüpften sich nach und nach gesellige Verhältnisse in unserer Nähe an, welche uns viel Annehmliches versprachen. Die Familie des Hjof-rats von Kempelen entschloß sich, wohl durch meines Bruders Zureden vermocht, sich in der Alservorstadt gegenüber von uns anzusiedeln*^). Zu den früher er-wähnten Gliedern derselben gehörte nun die wunder-schöne und sehr interessante Frau des Sohnes*"^). Da seit langen Jahren, wie der Leser dieser Blätter sich er-innern wird, eine genaue Freundschaft unsere beiden Familien verband, so war uns diese Nachbarschaft etwas sehr Erwünschtes, und wirklich begann auch von die-sem Punkte an ein angenehmes geselliges Leben für uns, indem unser Kreis sich nach und nach erweiterte und durch bedeutende Mitglieder verschönte.
    Zwar verloren wir die Familie Wlassics aus unserer. Nähe, die Glieder derselben zerstreuten sich, wie das zu gehen pflegt, da- und dorthin; aber durch die Nach-barschaft des Kempelenschen Hauses ward unser Ver-lust mehr als ersetzt. Diesen Winter von i8oi auf 1802 wurde auch ein noch sehr junger Mann bei uns durch Herrn Haschka eingeführt, der eine, besonders in der Folge zu merkwürdige Erscheinung war, um seiner nicht hier zu erwähnen. Es war der Verfasser der Tirolergeschichte, Baron von Hormavr^, ein Jüng-ling von vielleicht.nicht mehr als zwanzig Jahren, vor
    welchem aber schon ein bedeutender literarischer Ruf vorausging, un^ dessen sehr vorteilhaftes Äußeres den Eindruck angenehm verstärkte, w^elchen jener Ruf ver-breitete. Damals kam er indessen nur selten zu uns, und erst eine spätere Epoche brachte uns in nähere Be-ziehungen.
    Um diese Zeit ungefähr, da durch die Unfälle des Krieges, durch ungünstige Witterung, die Preise der Lebensmittel sehr gestiegen und viele Menschen in Wien sowohl als anderswo mit Mangel zu kämpfen hatten, bildete sich hier aus menschenfreundlichen Männern ein Verein*®'), an dessen Spitze der verstorbene Fürst Josef von Schwarzenberg*®®) stand, und dessen Ge-schäft es ward, auf Mittel zu sinnen, um den untern Klassen, die damals am meisten litten, zu Hilfe zu
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    kommen. Allerlei ward da erfunden und manches aus-geführt, was wenigstens eine Zeitlang seiner Bestim-mung entsprach. Unter diese Hilfsmittel gehörte denn auch die Rumfordsche Suppe ^^), und einer unserer ge-nauesten Freunde, Herr von Perger *^*'), dessen lebhafter Geist sich leicht für alles neue interessierte und dessen kräftiges Gemüt das Ergriffene mit ungewöhnlicher Heftigkeit festhielt, war der eifrigste Beförderer dieses neuen Planes. Ja, er Heß mit großer Uneigennützig-keit seine eigene Küche zu

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